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  • Franziska Dittrich

009 – Fünf Gedanken zum Thema Persönlichkeitsentwicklung



Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von nothing but mindfulness. , dem Podcast, in dem sich alles darum dreht, wie Du durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst. Mein Name ist Franziska Dittrich und ich freu mich total, dass Du heute wieder da bist und Deine Zeit mit mir teilst.

Heute möchte ich mit Dir über das Thema Persönlichkeitsentwicklung sprechen. In den letzten Jahren hat sich da ja ein richtiger Trend, eine Bewegung etabliert und es gibt eine riesengroße Industrie. Aber brauchen wir all das wirklich? Müssen wir wirklich 327 Bücher lesen, Online-Kurse machen und Seminare besuchen? Und vor allem (die aus meiner Sicht wichtigste Frage): Macht es unser Leben wirklich nachhaltig besser? In dieser Folge teile ich fünf meiner Gedanken zu diesem Thema mit Dir und Du erfährst, was volle Gläser, Knoten und Unsichtbarkeit mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun haben.

Ich wünsch Dir ganz viel Freude beim Hören.


Zugegebenermaßen fällt es mir garnicht so leicht, bei diesem Thema einen guten Einstieg zu finden. Vielleicht erzähle ich Dir einfach vorab noch kurz, wie meine Podcastfolgen in der Regel entstehen.


Es gibt immer irgendetwas, das mich selbst beschäftigt und umtreibt. Irgendwelche Fragen, auf die ich nicht auf Anhieb Antworten finden konnte. Oder es passiert mir irgendetwas im Leben, ich bin mit irgendetwas konfrontiert, das ich lösen darf. Und wenn ich für mich eine gute Erkenntnis oder Lösung gefunden habe, teile ich sie mit Dir, weil ich glaube, dass wir nicht jede Erfahrung selbst machen müssen. Manchmal können wir einfach von anderen lernen oder sie zumindest als eine Art Wegweiser nutzen.

Genau so ging es mir schon vor einer Weile auch mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe in den letzten 9 Jahren mehrere hundert Bücher gelesen. Unzählige Stunden Podcasts gehört, tausende Videos angeschaut, Online-Kurse gemacht, kostenlose und teure. Ich habe mich weitergebildet. Ich habe mir immer wieder neue Notizbücher gekauft, um dort irgendwelche vermeintlich wichtigen Dinge hineinzuschreiben. Ich habe also nahezu alles getan, um in meiner eigenen Entwicklung voranzukommen. Vieles davon halte ich auch heute noch für absolut sinnvoll und möchte an dieser Stelle einmal kräftig Werbung für Bücher machen. Glücklicherweise ist es in den letzten Jahren ja wieder etwas in Mode gekommen, zu lesen. Falls Du aktuell noch nicht so gerne liest, probier es unbedingt mal aus. In meinem wöchentlichen Newsletter teile ich regelmäßig meine besten Buchtipps mit Dir. Anmelden kannst Du Dich hier .


Aber zurück zum Thema bzw. direkt zu meinem ersten Gedanken, der lautet:


Die Sache mit dem vollen Glas...


Ich erlebe es in meinem direkten Umfeld, aber auch in den sozialen Medien regelmäßig, dass Menschen heutzutage einem ständigen Selbstoptimierungswahn verfallen sind. Sei es nun der Job, das eigene Aussehen, der Freundeskreis, die Beziehung oder die Persönlichkeit – alles muss optimiert werden. Die Phasen, in denen Menschen Dinge einfach „gut sein lassen“, werden immer kürzer und dabei nehme ich mich selbst nicht aus.

