Suche
  • Franziska Dittrich

015 – Über Hochbegabung und das Anderssein


Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von nothing but mindfulness. , dem Podcast, in dem sich alles darum dreht, wie Du durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst. Mein Name ist Franziska Dittrich und ich freu mich total, dass Du heute wieder da bist und Deine Zeit mit mir teilst.


Nachdem ich in einer der letzten Podcastfolgen kurz das Thema Hochbegabung angesprochen habe, habe ich ein paar Nachrichten von Euch bekommen, dass ihr Euch eine separate Folge zu dem Thema wünscht. Und hier ist sie auch direkt. Es wird heute darum gehen, was Hochbegabung eigentlich ist, welche weitverbreitete Meinung dazu in der Gesellschaft herrscht und wie es sich so lebt, wenn man ein bisschen anders ist als andere. Ich möchte mit ein paar Alltagsweisheiten aufräumen und allen Betroffenen Mut machen, denn anders als vielleicht gedacht, hat man es als Hochbegabter in der Gesellschaft nicht immer leicht. Es wird außerdem darum gehen, welch gravierende Folgen eine verkannte Hochbegabung mit sich bringen kann und wie sich das auf den Job und das gesamte Leben auswirkt. Somit ist die Folge auch für all diejenigen unter Euch interessant, die zum Beispiel mit Personalführung zu tun haben oder um es noch ein bisschen generalistischer zu halten: für alle, die mit anderen Menschen zu tun haben...


Du würdest mir einen riesen Gefallen tun, wenn Du Dir diese Folge bis zum Ende anhörst, auch wenn Du vielleicht auf den ersten Blick nicht das Gefühl hast, dass das Thema für Dich von Relevanz ist. Nachdem in Deutschland knapp 2 Millionen Hochbegabte leben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du – wenn auch unbewusst - schon einmal mit der Thematik zu tun hattest, sehr hoch. Vielleicht bist Du auch Elternteil und hast ein besonderes Kind.


Die Unwissenheit über das Thema Hochbegabung in der Gesellschaft führt dazu, dass viele Menschen oft völlig falsch eingeschätzt und vorschnell in Schubladen gesteckt werden. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zur Pathologisierung, also zur Diagnostik von psychischen Erkrankungen, wo gar keine sind. Wenn diese vermeintlichen Erkrankungen dann auch noch mit falschen Therapien behandelt werden, haben wir den Salat.


Daher: Bitte bleib dran und ich wünsch Dir ganz viel Freude beim Hören.


Vielleicht kurz noch ein paar Worte dazu, weshalb ich mich überhaupt mit dem Thema beschäftige.


Bereits im Kindergarten hatte ich große Probleme, mich zu integrieren und anzupassen. Der tägliche Gang dorthin war für mich wahrlich eine Qual. Jeden Morgen habe ich meine Mutter angebettelt, nicht wieder in den Kindergarten zu müssen. Die anderen Kinder waren für mich anstrengend, zu laut, nervig und sie haben mich schlicht und einfach nicht interessiert. Langweilig fand ich es auch. Als dann der Übergang in die Schule kam wurde es nicht besser. Zum einen waren da die Probleme mit den Lehrern – keiner war bereit meine 1000 Fragen zu beantworten, mir alles in Ausführlichkeit zu erklären und breite Diskussionen über Hintergründe zu führen. Meine Denkweise sei falsch, ich müsse mich anpassen und „es muss nicht für alles einen Grund geben“ – das waren die Standardsätze, mit denen ich täglich konfrontiert war. In den Erwachsenen habe ich also keine Gesprächspartner gefunden, die auf einer Wellenlänge mit mir waren, obwohl ich mir das so sehr gewünscht hätte. Mein Vertrauen in Autoritätspersonen begann zu schwinden. Hinzu kam dann noch das soziale Umfeld – wieder Kinder, die mich nicht interessiert haben, mit denen ich mich nicht beschäftigen und auseinandersetzen wollte. Viel lieber war ich alleine in meiner spannenden Gedankenwelt unterwegs und grenzte mich immer mehr ab. Die Folge war großes Unverständnis und schließlich auch Ausgrenzung seitens der anderen Kinder. So wurde ich immer mehr zum Eigenbrötler.


Zuhause hatte ich sehr oft Langeweile, konnte mich kaum eine halbe Stunde alleine beschäftigen und alles, was ich gemacht habe, musste einen Sinn haben. Meine Mutter wurde wegen meiner ständigen Sinn-Fragen fast wahnsinnig mit mir. Was für Eltern schon eine unfassbar große Herausforderung zu sein scheint, ist für hochbegabte Kinder ein Martyrium. Bereits im Kleinkindalter werden die Zweifel am eigenen Selbstwert genährt und im weiteren Verlauf des Lebens wird es nicht besser.


