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  • Franziska Dittrich

013 – Scheitern ist die beste Option



Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von nothing but mindfulness. , dem Podcast, in dem sich alles darum dreht, wie Du durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst. Mein Name ist Franziska Dittrich und ich freu mich total, dass Du heute wieder da bist und Deine Zeit mit mir teilst.


In der heutigen Folge möchte ein bisschen an das anknüpfen, worüber ich in der letzten Folge gesprochen habe. Besonders an das Thema Ehrlichkeit und zwar in erster Linie gegenüber uns selbst. Es geht heute darum, weshalb Scheitern nicht „keine“ sondern sogar die beste Option und das zuverlässigste Navi für Dein Leben ist. Und es geht um vier Worte, die sofort alles verändern können – nicht nur in Dir, sondern auch in der Welt. Zum einen habe ich mit diesen Worten erst kürzlich selbst Erfahrungen gemacht, zum anderen hat sich eine liebe Freundin und Kollegin eine Folge zu dem Thema gewünscht, wie man Glaubenssätze auflösen kann. Ich habe länger überlegt, was ich dazu erzählen soll, denn über das Thema wird ja schon überall gesprochen und ich möchte auch nicht nur das wiederkäuen, was andere schon 1000x gesagt haben. Aber wie es das Leben so will – auch das habe ich hier ja schon öfter gesagt – wenn wir die richtigen Fragen stellen, bekommen wir auch Antworten.


Ich teile also heute meine Gedanken dazu mit Dir, wie Du vermeintliches Scheitern ab sofort genießen und die besagten vier Worte als Coaching-Tool nutzen kannst, um nachhaltig etwas zu verändern – in Deinem Leben und in der Welt.


Ich wünsch Dir ganz viel Freude beim Hören.

Als ich überlegt habe, wie ich die heutige Podcastfolge nennen soll, kam mir sofort der jetzige Titel „Scheitern ist die beste Option“ in den Kopf. Nach der ersten Begeisterung dachte ich dann... „Hmm, über das Scheitern will ja eigentlich niemand etwas hören. Und selbst scheitern oder sich als gescheitert zu bezeichnen will erst recht keiner.“


Letzten Endes habe ich mich dann aber dazu entschieden, den Titel genau so zu lassen und gleich zu Beginn der Folge damit aufzuräumen, dass Scheitern etwas Negatives ist.


Was ist Scheitern denn eigentlich?


Der Duden sagt, scheitern bedeutet, sein angestrebtes Ziel nicht zu erreichen und keinen Erfolg zu haben. Die Voraussetzung für das Scheitern ist also, dass man erst überhaupt einmal Ziele hat und außerdem für sich selbst genau definiert hat, was Erfolg bedeutet.


Dieser Gedanke war für mich schon das erste Learning, denn mir ist klar geworden, dass ich über viele Dinge dachte, ich sei gescheitert, die garnicht mit einem Ziel in Verbindung standen. Sobald ich mir ein Ziel setze, will ich ja aktiv etwas erreichen. Und ich muss sagen, alles, was ich in meinem Leben bisher wirklich wollte, habe ich auch erreicht. Die Dinge, die mir am Ende nicht so gut gelungen sind, waren die, die ich nicht aus tiefstem Herzen wollte, sondern die, bei denen ich mir vielleicht von anderen habe einreden lassen, dass sie das Richtige seien.