Um Dir nun einmal bildlich darzustellen, worum es mir geht, hier wieder ein Beispiel. Stell Dir vor, Du hast für jeden Lebensbereich ein Glas. Mit jedem Job, jeder Beziehung, jeder Erfahrung schüttest Du etwas in dieses Glas hinein. Tag für Tag. Wenn Du dann anfängst, an einem der Bereiche oder sogar an allen Bereichen gleichzeitig herumzudoktern, wird das Glas immer voller. Du liest Bücher, hörst Podcasts, schaust Videos, machst Onlinekurse oder besuchst Seminare. Du versuchst krampfhaft, Dich zu entwickeln. In der Regel ist es nun aber so, dass unsere Gläser sich im Laufe unseres Lebens schon so gut gefüllt haben, dass eigentlich gar nichts mehr hineinpasst. Und was passiert dann, wenn wir noch mehr hineinschütten? Richtig, das Glas läuft über. Eins nach dem anderen. Unser Gehirn ist heutzutage ohnehin schon 24 Stunden am Tag so vielen Informationen und Einflüssen von außen ausgesetzt, dass es kaum noch wahrnehmen kann, was eigentlich wichtig ist.

Wenn Du jetzt ein neues Getränk in Dein Glas füllen möchtest, was machst Du in der Regel? Du schüttest die alte Brühe aus, wäschst das Glas aus und füllst dann etwas Neues ein, oder?

Genauso ist es auch mit der Entwicklung Deiner Persönlichkeit. Natürlich kannst Du Dir einfach weiterhin immer mehr Input suchen und ihn auf Deine Gläser verteilen. Die Sache ist nur, dass das auf Dauer einfach nichts bringt, denn es läuft einfach oben wieder raus. Das sind dann die klassischen Momente in denen wir da sitzen und uns denken „Na toll, jetzt hab ich schon soo viel für das Thema XY getan und trotzdem fühlt es sich noch an wie vorher.“. Es bleibt einfach nichts hängen, weil die Kapazität erschöpft ist.


Ein weit verbreiteter Irrglaube ist – und das ist im Übrigen auch das, was ich anfangs erwähnt hatte – dass wir Persönlichkeitsentwicklung kaufen oder lernen können. Wir glauben sogar, wir können sie erzwingen. Die Wahrheit ist aus meiner Sicht: Wir werden nicht noch „entwickelter“, wenn wir immer noch mehr in unser Glas schütten, noch mehr lesen, lernen und hören. Ganz im Gegenteil, wir „verwickeln“ uns stattdessen sogar immer mehr.

Es geht also in erster Linie bei der Persönlichkeitsentwicklung NICHT darum, immer noch mehr werden, haben und sein zu wollen, sondern vielmehr darum, Dich erst einmal von allem frei zu machen, das Du bisher als „Ich“ bezeichnet hast.

In diesem Prozess wird Dein Ego heftig rebellieren, da es etwas Gewohntes und Vertrautes gegen etwas Neues, Anstrengendes eintauschen soll. Und mit Sicherheit wird es auch viele Leute geben, die Dir sagen „Das ist ein ewiger Prozess, Veränderung kann nicht von jetzt auf gleich gehen.“ Dazu sage ich: „Ja und nein.“. Ich habe in meinem Leben selbst erlebt, wie schnell Veränderung gehen kann. Und spätestens die Corona-Krise hat uns im Kollektiv gelehrt, dass sich von jetzt auf gleich alles ändern kann, wenn der Druck nur groß genug ist.

Wenn Du wirklich bereit bist, Dich vom Inhalt Deines Glases zu trennen, ganz offen und neugierig hinzuschauen und Dich darauf einlässt, einmal etwas Neues auszuprobieren, kann Veränderung von einer Sekunde auf die andere gehen. Wenn Du dazu noch nicht bereit bist, spar Dir das Geld und die Energie, die Du bisher für diverse Angebote im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung ausgegeben hast.

