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  • Franziska Dittrich

012 – Über Ehrlichkeit, Weltschmerz und Kopfzerbrechen


Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von nothing but mindfulness. , dem Podcast, in dem sich alles darum dreht, wie Du durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst. Mein Name ist Franziska Dittrich und ich freu mich total, dass Du heute wieder da bist und Deine Zeit mit mir teilst.

Nach meiner letzten Folge zu dem Thema, wie Du mit Situationen und Menschen umgehst, die Du nicht verändern kannst, habe ich ganz häufig das Feedback bekommen, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt für dieses Thema sei und woher ich das denn immer so genau wüsste. Die Antwort darauf lautet: Ich hör auf meinen Bauch. Das, was mich selbst gerade beschäftigt, oder womit ich in meinem Leben zu tun habe, teile ich hier mit Dir in der Hoffnung, dass es Dich irgendwie weiterbringt. Umso mehr freue ich mich natürlich zu hören, dass die Themen auch in andere Leben so gut passen.


Damit mache ich heute auch direkt weiter und möchte mit Dir über Ehrlichkeit, Weltschmerz und Kopfzerbrechen sprechen. Um gleich zu Beginn ehrlich zu sein, möchte ich mir mit dieser Folge auch einfach ein bisschen Luft machen, denn es gibt gerade ein paar Dinge, die mich täglich stören und die einfach einmal gesagt werden wollen. Ein paar Dinge, die mich gerade sehr traurig machen und wieder einmal gewaltig an meinem Weltbild rütteln. Ich entschuldige mich jetzt schonmal dafür, falls die Folge heute etwas emotional und – naja, sagen wir mal „deutlich“ wird.


Ich möchte Dir heute ein paar Fragen und einige Denkanstöße mit auf den Weg geben. Und ich will Dir Mut machen. Mut zur Ehrlichkeit. Mut, um aufzustehen. Und vor allem Mut, einen ECHTEN Unterschied auf der Welt zu machen.

Ich wünsch Dir ganz viel Freude beim Hören.


Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber bei manchen Themen ist mein Fass momentan ziemlich voll. Es genügt dann ein kleiner Tropfen aus irgendeiner Richtung und das Fass läuft kurzzeitig über. So war es in den letzten Wochen zugegebenermaßen öfter. Vielleicht ist gerade einfach eine komische Zeit. Vielleicht leben wir inmitten einer Revolution und merken es nur nicht. Vielleicht ist es normal, dass gerade Vieles anstrengender ist als sonst. Vielleicht ist mal wieder so eine Zeit, in der sich ALLES verändert und es nichts Gewohntes gibt, das bleibt. Ja, das macht Angst. Auch mir. Auch ich bin oft verunsichert. Aber was ist, wenn genau jetzt die Zeit ist, die irgendwann in die Geschichtsbücher eingeht? Wenn wir jetzt die Möglichkeit haben, etwas zu verändern in der Welt, indem wir uns selbst verändern?


Denn wenn im Außen alles vergänglich und in Veränderung ist, was bleibt dann? Genau. Das Innen. Unsere Werte, unsere Moralvorstellungen, unsere Überzeugungen. Unser „Ich bin“.

Ich hab gerade so eine Phase, in der ich – sorry für die Ausdrucksweise – die Schnauze gestrichen voll habe von Egos, von Macht und von Scheinheiligkeit bzw. Unehrlichkeit.


Über all das, was gerade (und ich meine nicht erst seit ein paar Wochen) auf der Welt passiert, brauchen wir gar nicht anfangen, denn dann könnten wir uns vermutlich die nächsten 50 Jahre unterhalten. Daher versuche ich heute, mit Dir über das zu sprechen, was wir in der Hand haben.

Ich hoffe, ich bekomme meine Gedanken in eine gute Struktur und wir starten mit dem ersten Punkt.

Nimm den richtigen Weg und nicht den leichten!