Damit das nicht so abstrakt klingt, machen wir ein kurzes Beispiel. Angenommen, Du hast Dich für ein Studium entschieden – sagen wir mal, es war ein Medizin-Studium - und dann die Prüfungen nicht geschafft, weshalb Du das Studium im schlimmsten Fall wieder beenden musstest oder nicht abschließen konntest. Für mich gibt es um ehrlich zu sein nur zwei Optionen. Die erste Option ist die: Du hast Dein Studium begonnen, weil es Dein Ziel ist, anderen Menschen zu helfen. Das ist Dein allerhöchstes Ziel und Du willst es so sehr, dass es schon fast wehtut. Bei dieser Option bin ich zu 100% davon überzeugt, dass Du es auch schaffst und nicht in die Situation kommst, überhaupt nur ans Scheitern denken zu müssen. Die zweite Option ist die, dass Du das Studium begonnen hast, um Arzt zu werden, vielleicht um viel Geld zu verdienen, die Familientradition weiterzuführen oder einen bestimmten, gesellschaftlichen Status zu erreichen. Bei dieser Option ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass Du scheiterst. Warum? Weil es nicht um die Sache geht. Weil Du das Studium nicht machst, um das Studium zu machen, sondern aus irgendeinem anderen Zweck. Das Ziel, das Du verfolgst, ist also in Wahrheit gar nicht Dein Ziel, zumindest nicht das, was Dein Herz sich wirklich wünscht. Und genau bei solchen Dingen scheitern wir dann. Weil das Leben es gut mit uns meint. Weil es uns sagen will: „Hey, Du bist gerade nicht ganz auf dem richtigen Weg. Probier doch mal einen anderen.“ Und auch in solchen Situationen gibt es wieder zwei Möglichkeiten, ich denke das ist zum einen Typsache und zum anderen hängt es davon ab, wie gut wir in Verbindung mit uns selbst sind. Die eine Möglichkeit ist also, dass wir auf Biegen und Brechen versuchen, unseren Kopf durchzusetzen und den Weg so weiterzugehen, auch wenn wir vielleicht schon merken, dass er uns auf Dauer krank und unglücklich machen könnte. Die andere Möglichkeit ist, dass wir uns neu ausrichten, uns also sozusagen ein Ziel setzen, dass wirklich unseres ist, das einfach besser zu uns passt und uns auf Dauer erfüllt und glücklich macht.


Und genau dafür ist das Scheitern da. Immer dann, wenn wir das Gefühl haben, wir sind gescheitert, haben wir die Gelegenheit, uns neu auszurichten. Uns wieder auf das zu besinnen, was uns eigentlich wichtig ist. Quasi unseren Kompass neu zu norden. Das Scheitern hilft uns also dabei, als Mensch zu wachsen, bzw. sogar über uns hinauszuwachsen.


Wenn Du einmal in Deinem Leben zurückgehst, wirst Du sicherlich auch feststellen können, dass genau die Momente, in denen Du an oder mit irgendetwas gescheitert bist, die Momente waren, in denen Du die größten Wachstumssprünge gemacht hast. Wenn uns immer alles gelingen würde, wäre die Welt ganz furchtbar. Denn dann würde sich vermutlich nie jemand die Zeit nehmen, zu reflektieren und zu überlegen, was er in Zukunft besser machen kann. Wir müssen also manchmal sogar scheitern, um weiterzukommen.


Wie wäre es, wenn Du in Zukunft den Gedanken „Ich bin gescheitert.“ durch den Gedanken „Ah schön, ich darf gerade wachsen!“ ersetzt?


Für mich ist Scheitern wirklich die beste Option. Natürlich genieße ich auch die Phasen in meinem Leben, in denen alles glatt läuft. Aber um ehrlich zu sein wird es mir nach einer Zeit dann auch oft langweilig, weil eben nichts passiert. Wenn Du mal an ein EKG denkst, hat das auch immer Ausschläge nach oben und nach unten. Der Moment, in dem die Linie immer nur gerade verläuft, ist der Moment, in dem Du aufhörst zu leben.


Und das können wir auch wieder 1:1 so auf unser Leben übertragen. Wenn wir nie etwas wagen, weil wir immer Angst davor haben, damit zu scheitern, bleiben wir immer in unserer Komfortzone und unserem alten Trott, was unser Leben nicht nur furchtbar eintönig und langweilig macht, sondern früher oder später auch dazu führt, dass wir innerlich absterben. Schau Dich nur mal auf der Straße um. Es gibt so, so viele Menschen, die alle ihre Träume beerdigt haben und sich mit viel weniger zufriedengeben, als sie erreichen könnten.