Irgendwann im Leben kommt der Zeitpunkt, an dem wir bereit für den nächsten Entwicklungsschritt sind. In manchen Angelegenheiten früher, in anderen später, vielleicht sogar in einigen gar nicht. Wovor ich Dich aber warnen oder schützen möchte ist, immer nur einen Schluck aus Deinem Glas zu schütten und dann sofort etwas Neues nachzugießen. Das wird nicht das gewünschte Ergebnis mit sich bringen und Dich nicht nur frustrieren und Nerven kosten, sondern vielleicht auch viel Geld.


Bevor ich gleich zum nächsten Punkt komme, hier nochmal der Gedanke in Kurzform: Wenn Du Dir ein neues Getränk wünschst, schütte das alte aus, wasch Dein Glas aus und füll dann erst etwas Neues hinein.

Der nächste Punkt ist eine Erkenntnis, die mich letztens beim Haare waschen überkommen hat. Das passiert mir übrigens oft, dass ich in irgendwelchen vollkommen unspektakulären Momenten die besten Gedankenblitze habe. Falls das bei Dir auch so ist, schreib Dir die Gedanken unbedingt auf, denn erfahrungsgemäß sind sie genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind.


Ich glaube, wir haben im Leben in jeder Situation die Wahl zwischen „entwickeln“ oder „verschließen“.

Was meine ich damit genau? Wenn wir uns einmal unser Leben vor Augen führen, gibt es ja immer wieder Momente, die uns dazu zwingen, unseren Autopilot-Modus zu verlassen. Irgendetwas, das uns entweder im positiven oder im negativen Sinne wachrüttelt und sagt „Hallo, hier ist etwas anders als sonst!“. Die Situationen, die uns gut gefallen und die wir als positiv bewerten, machen uns in der Regel ja keine Probleme. Situationen, die uns aber im vermeintlich negativen Sinne berühren, meistens emotional, können uns ganz schön beuteln. Ich bin überzeugt davon, dass wir im Leben IMMER, also ausnahmslos in jeder Situation eine Wahl haben. Nämlich die Wahl, wie wir Dinge bewerten bzw. wie wir mit ihnen umgehen.

Lass uns auch hier wieder über ein Beispiel sprechen, damit es noch deutlicher wird, was ich meine. Mal angenommen, Du hast in den letzten Jahren häufiger Deinen Job gewechselt, weil Du einfach die Arbeitszeit. Beim übernächsten war die Aufgabe langweilig und dann waren die Kollegen blöd. Es gab also immer wieder vermeintliche Hindernisse, die es Dir unerträglich gemacht haben, in dem Job zu bleiben. Nun hast Du in solchen Momenten eben die Wahl. Wir alle haben ja in unserem Leben schon viele Dinge erlebt und entsprechende Erfahrungen und Emotionen gespeichert. Wenn wir jetzt ein Problem in irgendeinem Bereich unseres Lebens haben, in unserem Beispiel also im Job, kannst Du Dir das so vorstellen, als hättest Du ein Stück Schnur in der Hand, das Du vorher ganz zerknittert und verwurschtelt aus einer Schublade gezogen hast. Wir alle haben unzählige solcher Schnüre in den Schubladen unseres Lebens. Das Leben gibt Dir in genau solchen Situationen die Möglichkeit, diese Knoten zu lösen. Damit verbunden ist natürlich eine ziemliche Pfriemel-Arbeit. Du musst erstmal schauen, wie die ganzen Knoten sich zusammensetzen, an welchen Stellen die Schnur sich in sich verfangen hat und dann darfst Du anfangen, Stück für Stück zu lösen. Das erfordert enorme Konzentration, ein großes Maß an Geduld, einige Momente des Hinschmeißens und der Resignation und dann den unbedingten Willen, den Knoten doch noch zu lösen. Manchmal tut es auch weh, wenn damit Erkenntnisse verbunden sind, die Gefühle wie Wut, Traurigkeit oder Scham mit sich bringen. Wenn Du geduldig genug bist und Dein Wille groß genug ist, wirst Du früher später jeden Knoten lösen können. Manchmal brauchst Du vielleicht Werkzeug, wenn sich der Knoten schon zu fest zusammengezogen hat, um ihn mit bloßen Händen zu lösen. Vielleicht holst Du Dir auch Hilfe. Aber an sich ist alles möglich.