Wir Menschen sind leider von Natur aus sehr bequem, richten unser Leben an Gewohnheiten aus. Wir versuchen Tag für Tag tunlichst, unangenehme Gefühle zu vermeiden und werden deshalb moralisch so flexibel, dass wir manchmal kurz davor sind, zu brechen. Wir setzen uns nicht auseinander, sind still, obwohl wir etwas zu sagen hätten, weil es so bequem ist in unserer Komfortzone.


Hast Du Dich schon einmal gefragt, was am Ende dabei herauskommt, wenn wir uns unser Leben lang verbiegen? Ich schon. Und meine Antwort lautet: Wir werden krank. Ja, ich frage mich manchmal sogar, ob die Menschen, die den Stempel einer psychischen Krankheit auf der Stirn tragen, nicht in Wahrheit diejenigen sind, die einfach kläglich daran gescheitert sind, sie selbst zu sein, weil der Druck von außen zu groß war.

Der Weg des geringsten Widerstands ist beileibe nicht immer der richtige. Und dennoch erlebe ich es fast täglich, wie Menschen sich aus Situationen herauswinden, weil sie befürchten, es könne anstrengend werden, wenn sie sich auseinandersetzen. Sie schämen sich dafür, anders zu sein als die vermeintliche Norm und haben große Angst, aus dem Raster zu fallen. Nicht kompatibel zu sein ist einer der größten Schrecken der Menschheit. Menschen haben Angst, nicht dazuzugehören, nicht geliebt zu werden und etwas zu verlieren, das ihnen lieb und teuer ist.

Ja, ohne Frage: Druck erzeugt immer Gegendruck. Und von Gegendruck gibt es auf dem richtigen Weg mehr als genügend. Das Problem neben der Bequemlichkeit ist hier leider auch, dass viele Menschen es sich nicht zutrauen, diesem Gegendruck standzuhalten. Aber weißt Du was? Du bist so viel stärker als Du denkst. Diamanten entstehen im Übrigen ausschließlich unter Druck.


Der richtige Weg ist oft der, der am Anfang schwer ist und irgendwann leicht wird. Der leichte Weg hingegen ist meistens nur am Anfang leicht und wird dann später schwer. Wenn wir also zum Beispiel unehrlich sind, weil es gerade vermeintlich der leichte Weg zu sein scheint, wird uns das früher oder später böse um die Ohren fliegen, was oft noch viel härter ist, als wenn wir gleich den richtigen Weg gegangen wären. So hätten wir uns vielleicht überwinden müssen, die Wahrheit ans Licht zu bringen, hätten dafür aber im weiteren Verlauf unseren Frieden. Im Übrigen ist das zum Beispiel auch mit Schokolade so, um hier auch mal etwas Leichtigkeit in die Folge zu bringen...


So, wie wir eine Sache machen, machen wir alles. Du solltest es also nicht unterschätzen, welche Auswirkungen es hat, wenn Du in vermeintlich kleinen Dingen immer den leichten Weg wählst. Der leichte Weg wird dadurch nämlich auch für die großen, wichtigen Entscheidungen zu Deiner ersten Wahl und das ist so gefährlich.


Stell Dir vor den nächsten Entscheidungen, die Du triffst, egal ob große oder kleine, einmal die Frage: Wähle ich gerade den richtigen, oder den leichten Weg? Und sei in Deiner Antwort ganz aufrichtig. Du könntest zum Beispiel schon heute damit anfangen bei der Wahl, was Du isst. Oder alternativ bei der Entscheidung, ob Du die Treppe oder den Aufzug nimmst.


Der nächste Punkt, über den ich mit Dir sprechen möchte, ist Ehrlichkeit. Denn ich bin mir sicher:


Schein geht, Wahrheit bleibt.