Wenn wir mal eine Zeitreise in die Zukunft machen und gemeinsam Deinen Grabstein beschriften... Soll darauf stehen „Ich bin nie gescheitert, habe dafür aber auch nie wirklich gelebt.“ oder „Manchmal wusste es das Leben besser, aber ich hab’s zumindest versucht!“?


Was es jetzt braucht, um das Scheitern wirklich auch als Wachstum sehen zu können, ist der Mut, die vier Worte auszusprechen, die ich zu Beginn der Folge angekündigt habe. Die Worte lauten:


„Ich habe mich getäuscht.“


Dieser Satz klingt so unspektakulär, oder? Und doch hat er so viel Kraft und Potenzial, einfach alles zu verändern. Menschen, die den Mut haben, diesen Satz auszusprechen, sind für mich die Größten, die Mutigsten und die, die ich am meisten bewundere. Um Dir das zu verdeutlichen starten wir mal auf der Welt-Ebene, machen mit der Beziehungsebene weiter und gehen zum Ende hin auf die individuelle Ebene, also Dein Leben ein.


Die Welt-Ebene


Auf der globalsten und größten Ebene geht es mir darum, wie die Welt heute ist. Wie sie regiert wird, nach welchen Regeln sie funktioniert und von welchen Werten sie geleitet wird. Ganz egal, wohin wir schauen, das habe ich ja schon in meiner letzten Folge bemängelt, geht es meistens um Geld oder um Macht. Oft sogar um beides. Ich habe schon häufig beobachtet, sowohl in der großen, als auch in meiner kleinen Welt, dass Menschen irgendwann in ihrem Leben eine Entscheidung treffen und etwas für „die Wahrheit“ erklären und dann bis zum Ende nicht mehr davon abweichen. Kennst Du das auch?


Nehmen wir als Beispiel mal ein aktuelles, die Proteste um den Satz „Black lives matter“. Es gab also irgendwann in unserer Geschichte einmal jemanden oder vermutlich sogar mehrere, die es sich angemaßt haben, sich über jemanden zu erheben. Sie haben die Überzeugung kultiviert, dass es das eine und das andere gibt. Gut und schlecht. Wertvoll und minderwertig. Sie haben begonnen, Unterschiede zu schaffen. Und ich bin mir sicher, dass irgendjemand von denen, die diese Überzeugung einmal gedacht und schließlich ausgesprochen, also in die Welt gesetzt haben, mindestens einmal in ihrem Leben davon überzeugt wurden, dass es genau diesen Unterschied nicht gibt. Dass es ganz egal ist, woran sie glauben, welche Hautfarbe sie haben und wo sie herkommen. Das glaube ich deshalb, weil ich davon überzeugt bin, dass das Leben uns früher oder später immer wieder auf die richtige Spur zu bringen versucht. Die Frage ist nur: Wer hört zu? Und wer hat den Mut, eine Überzeugung, die er sich angeeignet hat, oder eine Entscheidung, die er einmal getroffen hat, zu revidieren? Wer hat den Mut, zu sagen „Ich habe mich getäuscht!“?


Ganz egal worum es in unserer Gesellschaft geht, wir haben es uns angewöhnt, die Menschen zu verhöhnen, die eine Entscheidung oder eine Überzeugung verändern. Wir denken dann, diese Menschen seien „nicht glaubwürdig“ oder man könne ihnen nicht vertrauen. Und genau das ist es aus meiner Sicht, was die vermeintlich „Großen“ dieser Welt dazu bringt, bis ans Ende ihrer Tage so grausame Dinge zu tun.


Wenn jemand gelogen hat und seine Lüge irgendwann zugibt, wird er auf ewig den Stempel „Lügner“ auf der Stirn tragen. Diejenigen aber, die ihre Lügen einfach niemals zugeben und sie mit ins Grab nehmen, werden verehrt. Wenn jemand sich gegen einen Menschen oder eine Gruppe stellt und anschließend seine Entscheidung korrigiert und sich vielleicht sogar an deren Seite stellt, wird als „Verräter“ bezeichnet. Wenn in der Politik eine Entscheidung getroffen wird, von der man im Laufe der Zeit merkt, dass sie falsch war, halten unsere Politiker daran fest. Denn wenn sie zugeben würden, dass sie sich geirrt haben, würden sie vermutlich nicht mehr gewählt, oder wir würden großkotzig dastehen und sagen „Habe ich doch gleich gewusst! Wie dumm kann man denn sein?!“.