Die Alternative ist es, dieses Knäuel irgendwann frustriert zurück in die Schublade zu werfen und die Schublade wieder zuzumachen. Das ist in unserem Beispiel der Moment, in dem Du sagst „Wo anders wird es schon besser werden, es lag ja schließlich nicht an mir sondern die Umstände in diesem Job waren einfach blöd.“. Du veränderst jetzt also etwas im Außen, hast einen neuen Job und es dauert nicht lange, bis die Schublade wieder aufgeht und Deine verwurschtelte Schnur wieder vor Deinen Füßen liegt. Das Schlimme an der Sache ist – und das meinte ich mit „verschließen“, als ich vorhin gesagt habe, wir können immer entscheiden, ob wir uns entwickeln oder verschließen – dass Du mit jedem Mal, wenn Du die Schnur wieder zurück in die Schublade legst, immer auch einen Teil der aktuellen Situation mit einschließt. Wenn Du also im Job immer wieder Erfahrungen machst, die bei Dir das Gefühl der Ohnmächtigkeit oder der Traurigkeit hervorrufen, dann hast Du irgendwann eine Schublade voller verknoteter Schnüre, die genau mit diesen Gefühlen verbunden sind. Diese Knoten begleiten uns durch unser ganzes Leben. Und wenn eine Schublade voll ist, das hast Du vielleicht in Deinem Kleider- oder Schuhschrank schon einmal erlebt, dann fallen die Sachen hinten runter in die darunterliegende Schublade. So fällt vielleicht eine Ohnmächtigkeitsschnur aus der Job-Schublade dann in die Beziehungsschublade und dann weiten sich Deine Probleme mit der Ohnmacht auch auf Deine Beziehungen aus.

Das Leben ist immer für uns. Wir bekommen regelmäßig Situationen vorgesetzt, die uns dabei helfen sollen, bis an unser Lebensende so viele Knoten wie möglich zu lösen. Wir können selbst entscheiden, ob wir uns ein Stück weit entwickeln oder doch mehr verschließen möchten. Die Entwicklung scheint zwar im ersten Moment die schlechtere Wahl zu sein, weil sie uns kurzfristig immer wieder aufs Neue ALLES abverlangt, langfristig gesehen ist aber definitiv das Verschließen die schlechtere Wahl, denn das führt dazu, dass irgendwann unsere Lebenszeit zu kurz ist, um all die Knoten noch zu lösen.

Um das noch einmal in Relation zum Thema der Podcastfolge, der Persönlichkeitsentwicklung, zu setzen, hier eine kurze Zusammenfassung: Du hast jeden Tag die Möglichkeit, völlig kostenfrei und ohne irgendwelchen Input von außen eine Deiner Schnüre in die Hand zu nehmen und Knoten aufzupfriemeln. Dazu brauchst Du nicht zwangsläufig Bücher, Podcasts, sinnige Zitate oder Seminare. Es reicht erstmal, zumindest für die Knoten, die noch nicht ganz festgezogen sind, wenn Du Dir einfach Zeit nimmst, hinzuschauen und Dich damit zu befassen. Also komm ins Tun. Nur vom anschauen wird sich der Knoten nicht lösen, außer Du hast magische Fähigkeiten – die würde ich dann gern von Dir lernen.