Geld, Macht, Geld, Macht, Geld, Macht. Fragst Du Dich auch manchmal, was das soll? Was diese ganzen Ego-Spielchen sollen? Diese Lügen und dieser Schein? Jeder, der sich hin und wieder ein bisschen mit sich selbst beschäftigt und zumindest ab und zu in Verbindung mit sich selbst tritt, hat ein Bauchgefühl. Und dieses Bauchgefühl lügt nicht. Es lügt nie! Wir sind alle miteinander verbunden, bestehen fast gänzlich aus Energie. Nicht aus Status, aus Aussehen, aus Körper und Fassade. Geld und Macht führen vielleicht dazu, dass Menschen sich unbesiegbar fühlen. Aber sei Dir sicher, diese Fassade wird früher oder später durchsichtig und instabil. Was bleibt also am Ende?


Wir investieren leider meistens einen Großteil unserer Energie, um uns eine wunderschöne Fassade aufzubauen, die gesellschaftstauglich ist und anderen Menschen gefällt. Hinter dieser Fassade sitzt dann ein verletztes, trauriges, kleines Kind, das bitterlich weint, nach Glück und Erfüllung sucht und mit all dem angehäuften Geld versucht, durch materiellen Besitz und ein Gefühl von Macht etwas zu erreichen und zu kompensieren, das man mit Geld niemals kaufen kann.


Wir lernen schon als Kinder, dass wir mit Fassaden und Lügen durch’s Leben kommen. Wenn wir in der Schule unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben, haben wir Geschichten erfunden. Denn wir wussten, wenn wir sagen, dass wir das nicht für sinnvoll halten, werden wir bestraft. In unseren Beziehungen geben wir oft vor, jemand zu sein, der wir nicht sind, um dem Partner zu gefallen – auch das ist im Übrigen eine Lüge. Im Job schmücken wir uns vielleicht mit fremden Federn oder rücken uns anderweitig in ein positives Licht, denn schließlich sind wir heiß auf die nächste Gehaltserhöhung oder Beförderung. In Gesprächen erwähnen wir nur das, von dem wir glauben, dass unser Gegenüber es hören will. Auf die Frage, wie es uns geht, antworten wir in mindestens 90% der Fälle mit „gut“, auch wenn es uns miserabel geht. Es ist unsexy zu sagen: „Ich kann das nicht.“, daher bluffen wir lieber und geben uns als die starken Alleskönner aus. Wir zeigen uns nicht von unserer verletzlichen Seite, spielen lieber eine Rolle, weil vermeintlich das das ist, was gewünscht wird. Wir geben vor, Mitgefühl mit anderen zu haben, drehen uns aber im nächsten Moment um, schütteln den Kopf und reden hinter ihrem Rücken schlecht über sie. Wir erheben unsere Stimme nicht, wenn wir eine andere Meinung haben, denn Diskussionen würden ja Energie kosten. Wir machen uns für andere pflegeleicht und hören auf, an uns zu glauben, uns einzigartig zu fühlen, denn das wäre überheblich und arrogant. Und am Ende geht es immer nur darum, selbst gut dazustehen. Wenn wir uns einmal umschauen, ist es genau das, wovon unsere Welt regiert wird. Es sind genau diese unehrlichen, egozentrischen Menschen, die über Menschenleben entscheiden und sich eine Klassifizierung anmaßen.


Ich hab diese ganze verlogene Welt so satt. Ich bin so müde von diesem Theater, das die Menschen täglich aufführen, nur um ihr Ego schön poliert zu halten, ihr Machtgefühl an anderen exerzieren und das Geld, das sie meist nicht einmal selbst verdient haben, einsetzen, um anderen zu schaden. Es bereitet mir großes Kopfzerbrechen, wenn ich immer wieder feststelle, wie unehrlich das alles hier wirklich ist. Wenn diese Unehrlichkeit schon in unserem persönlichen Umfeld beginnt, wo soll sie dann enden? Wie sollen sich die Welt und die Gesellschaft verändern, wenn wir es nicht einmal schaffen, uns selbst zu verändern?

Und weißt Du, was das Schlimme ist? Der Ursprung dieser ganzen Lügen liegt aus meiner Sicht in einer einzigen, elementaren Sache verborgen. Nämlich darin, dass ein jeder von uns irgendwann begonnen hat zu glauben, dass er nicht genug ist. Dass er jemand anders sein, irgendetwas Bestimmtes besitzen oder jemanden anderes darstellen muss, um zu reichen.