Als Kinder sind wir noch sehr formbar, bilden unsere eigene Persönlichkeit aus und lernen einen Großteil durch Nachahmen und den Vergleich mit anderen. Hier liegt auch schon der Knackpunkt verborgen.


Hochbegabte Kinder werden im Vergleich mit anderen Kindern aus ihrer eigenen Perspektive gesehen immer schlechter abschneiden.


Sie haben weniger soziale Kontakte und können sich ihr Anderssein nicht erklären.

Sie entsprechen nicht den Maßstäben anderer.

Sie werden von den Erwachsenen (Eltern, Erzieher, Lehrer) häufiger geschimpft, weil sie nicht so funktionieren wie andere Kinder.

In sozialen Kontakten mit Gleichaltrigen sind sie immer anders, fast „außerirdisch“ mit ihren ausschweifenden, allumfassenden Gedanken und ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

In der Schule wird ihr andersartiges Denken nicht verstanden und in weiterer Folge mit schlechten Bewertungen und Noten abgestraft.

Sie nehmen mit ihrem sensiblen Verstand alles, was in ihrem Umfeld geschieht, sehr genau wahr und bemerken, dass sie vollkommen atypische Interessen haben und beginnen an sich selbst zu zweifeln.

Sie fühlen sich häufig für dumm verkauft und bestraft, wenn sie aus ihrer Sicht sinnbefreite und überflüssige Aufgaben erledigen sollen.

Sie sorgen sich oft um Dinge, denen andere Kinder sich in keiner Weise überhaupt bewusst sind.


Eliane Reichardt schreibt in Ihrem Buch „Hochbegabt? Potenziale erkennen und fördern“ (das ich Dir übrigens nur wärmstens ans Herz legen kann, wenn Du Dich mit der Thematik befassen möchtest): „Jeder Mensch muss seine eigene Identität kennen, man muss wissen, wer man ist, denn das entscheidet in hohem Maß mit über den Lebenserfolg.“ Und weiter „Infolge der leider immer noch weitverbreiteten Unkenntnis (wenn nicht gar Ablehnung) des Themas werden (Hoch)Begabte als Persönlichkeiten sehr häufig völlig falsch eingeschätzt und ihr Verhalten (dementsprechend) fehlinterpretiert, weshalb sich sowohl Kinder als auch Erwachsene viel zu oft völlig ungerechtfertigt in Diagnosen von psychischen Störungsbildern wiederfinden und Therapien verordnet bekommen, die vollständig an ihren Bedürfnissen vorbeirauschen.“


Boom! Genau das ist es. Genau aus diesem Grund mache ich diese Podcastfolge hier. In der Hoffnung, zumindest ein paar Menschen dazu zu bringen, umzudenken und von diesen völlig ungerechtfertigten Pathologisierungen wegzukommen!


All das, was ich gerade beschrieben habe, führt dazu, dass Hochbegabte schon im Kindesalter ständig das Gefühl in sich tragen, nicht reinzupassen in diese Welt, von niemandem verstanden zu werden und vor allem auch so, wie sie sind, nicht erwünscht zu sein. Vielleicht hast Du selbst Kinder, wenn nicht, warst Du auf jeden Fall selbst mal eines. Kannst Du Dir vorstellen, was es für eine unglaubliche Stärke und Kraft erfordert, all dem standzuhalten?


Als wäre das Anderssein an sich nicht schon schwierig genug, hat man auch noch ständig mit dem Außen zu kämpfen.


Seit ich vor einigen Jahren begonnen habe, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, kann ich auch in Kindern vieles sehen und erkennen, was mir vorher gar nicht bewusst war. So ist es beispielsweise bei hochbegabten Kindern schon von ganz klein auf häufig so, dass sie intellektuell viel weiter entwickelt sind als emotional und motorisch. Das führt dann zu den klassischen Wutausbrüchen, weil sie zwar eine genaue Vorstellung von dem haben, was sie da tun möchten, es aber einfach nicht umsetzen können. Oder sie sind eben intellektuell schon sehr weit, haben aber in sozialen Kontakten ihre Emotionen einfach nicht im Griff.


In unserer Gesellschaft ist es nunmal leider so, dass wir uns anpassen müssen, um ins System zu passen. Diese Anpassung ist schon für „normale“ Kinder oft nicht leicht, für Hochbegabte ist es allerdings nochmal eine große Spur schwieriger, zumal sie nebenbei ja noch dauerhaft mit dem Gedanken beschäftigt sind, dass sie wohl nie so sein werden, wie alle anderen.