Der nächste meiner Gedanken klingt vielleicht im ersten Moment etwas schräg:


Was Unsichtbarkeit mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun hat


Unsichtbarkeit und Persönlichkeitsentwicklung hängen für mich persönlich wirklich untrennbar zusammen. Offensichtlich gibt es aber heutzutage sehr viele Menschen, für die eher Selbstdarstellung und Persönlichkeitsentwicklung zusammengehören.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich habe in den letzten Jahren so oft gelesen, dass irgendjemand auf Weltreise gegangen ist (bzw. die ganzen wirklich „hippen“ Menschen sind nach Bali gereist), um sich selbst zu finden. Ich finde, das klingt per se schon ziemlich lustig. Versteh mich nicht falsch, ich liebe das Reisen selbst. Aber die Idee, dass ich zigtausend Kilometer um die Welt reise, um mich dort irgendwo selbst zu finden, klingt für mich etwas komisch. Mich selbst finden. Am anderen Ende der Welt? Obwohl ich jeden Morgen mit mir selbst aufstehe und abends mit mir selbst wieder zu Bett gehe? Ja, natürlich können wir viel lernen, wenn wir andere Kulturen und Menschen kennenlernen und unser Gehirn mit neuen Eindrücken konfrontiert ist. Aber inzwischen habe ich das Gefühl, dass all diese Aktivitäten viel mehr der Selbstdarstellung als der Persönlichkeitsentwicklung dienen. Also Menschen reisen nicht, um zu reisen, sondern sie reisen, weil sie sich irgendetwas davon versprechen. Um dann irgendwann zu erzählen „Ich bin für ein Jahr um die Welt gereist und jetzt bin ich ein ganz anderer Mensch.“. Ich frage mich immer, wie das dann alles funktioniert, wenn diese Reisen zu Ende sind. Denn anders als das Leben an sich ist so eine Weltreise ja etwas, das wir (zumindest in der Regel) nicht bis an unser Lebensende machen. Die Menschen kommen also früher oder später zurück in ihr „echtes“ Leben und dann geht Vieles so weiter wie zuvor.

Ich bin der Meinung, dass Persönlichkeitsentwicklung nichts ist, das andere (zum Beispiel in Form einer Reise) von außen direkt sehen müssen. Vielmehr ist die eigene Entwicklung etwas, das sich innen (zumindest im Resultat) gut anfühlen sollte. Meine Wahrheit lautet: Kein Mensch außer Dir selbst wird Dich jemals so sehen, wie Du wirklich bist. Wir anderen sehen immer nur die Resultate Deiner Entscheidungen. Wir sehen das, was Du zu zeigen bereit bist. Und um nun den Kreis zur Unsichtbarkeit zu schließen: Ich stelle mir oft die Frage – und das ist für mich persönlich einer der wichtigsten Aspekte der eigenen Entwicklung – „Wenn Du ab sofort unsichtbar wärst, was würde die Welt noch von Dir sehen?“


Was ich damit meine ist, wenn Du wirklich keinerlei Möglichkeit mehr hast, Deinem Umfeld die Vielfalt Deiner Masken zu präsentieren oder Dich durch irgendetwas zu profilieren, das man im Außen sehen kann (also z.B. Deine Kleidung, Dein Aussehen, Dein Auto, Dein Job-Titel, Deine Reisen, etc.) – was bleibt dann? Woran merke ich, dass Du mein Freund oder meine Freundin bist? Was macht Deine Gesellschaft aus? Welches Gefühl gibst Du mir, wenn Du da bist? Welchen Blick auf die Welt ermöglichst Du mir?

Weißt Du, was ich Dir eigentlich sagen möchte ist Folgendes. Die meisten Menschen versuchen heutzutage, mit dem was sie tun, nach außen zeigen und sind, ihr Umfeld zu beeindrucken. Es geht nicht darum, dass der Job sich leicht anfühlt, Freude macht und das Herz zum Strahlen bringt. Es geht darum, dass er viel Geld bringt und man sagen kann „Ich bin Head of Schießmichtot“. Es ist super cool, zu sagen „Ich meditiere jetzt täglich“, aber für den Satz „Ich nehme mir täglich eine halbe Stunde Zeit, um in die Luft zu schauen“ ernten wir komische Blicke. Es ist angesagt, die ganze Welt zu bereisen und dabei diverse Retreats zu besuchen, aber wenn ich Dir erzähle, ich habe mich zwei Wochen zuhause eingesperrt und bin nach Innen gereist, denkst Du vielleicht, ich bin verrückt geworden. Die Dinge brauchen einen tollen Namen und sie müssen gut aussehen.