Jeder Einzelne von uns – und damit meine ich im Übrigen auch ganz speziell Dich – hat das Geburtsrecht, genau so zu sein, wie er ist. Und ganz egal, wer Dir jemals in Deinem Leben etwas anderes erzählt hat, er hat bitterlich gelogen!!!

Ehrlichkeit ist das Einzige, was am Ende bleibt und jede Täuschung endet früher oder später in einer Enttäuschung. Wenn Du irgendwann im Sterbebett liegst, wirst Du nicht das bereuen, was Du gesagt hast, sondern das, was Du nicht gesagt hast. Die Momente, in denen Du still warst oder gelogen hast, obwohl Du etwas zu sagen hattest und mit Deinen Worten vielleicht die Welt ein Stück besser gemacht hättest. Die Momente, in denen Du Dein wahres Gesicht nicht bei der ersten Begegnung, sondern erst bei der letzten gezeigt hast.


Du bist sowas von richtig und genug, genau so wie Du bist. Du musst niemandem etwas beweisen. Mach Dich mal gerade! Wenn Du mit etwas nicht einverstanden bist, sag es. Wenn Dir etwas nicht gefällt, sag es. Wenn Dir etwas widerstrebt, lass es. Und wenn Du für etwas stehst, LEB ES!


Vielleicht erinnerst Du Dich daran, dass ich in einer der ersten Podcastfolgen über Grundbedürfnisse gesprochen habe und dass eines dieser Grundbedürfnisse das nach Zugehörigkeit ist. Der Wunsch, dazuzugehören, leitet uns maßgeblich in unserem Leben. Und gleichermaßen führt er dazu, dass wir unehrlich werden bzw. unsere Integrität aufgeben – für andere.


Daher hier die Fragen, die ich Dir an dieser Stelle mit auf den Weg geben möchte: Wer ist es, dem Du so vergeblich versuchst anzugehören? Sind es die Erfolgreichen, die Glücklichen, die Reichen, die Machtvollen, die Gewinner, die Angesehenen? Die Liste ist ausdrücklich nicht vollständig, schau einfach einmal, was für Dich am besten passt. Und für wen oder was gibst Du freiwillig Deine Ehrlichkeit und Deine Integrität auf? Für einen bestimmten Menschen, dafür, gemocht und geliebt zu werden, in die Gesellschaft zu passen, nicht aufzufallen?


Mein nächster Punkt lautet:


Es geht hier nicht um Dich.

Und mit „hier“ meine ich „auf der Welt“. Du bist nicht hier, um es Dir selbst Recht zu machen und Dir selbst der Nächste zu sein. Du bist hier, weil Du eine Verantwortung trägst. Wann haben wir das vergessen? Wann haben wir angefangen, zu glauben, dass sich die Welt um uns dreht? Dass wir als Einzelne so unfassbar wichtig sind? Ja, natürlich bist Du einzigartig und es ist wichtig, dass genau Du hier bist. Aber nicht in der Form, dass sich die Welt um Dich dreht.

Ich weiß nicht, ob Du schon einmal einen lieben Menschen verloren hast. Wie Du inzwischen ja weißt, wenn Du den Podcast regelmäßig hörst, habe ich schon mit 8 Jahren meinen Vater verloren. Und weißt Du was? Die Welt hat sich danach genau so weitergedreht, wie sie es zuvor auch getan hat. Sie hat in Wahrheit sogar keine einzige Sekunde damit aufgehört. Alles lief weiter wie bisher, auch wenn sie für mich und alle Menschen, denen mein Vater etwas bedeutet hat, vermeintlich einen Moment stillstand. Alle anderen Milliarden Menschen und die Welt selbst interessiert es nicht, wenn einer von uns geht.