Verstehst Du die Problematik? Es ist alles andere als attraktiv, sich selbst und vor allem anderen einzugestehen, dass man sich getäuscht hat. Es ist – wenn Du Dich an die letzte Podcastfolge erinnerst – der leichte Weg, Täuschungen aufrechtzuerhalten und damit keinen Unmut auf sich zu ziehen. Der richtige Weg wäre hart und würde Dich vielleicht Dein Gesicht kosten. Allerdings nur vor den Menschen, vor denen es sich ohnehin keineswegs lohnt, das Gesicht zu wahren.


Ich habe die kurze Geschichte (glaube ich zumindest) schonmal in einem Podcast erzählt, aber sie passt hier so gut, daher erzähle ich sie nochmal. Ich kann Dir inzwischen leider nicht mehr sagen, wo ich sie gehört habe, aber das ist ja auch egal.


Es gab mal einen Feuerwehrmann, der häufig bei Suizidversuchen im Einsatz war. Was dieser Feuerwehrmann immer gemacht hat ist, dass er zu den Betroffenen hingegangen ist, also zum Beispiel zu deren Wohnung, wenn sie kurz davor waren, aus dem Fenster zu springen. Er hat ihnen dann angeboten, dass sie sich in Behandlung begeben können und dass er sie dorthin bringt. Und auf dem Weg zum Feuerwehrauto hat er ihnen seine Uniform gegeben, dass sie das Haus verlassen können, ohne von irgendwem begafft zu werden und eben ohne ihr Gesicht zu verlieren. Mit dieser Strategie war er super erfolgreich und hat viele Menschen vor dem Tod bewahrt.


Diese Geschichte hat mir total eindrücklich gezeigt, wie wichtig es für uns Menschen ist, unser Gesicht zu wahren – in jeder Lebenslage. Und genau deshalb möchte ich mit dieser Folge dahingehend an Dich appellieren, dass es ausschließlich von menschlicher Größe und nicht von Schwäche, Scheitern oder Verrat zeugt, wenn jemand sich und anderen eingesteht, dass er sich getäuscht hat und sich ab sofort anders entscheiden möchte.


Das, was auf der Welt passiert, geht natürlich nicht spurlos an uns vorbei. Lass uns im nächsten Schritt schauen, was das Ganze auf der Beziehungsebene mit uns macht, bzw. wie es uns da beeinflusst.


Wenn wir in Beziehung zu anderen Menschen stehen, sei es nun generell in der Gesellschaft, im Job oder in unserem Privatleben, haben wir in jeder dieser Beziehungen eine Rolle. Wir sind zu unseren Chefs anders als zu unseren Kollegen, zu den Nachbarn anders als zu Fremden im Supermarkt und zu unseren Freunden anders als zu unserer Familie. Wir haben uns quasi für jeden Kreis, in dem wir uns bewegen, ein Gesicht zugelegt, von dem wir glauben, dass es passend ist.


Manchmal ist die Folge davon, dass wir Dinge denken, sagen und tun, die wir eigentlich gar nicht so meinen. Wir haben aber große Angst davor, unsere wahre Meinung kundzutun, weil wir glauben, dass wir dann in dem jeweiligen Kreis unser Gesicht verlieren.


Wenn wir zum Beispiel im Büro mitbekommen, dass unsere Lieblingskollegin schlecht über jemanden redet, stellen wir uns vielleicht nicht direkt hin und sagen „Moment mal, das seh ich ganz anders!“, sondern wir steigen auf das Gespräch ein, denn Gemeinsamkeit verbindet und eine andere Meinung würde vielleicht dazu führen, dass unsere Lieblingskollegin plötzlich daran zweifelt, dass wir der richtige „Partner“ für sie sind.