All das, all dieser Druck zur ständigen Selbstdarstellung und Selbstoptimierung in allen Lebenslagen führt dazu, dass wir unser wahres Ich hinter diversen Masken verstecken. Für jede Gelegenheit haben wir die perfekte Maske im Schrank. Weil wir Angst haben, nicht genug zu sein, genau SO, wie wir sind, so ganz ohne Maske. Und am Ende? Am Ende unseres Lebens bedauern wir es, dass uns keiner jemals so gesehen hat, wie wir in Wahrheit waren.


Daher hier nochmal der Reminder: Was würde die Welt noch von Dir sehen, wenn Du ab sofort unsichtbar wärst?


Untermauern möchte ich das, was ich gerade gesagt habe, noch mit meinem nächsten Gedanken, der da lautet:

Menschen bewundern Dich für das, was Du in Wahrheit bist und nicht für das, was Du zu sein vorgibst.


Ich habe schon seit meiner Kindheit eine starke Abneigung dagegen, Stempel aufgedrückt zu bekommen und anderen Menschen Stempel aufzudrücken. Vielleicht kommt das daher, dass ich schon im Grundschulalter offiziell den Stempel „anders“ bekommen habe, nämlich nachdem ich einen Intelligenztest machen durfte, weil ich verhaltensauffällig war. Es kam heraus, dass ich hochbegabt bin, also einen IQ über 130 habe und daher vermeintlich schlauer bin als die Norm. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich mit all diesen Vorurteilen zu kämpfen wie „Die muss ja nie was für ihren Erfolg tun, der fliegt alles zu!“ oder „Wenn man so schlau ist, hat man es so viel leichter und besser im Leben!“. Ich hab also einen Stempel bekommen und Menschen (mit Ausnahme derer in meinem nahen Umfeld) haben mich nicht mehr als Franziska gesehen, sondern als die Inschrift auf meiner Stirn. Und wenn sich dann im Außen etwas gezeigt hat, das nicht der Vorstellung der Leute entsprochen hat, waren alle entsetzt. Ich möchte an dieser Stelle nicht näher auf das Thema Hochbegabung eingehen, denn das würde hier den Rahmen sprengen. Vielleicht mache ich dazu in nächster Zeit noch eine gesonderte Podcastfolge. Nur noch so viel dazu: All das, was zu dem Thema an Halbwissen in der Gesellschaft unterwegs ist, ist schlichtweg falsch und entspricht keineswegs der Realität.

Diese Erfahrungen und Erlebnisse haben bei mir dazu geführt, dass für mich jeder Mensch gleich ist. Unabhängig davon, wie er aussieht, welchen Job er ausübt, wie er sich verhält, an welchen Gott er glaubt und so weiter. Sehr vieles von dem, was Menschen vorgeben zu sein, sind sie nicht wirklich. Sie tun es aus Angst vor Ablehnung, aus Angst vor sich selbst und ihrer wahren Kraft. Sie tun es, um zu gefallen, Anerkennung zu bekommen und zu beeindrucken. Sie tun es, um ihr Ego zu kultivieren. Und weißt Du, was spannend zu beobachten ist, bzw. was ich mehrfach erfahren habe?

Menschen haben mich immer dann bewundert, wenn ich die Hosen komplett heruntergelassen habe. In den Momenten, in denen ich einfach genau so war, wie ich in Wahrheit bin. In denen ich für Dinge eingestanden bin und Widerstand geleistet habe, wenn etwas nicht mit meinen Werten vereinbar war. Momente, in denen ich mein tiefstes Inneres nach Außen gestülpt und jedem gezeigt habe, was ich wirklich fühle. Momente, in denen ich Entscheidungen getroffen habe, die auf den ersten Blick für alle vollkommen absurd schienen, bei genauerem Hinsehen aber dazu beigetragen haben, dass es mir gut ging.