Wenn wir das nicht endlich verstehen, immer nur auf unser eigenes Wohl und unsere Machtspielchen bedacht sind, richten wir nicht nur uns selbst, sondern früher oder später unsere ganze Spezies zugrunde. Das ist ja momentan schon voll im Gange, aber wie eingangs erwähnt, würde das den Rahmen sprengen, hier näher darauf einzugehen.


Bei all den tausenden Entscheidungen, die wir täglich treffen, denken wir vorrangig nur an uns selbst. Und nicht mal das ist immer gewährleistet, zum Beispiel dann, wenn wir unkontrolliert ungesunden Fraß in uns hineinstopfen und Süßgetränke trinken, mit denen wir nicht einmal unsere Pflanzen gießen würden.

Die grundlegende Täuschung, der wir alle unterliegen und die uns dazu bringt, eben zu glauben, dass es nur um uns ginge, ist meiner Meinung nach die, dass wir von allem und allen getrennt sind. Wir sind der Meinung, dass es uns nicht betrifft, wenn andere leiden. Wir glauben, es macht nichts mit uns, wenn unser eigener Vorteil das Wohl vieler anderer kostet. Wir leben in der Illusion, dass wir uns über die Verlierer keine Gedanken machen müssen, solange wir selbst die Gewinner sind.

Und boom, dann kommt irgendwann das Leben und zwar mit einer Wucht, die Du Dir zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht ansatzweise vorstellen kannst.

Sicherlich hattest Du auch schon Phasen, oder vielleicht bist Du gerade sogar in einer solchen, in denen alles schiefläuft, was nur schieflaufen kann. Du verlierst den Job, Deine Beziehung geht vor die Hunde, Du musst unerwartet hohe Rechnungen begleichen, oder oder oder. In dem Moment fühlt sich das dann oft an, als wäre die ganze Welt einfach gegen Dich, während Du Dir das gar nicht erklären kannst. Und weißt Du was? Ich glaube, dass in solchen Phasen die Welt auch wirklich gegen uns ist. Warum?


Ich bin überzeugt davon, dass es implizit so etwas wie ein „kollektives Konto“ gibt. Ein Konto, auf das alle Menschen Zugriff haben, auf das jeder einzahlen und von dem jeder abheben kann. Solange Du in der Täuschung der Trennung lebst und glaubst, dass alles, was Du tust, nichts ausmacht, solange es Dir nur selbst gut geht, hebst Du permanent etwas von diesem Konto ab – ungeachtet des Kontostands. Heutzutage ist es leider so, dass das Konto schon seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten maßlos überzogen ist, denn Menschen sind meist nicht mehr bereit, Einzahlungen vorzunehmen, wenn sie nicht direkt auch wieder etwas abheben können. Sie denken eben nur an sich, nur an ihren Vorteil und nur daran, dass es ihnen selbst gut geht. Jeder will die eigene Kuh vom Eis bringen und dabei noch möglichst viel für „schlechte Zeiten“ anhäufen. Finanziell, materiell, aber auch sozial.

Wenn wir das nicht verändern, also nicht aufhören, ständig von diesem kollektiven Konto abzuheben oder nur dann etwas einzuzahlen, wenn wir direkt einen Gegenwert in selber Höhe wieder zurückbekommen, ist das unser Ende. Und auch an dieser Stelle meine ich nicht Dein oder mein persönliches Ende, sondern das Ende unserer Existenz. Die Welt schert sich nicht um uns. Sie hat vor uns irgendwie existiert und sie wird es auch nach uns noch tun. Sie braucht uns nicht, wir sie hingegen schon. Und nochmal. Es geht nicht um Dich. Es geht auch nicht um mich. Es geht um uns. Es geht darum, dass wir aufhören, zu verleugnen, dass wir irgendwie am selben Seil hängen. Wenn Du verstehst, dass Du alles, was Du für Dich tust, auch für mich tust, verändert sich alles. Wenn Du gut zu Dir bist, bist Du auch gut zu mir. Und wenn Du gut zu mir bist, bist Du auch gut zu Dir. Eine achtsame Selbstführung ist also nicht nur eine Option, sondern Pflicht! Denn wenn Du Dich nicht selbst führst und für Dich sorgst, kannst Du auch anderen nichts geben. Wenn Du diesen Podcast hier hören kannst, was Du ja gerade tust, gehörst Du zu den wenigen privilegierten Menschen auf der Welt, die Zugang zum Internet haben. Wahrscheinlich hast Du auch ein Dach über dem Kopf und heute schon etwas gegessen. Somit nehm ich es Dir nicht ab, wenn Du sagst, Du musst auf Dich schauen und kannst nichts für andere tun.