An der Stelle noch ein kurzer Einschub, weil es gerade so schön passt: Du kannst in der nächsten Zeit mal etwas aufmerksam sein, wenn Du Nachrichten hörst oder liest. Es ist eine ganz gängige und leider auch sehr wirkungsvolle Masche, dass Menschen das Gefühl von Gemeinsamkeit gegeben wird, um anschließend Unterschiede zu schaffen und damit zu spalten. Also wenn in der Politik zum Beispiel irgendetwas durchgesetzt werden soll, was für den Einzelnen vielleicht vollkommen nachteilig ist, wird immer etwas vorangestellt wie: „Wir sitzen doch alle im selben Boot.“ oder „Es geht uns doch allen so, wir haben das doch alle schon erlebt.“ oder „Ich bin davon ja auch betroffen, ich bin einer von Euch.“. Und wenn wir uns dann erstmal in einem kuschligen Taumel der Gemeinsamkeit wägen, kommt der Moment oder der Satz, der uns spaltet. Das war in der Flüchtlingspolitik sehr stark zu sehen, generell in der Integrationspolitik und auch in der aktuellen „Black lives matter“-Debatte wird es wieder sichtbar. Sei da mal achtsam und beobachte das Muster. Ich finde es immer wieder erschreckend, wie leicht wir manipulierbar sind, wenn wir nicht achtsam sind mit dem, was passiert. Das ist zum Beispiel einer der Gründe, weshalb ich zu Beginn einer jeden Folge immer wieder sage „Wie Du Durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst.“. Ich bin überzeugt davon, wenn wir nur alle wieder ein Stück näher mit uns selbst zusammenrücken und die ganzen betäubten Teile unseres Selbst wieder zum Leben erwecken würden, wäre die Welt heute eine ganz andere!


Aber zurück zum Thema Beziehungen. Die Lästerei unter den Kollegen war jetzt ein Beispiel. Ein anderes Beispiel ist, dass wir uns vielleicht jahrelang in einer Beziehung aufhalten, von der wir eigentlich schon längst wissen, dass sie nichts mehr taugt. Ich habe Menschen schon oft sagen hören „Ich kann und will ihn oder sie einfach nicht verletzen.“. Und weißt Du was? Inzwischen glaube ich, dass es darum überhaupt nicht geht. Sondern vielmehr darum, dass wir uns hinstellen müssten und sagen „Ja, ich hab da vor einigen Jahren mal jemanden geheiratet, weil ich dachte, das Ganze hätte Potenzial für die Ewigkeit. Heute weiß ich, ich hab mich getäuscht!“ Und auch da ist es doch wieder so, dass der oder die Verlassene in der Gesellschaft als das arme Opfer akzeptiert wird und derjenige, der sich dazu entscheidet, seine Täuschung einzugestehen, als Täter hingestellt und verurteilt wird. Als Ent-täuscher. So nach dem Motto „Bleib lieber Dein Leben lang unglücklich, stumpf ab und richte Dich innerlich selbst zugrunde, aber gesteh Dir BLOß nicht ein, dass Deine Beziehung oder Deine Ehe ‚gescheitert‘ ist!“. Da war es wieder, das Wort „gescheitert“. Merkst Du was?


Es ist einfach der Lauf des Lebens, dass manche Dinge, an die wir irgendwann einmal geglaubt haben, sei es nun eine Freundschaft, eine Beziehung, ein berufliches Verhältnis oder was auch immer, ihre besten Zeiten hinter sich haben. Und das ist auch vollkommen okay! Was glaubst Du, wie glücklich unsere Welt wäre, wenn jeder nur 10% mehr Mut zum Scheitern hätte?


Wenn alle Mamas und Papas, die merken, dass ihre Beziehung nicht mehr funktioniert, sich trennen würden, auch wenn sie dann alleinerziehend sind und damit als bemitleidenswerte Mitglieder unserer Gesellschaft gesehen werden? (Was ich im Übrigen ganz furchtbar finde!)


Wenn alle Paare, die glauben, sie können aus wirtschaftlichen Gründen nicht ihren eigenen Weg gehen, sich trauen würden, eben genau das doch zu tun und damit ein riesen Maß an Energie für etwas Neues freisetzen?