Wir sind heutzutage so vielen falschen Idealen ausgesetzt, so viel Fake-Realität und Machtkämpfen zwischen Egos, dass es einfach nur angenehm ist, Menschen zu treffen, die echt sind. Menschen, die auf die Frage „Wie geht’s Dir?“ ehrlich antworten. Menschen, die für ihre Wahrheit einstehen, auch wenn sie nicht den kollektiven Vorstellungen entspricht. Menschen, die greifbar für uns sind, weil sie nicht so aalglatt und angepasst sind, sondern ihre Ecken und Kanten offen zeigen. Menschen, die sich selbst nicht für etwas Besseres halten, sondern uns auf Augenhöhe begegnen. Menschen, die nicht nur die sonnigen Momente ihres Lebens zeigen und dadurch andere in dem Glauben lassen, ihr eigenes Leben sei schäbig.


Ich möchte Dich von Herzen dazu ermutigen, Dich insofern zu entwickeln, dass Du einfach wieder der Mensch wirst, der Du warst, als Du auf diese Welt kamst. Dass Du all diese Masken ablegst, die Du Dir im Lauf der Zeit zugelegt hast, um Dich vor irgendetwas zu schützen. Du musst nicht kämpfen. Und Du musst niemandem etwas beweisen. Genau so, wie Du bist, bist Du gemeint. Und genau so braucht Dich die Welt. Wir brauchen keine angepassten, glatten Egos, deren Leben vermeintlich aus Friede, Freude, Eierkuchen besteht. Wir brauchen keine Blender, die wunderschöne Fassaden vor ihre Ruinen stellen. Wir brauchen Menschen, die echt sind. Denn wenn Du all die Energie, die Du in die Aufrechterhaltung und Sanierung Deiner Fassade steckst, endlich investierst, um Deine Einzigartigkeit in die Welt zu bringen – heiliger Bimbam, was glaubst Du, welche Delle wir in die Gesellschaft schlagen können?!


Wenn wir achtsam mit uns selbst sind, können wir auch achtsam mit anderen Menschen sein. Und dann merken wir ganz schnell, was echt ist und was nicht. Das, was unser Leben nachhaltig besser macht ist nicht das, was wir spielen, sondern das, was wir sind.


Mein letzter Gedanke für diese Folge lautet:


Schmerz und Leid sind NICHT Dein Normalzustand!


Wenn ich mich so umschaue, sehe ich viele Menschen, die Schmerz und Leid als Normalzustand in ihrem Leben akzeptiert haben. „Das ist halt so.“ oder „Ich bin halt so.“ oder „Das liegt halt in meiner Familie.“... Sicherlich kennst Du auch Menschen, die regelmäßig solche Sätze von sich geben.

Es gibt so viele Menschen, die – wenn sie einmal ehrlich wären – sagen können: „Ich kann und will nicht mehr mit mir leben.“. Sie haben sich irgendwann einen Schuh angezogen, sei es nun ein Job, eine Beziehung oder irgendwelche anderen Verpflichtungen, der ihnen inzwischen vielleicht gar nicht mehr passt. Der ihnen Blasen beschert und bei jedem Schritt Schmerzen bereitet. Vielleicht hattest Du auch schon einmal eine Blase am Fuß. Ich persönlich kenne zwei verschiedene Arten von Blasen. Die, die so sehr wehtun, dass ich irgendwann nicht mehr weiterlaufen kann vor lauter Schmerzen und die, bei denen irgendwann die Stelle am Fuß taub wird. Genau das ist das, was sozusagen „im echten Leben“ passiert. Schmerz, sei es nun körperlicher oder emotionaler Schmerz, weist uns immer darauf hin, dass wir gerade in eine Richtung gehen, die nicht gut für uns ist. Wenn wir nun immer weiter in diese Richtung gehen, werden wir entweder irgendwann wirklich ernsthaft krank, oder wir stumpfen ab, resignieren und lassen das Leben über uns ergehen.