Hier wieder eine Frage, die ich Dir mit auf den Weg geben möchte. Sobald Du das nächste Mal eine Entscheidung triffst, frag Dich einmal: Was bedeutet diese Entscheidung für andere? Also wenn Du beispielsweise für 0,99 Euro Billigfleisch im Discounter kaufst – was bedeutet diese Entscheidung für das Tier? Für die Menschen, die das tote Tier verarbeitet haben? Oder wenn Du lügst, um Dir einen Vorteil zu verschaffen – was bedeutet diese Entscheidung und welche Folgen hat sie möglicherweise für Dein Gegenüber?

Und zu guter Letzt noch der traurigste Punkt, wenn ich auch gleichzeitig sagen muss, dass sich mein Ärger so langsam schon etwas gelegt hat. Für mich hat sich die Podcastfolge also auf jeden Fall schon gelohnt.


Angst regiert die Welt – auch heute noch.


Wir haben Angst, zu kurz zu kommen. Wir haben Angst, unseren Besitz zu verlieren. Wir haben Angst, nicht geliebt zu werden oder zu gefallen, so wie wir sind. Wir haben Angst, gesellschaftlich nicht angesehen zu sein. Wir haben Angst, geliebte Menschen zu verlieren. Wir haben Angst vor dem Verlust unserer Existenz. Wir haben Angst vor dem Tod.

Wenn wir einmal ganz ehrlich zu uns selbst sind, begleitet uns diese Angst jeden einzelnen Tag. Angst regiert die Welt – auch heute noch. Wenn Menschen Angst haben, schreien sie nach Führung. Und was dadurch immer wieder passiert ist, dass irgendwelche aufgeblasenen Egos die Gunst der Stunde nutzen und uns versprechen, uns genau diese Ängste zu nehmen. Doch in dem Moment, in dem sie das tun, zahlen sie nicht wie erwartet auf das vorhin genannte kollektive Konto ein, sondern vielmehr heben sie sogar Geld und Macht ab. Weil es am Ende den meisten von ihnen eben doch nur um das eigene Gesicht geht. Weil auch sie noch nicht verstanden haben, dass es nicht um sie geht!


Evolutionär bedingt ist die Angst ein Gefühl, das wir alle sehr gut kennen. Deswegen machen wir sie auch gern oft zu unserer vertrauten Führerin und lassen uns fehlleiten. Denn in Wirklichkeit führt Angst dazu, dass wir nicht mehr klar denken können und uns fühlen, als würden wir mutterseelenallein mitten im Ozean treiben. Und was macht Mensch wohl in einer solchen Situation? Richtig, er klammert sich an alles, das er bekommen kann. An jeden vermeintlichen Rettungsring, der ihm zugeworfen wird. Auch wenn dieser Rettungsring etwas ist, das uns in die komplett falsche Richtung driften lässt.


Und warum funktioniert das? Vielleicht erinnerst Du Dich noch an eine der letzten Podcastfolgen, in der ich über Werte gesprochen habe. Bei den meisten Menschen ist im „Auto des Lebens“ der Fahrersitz leer. Sie sind sich nicht bewusst darüber, welche Werte am Steuer sitzen sollen und lassen diesen Platz bewusst oder unbewusst frei. Und wer keine eigenen Regeln aufstellt, wird immer nach den Regeln anderer spielen bzw. den Fahrersitz für die Außenwelt zugänglich machen – so auch für die Angst.