Wenn alle Menschen, die merken, dass in ihrem näheren Umfeld Dinge geschehen, die nicht in Ordnung sind, ihre Stimme erheben, auch wenn es sie vor genau diesem Umfeld ihr Gesicht kostet?


Errare humanum est. Das ist einer der wenigen Sätze, die ich aus sechs Jahren Latein-Unterricht behalten habe. Irren ist menschlich. Sich täuschen ist menschlich. Und andere ent-täuschen ist unsere Pflicht bis zum letzten Atemzug. So sehe ich das...


Die Welt und unsere Beziehungen haben wir jetzt durch, nun geht es ans Eingemachte: Dein eigenes Leben.


Ich habe die Podcastfolge bewusst so aufgebaut, dass es am Ende erst um Dein eigenes Leben geht. Warum? Weil ich weiß, dass immer das, was wir als Letztes hören, am besten bei uns hängen bleibt.


Ich bin mir sicher, dass Du in Deinem Leben von der Geburt bis zum heutigen Tag schon ganz vielen üblen Täuschungen auf den Leim gegangen bist.


Ich habe ja vorhin schon erzählt, dass mich eine liebe Freundin und Coach-Kollegin letztens gefragt hat, ob ich nicht mal eine Folge zu dem Thema aufnehmen kann, wie man Glaubenssätze auflöst. Natürlich ist mir das mit meinem Hintergrund nicht fremd, aber trotzdem habe ich irgendwie nochmal neu und anders begonnen, über das Wort und das Thema Glaubenssätze nachzudenken. Und kombiniert mit dem Täuschungs-Thema, das mir ja parallel dazu auch die ganze Zeit im Kopf herumgeschwirrt ist, bin ich auf etwas gestoßen, das ich gern mit Dir teilen möchte.


Wenn Du Dich ein bisschen mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung beschäftigst, hast Du sicherlich schon bis zum Abwinken über die Arbeit an und mit Glaubenssätzen gehört. Glaubenssätze sind Überzeugungen, die wir irgendwann in unserem Leben einmal begonnen haben zu glauben. Über uns selbst, über die Welt, über Menschen, da gibt es ganz verschiedene. Ganz viele von diesen Glaubenssätzen wurden uns schon als Kinder eingepflanzt und wir leben sie oft bis an unser Lebensende unreflektiert weiter.


Was mir jetzt also beim Kombinieren dieser beiden Gedankengänge aufgefallen ist, ist, dass ein Großteil dieser Glaubenssätze (zumindest der negativen, aber über die positiven spricht ja sowieso keiner) einfach schlichtweg Täuschungen sind. Und wenn wir unsere Glaubenssätze auflösen wollen, müssen wir uns selbst ent-täuschen. Wir müssen also bildlich gesprochen in den Spiegel blicken und zu uns selbst sagen „Ich hab mich getäuscht!“. Solange wir den Mut dazu nicht haben und nicht bereit sind, mit all dem Gegenwind zu leben, der uns mit Sicherheit zumindest in der ersten Zeit entgegenschlagen wird, können wir uns all die Mühe und vielleicht auch all das Geld für professionelle Hilfe sparen.


Lass uns mal zwei Beispiele anschauen, um das Ganze noch zu verdeutlichen.


Nehmen wir zuerst den wohl am weitesten verbreiteten Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug.“.


Du hast also irgendwann begonnen zu glauben, Du wärst so, wie Du bist, nicht gut genug. Durch diese Überzeugung hast Du angefangen, Dich immer unterzuordnen, für andere pflegeleicht zu sein, bloß nicht aufzufallen, denn es könnte ja irgendjemand merken, dass Du nicht gut genug bist. Du warst vielleicht immer recht schüchtern, hast Deine Meinung nicht geäußert, standest in Räumen immer eher am Rand, um auf keinen Fall in die unangenehme Situation zu geraten, im Mittelpunkt zu stehen. Du hast Dir unbewusst Partner ausgesucht, die Dich immer wieder in diesem Glauben bestätigen. Die Dich klein machen, sich über Dich erheben und über Dich bestimmen – explizit oder implizit. Du bist Beziehungen eingegangen oder hast welche angebahnt, die für einen Blinden sichtbar zum Scheitern verurteilt waren (siehst Du, da war das Scheitern schon wieder...), um Dich dann am Ende darin bestätigt zu sehen, dass Du es nicht Wert bist, eine tolle Beziehung zu führen in der beide so sein können wie sie sind, weil beide genug sind.