Für mich ist es inzwischen so, in Bezug auf echte Schuhe, aber auch auf mein Leben, dass ich nur noch solche anziehe, in denen ich bequem laufen kann. Sobald ich merke, dass mich ein Schuh anhaltend drückt, weiß ich, ich darf mich entwickeln.


Als Erwachsene können wir da auch viel von Kindern lernen. Kinder würden niemals freiwillig in drückenden Schuhen gehen, nur weil sie glauben, dass sie dadurch irgendjemanden beeindrucken können oder weil sie Angst haben, sie würden nie mehr einen passenden Schuh finden. Wir tun das und finden es sogar normal.

Persönlichkeitsentwicklung bedeutet für mich auch, jeden Schmerz, sei er nun körperlich oder emotional, ganz genau anzuschauen und mich anschließend zu fragen: Was braucht es, dass ich wieder schmerzfrei sein kann? Denn nochmal: Schmerz und Leid sind NICHT Dein Normalzustand! Ja, das ist ein Lifetime-Job und ja, manchmal ist es sogar noch schmerzhafter als der Schmerz selbst, den Schmerz zu beseitigen. Das Schlimme an der Sache ist aber, dass sich dieser Schmerz noch nicht mal lohnt. Denn früher oder später kommt bei jedem von uns im Leben der Moment, in dem die ganze Fassade zerbricht. Fassaden sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Und auch dann geht es wieder einzig und allein darum: Wer sitzt hinter dieser Fassade? Ist dieser Mensch gesund oder krank? Hat er all seine Energie darauf verwendet, gegen den Fluss des Lebens anzukämpfen, oder hat er sich mitreißen lassen und wahrlich gelebt?

Ich hoffe, ich konnte Dir mit meinen Ausführungen heute das anschaulich und verständlich näherbringen, was ich eigentlich auch in einem Satz zusammenfassen könnte: Die wichtigste Reise Deines Lebens führt Dich IMMER nach Hause zu Dir selbst.

Hier nochmal eine kurze Zusammenfassung meiner Gedanken.

1. Wenn Du ein neues Getränk möchtest, schütte das Alte vollständig aus, wasch Dein Glas aus und fülle erst dann etwas Neues hinein.

2. Du hast in jeder Situation die Wahl zwischen „entwickeln“ oder „verschließen“. Fang an, Deine Knoten zu entwirren!


3. Wenn Du ab sofort unsichtbar wärst, was würde die Welt noch von Dir sehen?


4. Menschen bewundern Dich für das, was Du in Wahrheit bist und genau DAS brauchen wir in dieser Welt.

5. Schmerz und Leid sind NICHT Dein Normalzustand!


Ich danke Dir, dass Du noch da bist und auch diese Folge wieder bis zum Ende angehört hast. Teil die Folge gern mit allen Menschen, die Du kennst und lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Welt ein bisschen echter wird. Ich freue mich auch, wenn Du mich an Deinen Gedanken zum Thema Persönlichkeitsentwicklung auf Instagram oder auf einem anderen Weg teilhaben lässt.


Und zu guter Letzt: Hör auf jeden Fall nächsten Dienstag wieder rein, es wird nicht nur der Gewinner oder die Gewinnerin des Online-Coachings bekanntgegeben, sondern es wartet auch eine besondere Folge bzw. ein neues Format auf Dich – sei gespannt. Bis dahin, pass auf Dich auf, sei ein bisschen mehr Du selbst und denk dran: nothing but mindfulness... Bis bald!

© FRANZISKA DITTRICH

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