Für mich ist einer der wichtigsten Werte Ehrlichkeit. Diese Ehrlichkeit navigiert mich durch mein Leben und auch wenn hin und wieder ein Anflug von Angst in der Luft liegt, bleibt sie dennoch am Steuer. Denn ich weiß, dass mich am Ende nicht die Angst, sondern die Ehrlichkeit weiterbringen wird.


Wo Angst ist, ist Dunkelheit. Und wo Dunkelheit ist, ist keine Liebe, kein Mitgefühl und vor allem auch wenig Moral. Wenn der Fahrersitz von Angst besetzt ist, findet auch die Scham keinen Platz, von der wir so dringend ein bisschen mehr bräuchten auf dieser Welt. Wie können Menschen töten, andere verletzen, sie um ihren Besitz und ihre Würde bringen, ohne morgens aufzuwachen und sich selbst das Leben zu nehmen? Scham hat in ihrem Leben keinen Platz. Und vermutlich ist es auch bei diesen Menschen so, dass sie Geld, Macht und vor allem sich selbst wieder vor das Kollektivwohl stellen.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich möchte in einer Welt, die von Angst regiert wird, nicht leben. Ich will es nicht hinnehmen, dass Menschen sich selbst vergessen und moralisch so flexibel werden, dass sie dadurch krank werden und gleichzeitig anderen Menschen schaden. Meine Freiheit endet dort, wo Deine anfängt. Und echte Freiheit kann es meiner Meinung nach nur geben, wenn wir endlich ehrlich sind. Mit uns. Und mit allen anderen.


Die Frage, die ich Dir dazu mitgeben will lautet: Wovor hast Du Angst? Denk einmal zurück an die letzte Situation, in der Du nicht das gesagt oder getan hast, was Du eigentlich sagen oder tun wolltest. Und dann beantworte diese Frage.

Hier noch einmal eine Zusammenfassung aller Fragen:


1. Wähle ich gerade den richtigen, oder den leichten Weg?

2. Wer ist es, dem Du so vergeblich versuchst anzugehören? Und für wen oder was gibst Du freiwillig Deine Ehrlichkeit und Deine Integrität auf?

3. Was bedeuten meine Entscheidungen für andere?

4. Wovor hast Du Angst?


Und zum Abschluss möchte ich nochmal einen Appell an Dich richten: Wir sind viele. Und wenn wir alle gemeinsam aufhören, immerzu nur große Reden zu schwingen und endlich ins Tun kommen, verändern wir die Welt. Es geht nicht darum, dass Du demonstrieren gehst, eine Revolution startest oder auf irgendeine Art und Weise im Außen versucht, die Welt besser zu machen. Fang in Deinem Wohnzimmer an. In Deiner Beziehung. Bei Dir selbst. Das reicht für’s Erste, denn wenn jeder seine Hausaufgaben macht, können wir wirklich etwas bewegen.


Amen! Danke, dass Du noch da bist und die Folge wieder bis zum Ende angehört hast. Mir hilft es oft, wenn ich weiß, dass ich mit meinen Gedanken nicht allein auf der Welt bin. Vielleicht geht es Dir nach der heutigen Folge genauso.


Teil die Folge gern wieder mit allen, die Du kennst und lass mir eine Bewertung auf iTunes da, wenn sie Dir gefallen hat – das würde mich riesig freuen.


Ich freue mich WIRKLICH darüber, wenn Du Deine Gedanken auf Instagram oder einem anderen Weg mit mir teilst. Das sage ich nicht nur so, sondern ich meine es. Bisher bekomme ich hauptsächlich Feedback zum Podcast (was mich natürlich auch freut), aber an den eigenen Gedanken lassen mich nur wenige von Euch teilhaben...

Wir hören uns auf jeden Fall nächsten Dienstag wieder und bis dahin, pass auf Dich auf, lass es Dir gut gehen, alles Liebe für Dich und denk dran: nothing but mindfulness... Bis bald!

© FRANZISKA DITTRICH

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