Du hast also alle Deine Bemühungen und Dein komplettes Leben darauf ausgerichtet, immer wieder darin bestätigt zu werden, dass Du nicht gut genug bist.


Was glaubst Du, müsstest Du jetzt tun, um diesen Glaubenssatz aufzulösen? Ganz oft habe ich schon sowas gehört wie „Selbstliebe“. „Du musst Dich nur selbst lieben, dann wird alles gut!“


Vielleicht bin ich für all das einfach zu unromantisch, sorry schonmal an der Stelle. Aber ich glaub das nicht! Selbstliebe ist für mich an der Stelle einfach nicht der Weg. Zumindest könnte ich mich nicht in jemanden verlieben, von dem ich weiß, dass er lügt, Du?


Vielmehr geht es aus meiner Sicht darum, sich erstmal ganz knallhart im Spiegel anzuschauen und sich selbst zu sagen „Franziska, es tut mir furchtbar leid, aber ich muss Dir sagen, Du hast Dich die letzten 29 Jahre Deines Lebens getäuscht. Ich bin heute hier, um Dich zu ent-täuschen und Dir zu sagen, dass Du genug bist und es auch schon immer warst. Und ja, ich weiß, diese Ent-täuschung wird vermutlich Dein ganzes Leben einmal auf links drehen, Du wirst vermutlich alles verändern müssen. Es werden sich Leute gegen Dich stellen und Du wirst vor Einigen Dein Gesicht verlieren. Es wird Menschen geben, die sich von Dir abwenden, weil sie der Meinung sind, dass Du Dich zu sehr verändert hast. Vielleicht wirst Du Deinen Partner verlieren und Deinen Job kündigen müssen. Vielleicht werden manche denken, Du seist größenwahnsinnig oder abgehoben. Aber die Wahrheit ist: DU BIST GENUG!“


Verstehst Du, was ich meine? Glaubenssätze und Überzeugungen sind die Wurzeln in unserem Leben. Sie sind das Fundament, auf das wir alles aufbauen. Und um nochmal auf das Thema Selbstliebe von gerade eben zu sprechen zu kommen: Ich hab da so ein Bild vor Augen, wie ich vor einem abrissreifen Haus stehe, dessen Mauern eigentlich keinen Meter mehr tragen und dann eine Schleife drumherum binde. Weil ich es doch so liebe. Ich glaube einfach nicht, dass das funktioniert. Zumindest nicht nachhaltig. Früher oder später fliegt einem das Ding dann doch um die Ohren.


Einen Glaubenssatz kannst Du nur dann auflösen, wenn Du aus tiefstem Herzen und echt ehrlich dazu bereit bist, Dein komplettes Leben zu verändern. Mit allen Unannehmlichkeiten und Strapazen, die das Ganze vielleicht mit sich bringt. Weil Glaubenssätze eben nicht nur wie irgendwelche Blätter am Baum sind, die wir abzupfen können, sondern wie Wurzeln. Man könnte fast sagen, das ist so, wie wenn Du Dich als Baum selbst verpflanzt und neue Wurzeln wachsen lässt. Ja, das ist anstrengend. Ja, das kostet Nerven. Und ja, das kostet vor allem auch Zeit und bis die neuen Wurzeln gewachsen sind, wirst Du Dich unsicher und in der Schwebe fühlen. Und vor allem musst Du am Anfang ganz schön oft gießen. Wenn Du das nicht machst, wird nichts wachsen.


Ich sag auch nicht, dass Du jetzt Deine ganzen Überzeugungen umkrempeln musst, ich will nur sagen, dass ich glaube, dass es eben der einzige Weg ist – wenn man denn eine nachhaltige Veränderung im Leben haben möchte – sich im ersten Schritt einmal einzugestehen, dass man sich mit dem, was man bisher geglaubt hat, wovon man bisher überzeugt war, getäuscht hat. Jeder von uns hat sich schonmal getäuscht. Und jeder wird sich in bestimmten Dingen wahrscheinlich auch bis an sein Lebensende täuschen. Vielleicht ist das ja auch ganz in Ordnung so, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall finde ich es aber gut und wichtig, darüber Bescheid zu wissen. Schließlich bestimmt das über alles, was Dir widerfährt.


Das zweite Beispiel ist ein Glaubenssatz, den viele von uns von ihren Eltern übernommen haben. „Bei Geld hört die Freundschaft auf.“ Hört sich vielleicht für’s Erste wieder banal an, ist aber bei näherer Betrachtung eine Überzeugung, die ebenfalls die ganze Welt bestimmt. Denn wenn Du überzeugt bist, dass bei Geld die Freundschaft aufhört, glaubst Du auch, dass überall da, wo Geld ist, keine Freundschaft sein kann. Und Geld ist nunmal fast überall. Wenn Du mit diesem Glaubenssatz lebst, sperrst Du eins von beiden aus Deinem Leben aus. Entweder Freundschaft, oder Geld. Denn beides gemeinsam kann mit diesem Glaubenssatz nicht existieren. Wie wäre es, wenn Du Dir auch hier eingestehst, dass Du Dich getäuscht hast? Was glaubst Du, wie könnte sich die Welt verändern, wenn wir unsere Energie umleiten und ab sofort glauben, dass Freundschaft und Geld sehr wohl parallel zueinander existieren können? Dass Geld nur das verstärkt, was ohnehin schon da war, also vielleicht lediglich zeigt, ob die Freundschaft echt war?


Auch da ist es natürlich wieder so, dass es passieren kann, dass einige Menschen sich von Dir abwenden, wenn Du Deine neue Überzeugung lebst. Oder auch, dass Du ein paar Mal böse auf die Nase fällst, weil Du vielleicht gerade an solche Menschen gerätst, die diese Überzeugung ganz ausgeprägt leben und für Geld über Leichen gehen. Aber das Ganze ist ja ein Kreislauf und wenn niemand jemals bereit ist, diesen Kreislauf zu durchbrechen und dafür auch ein bisschen Schmerz in Kauf zu nehmen, bewegt sich auch nichts. Wenn Du Dich nicht bewegst, bewegt sich die Welt auch nicht, denn am Ende bist Du die Welt.


Ich hoffe, ich konnte das jetzt alles verständlich rüberbringen. Die Antwort auf die Frage, wie Du Glaubenssätze verändern kannst, lautet also: Gesteh Dir erstmal ein, dass Du Dich getäuscht hast. Schmier nicht einfach Selbstliebe drüber und hoff darauf, dass sie nicht wieder abblättert, weil der Untergrund nicht richtig vorbereitet ist. Mach es ordentlich. Und überleg Dir vor allem vorher, ob Du bereit bist, all das, was da so kommt, zu tragen. Wenn Du das bist, erinner Dich daran: Scheitern ist die beste Option. Und denk auch immer wieder daran, was Du auf Deinem Grabstein stehen haben möchtest: „Ich bin nie gescheitert, habe dafür aber auch nie wirklich gelebt.“ oder „Manchmal wusste es das Leben besser, aber ich hab’s zumindest versucht!“?


Schön, dass Du wieder bis zum Ende da warst. Teil die Folge gern wieder mit allen, die Du kennst und lass mir eine Bewertung auf iTunes da, wenn sie Dir gefallen hat. Damit hilfst Du mir, den Podcast für noch mehr Menschen sichtbar zu machen.


Wir hören uns nächsten Dienstag wieder und bis dahin wünsch ich Dir viele Momente der Ent-täuschung – in unserem neu definierten, positiven Sinn, versteht sich... Pass auf Dich auf und denk dran: nothing but mindfulness... Bis bald!

© FRANZISKA DITTRICH

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