Hochbegabte Kinder unterliegen auch mehr als normalbegabte Kinder der Illusion, dass „als Erwachsener alles besser wird“. Die Ernüchterung stellt sich schnell ein, wenn das Erwachsenenalter dann erreicht ist. Die Welt sieht nach wie vor gleich aus, die Menschen sind gleich und auch der Umgang mit ihnen als Person scheint unverändert. Das Schwierige an der Sache ist, dass man als hochbegabter Erwachsener trotz der Möglichkeit autonomen Handelns noch viel untröstlicher ist als im Kindesalter – schließlich gibt es jetzt auch keinen elterlichen Schutz mehr und man hat das Gefühl, nun völlig auf sich allein gestellt zu sein in dieser „bösen Welt“. Die Probleme und unterschwellige Schuldgefühle nehmen also im Erwachsenenalter nochmal eine ganz andere Dimension an und der Wunsch nach einem „ganz normalen Leben“ verfestigt sich von Tag zu Tag.


Was ist Hochbegabung eigentlich?


Ab dem 19. Jahrhundert hat man sich der Thematik angenommen und zahlreiche schlaue Köpfe haben diverse Modelle und Thesen zur Hochbegabung entworfen. Das Resultat ist, dass die Definitionen von Hochbegabung so verschieden sind wie die Menschen, die sich damit beschäftigt haben. Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass Menschen so unglaublich vielfältig sind und die Persönlichkeitsausprägungen so individuell, dass es bei jeder einzelnen Definition immer einen gewissen Anteil gibt, der durch’s Raster fällt. Dennoch brauchen Menschen bekanntlich Schubladen für alles, um klassifizieren zu können und so hat sich letzten Endes die IQ-Definition durchgesetzt, die besagt, dass eine Person dann als hochbegabt gilt, wenn ihr IQ über 130 liegt. Da der IQ normalverteilt ist, demnach also in etwa 2% der Menschen zu den Hochbegabten gehören, haben wir hier in Deutschland – wie bereits vorhin erwähnt – ungefähr 2 Millionen Menschen, die hochbegabt sind.


Die Gesellschaft tut sich sehr schwer, wenn es darum geht, für unbekannte und andersartige Phänomene eine Erklärung zu finden. Zumeist bedienen sich die Menschen dann dem Naheliegendsten: ihrer eigenen Erfahrungen oder einer gesellschaftlich kreierten und akzeptierten Kollektivmeinung. So auch bei dem Thema Hochbegabung. Zerlegt man das Wort in seine zwei Bestandteile "hoch" und "begabt", kann man die gesellschaftliche Definition erahnen. Man geht davon aus, dass Hochbegabten alles leicht von der Hand geht und sie stets Höchstleistungen erbringen (und daraus folgend auch ein Stück weit abgehoben in ihrem Verhalten sind). Mit Hochbegabung einhergehende Hürden im privaten, schulischen und beruflichen Alltag liegen außerhalb des Vorstellbaren und werden in die Überlegungen nicht mit einbezogen. Das führt dann dazu, dass sich Hochbegabte schon als Kinder fehl am Platz und trotz Gesellschaft einsam fühlen.


Für mich persönlich hat Hochbegabung, insbesondere meine eigene, wenig mit Begabung zu tun. Vielmehr ist es für mich ein Anderssein. Ich weiß inzwischen, dass ich anders denke als viele Menschen. Manchmal fällt es mir sogar selbst schwer, meine komplexen und sprunghaften Denkvorgänge nachzuvollziehen. Schon in der Schule hatte ich damit Probleme, so habe ich zum Beispiel in Mathe immer schlechte Noten und Beurteilungen bekommen, weil ich oft nur das Ergebnis von Aufgaben aufschreiben, nicht aber den Weg dorthin erklären konnte. Ich weiß heute, dass mein Gehirn einfach anders arbeitet als „normale“ Gehirne und mir damit einfach manche Denkschritte nicht zugänglich macht. Manchmal muss ich mich ganz schön zurückhalten, wenn irgendwo stundenlang über Probleme diskutiert wird, bis dann endlich die langersehnte Lösung auf den Tisch kommt.


Auch im sozialen Kontakt ist es oft nicht ganz leicht, anders zu sein. Ich glaube, wenn man sich mit seinem Anderssein nie wirklich befasst hat, kann es einen hin und wieder an den Rande des Wahnsinns und der Verzweiflung treiben. Viele Hochbegabte haben sich im Laufe der Jahre eine Maske zugelegt, weil sie Angst haben, ihr wahres Ich zu zeigen und damit auf Ablehnung zu stoßen.


In den letzten Jahren gibt es zumindest schon ein paar Menschen, die sich mit Hochbegabung bei Kindern auseinandersetzen, wenn wir auch nach wie vor Welten davon entfernt sind, dass das Thema umfangreich ins Curriculum der Lehramtsstudenten mit aufgenommen wird.


Wonach aber noch weniger Hähne krähen ist die Frage:


Was passiert denn eigentlich mit diesen hochbegabten Kindern, wenn sie mal erwachsen sind?


Ich möchte Dir gerne anhand des Beispiels eines Autos erläutern, wie es sich mit Hochbegabung im Berufsleben verhält.


Nehmen wir an, wir haben einen Sportwagen mit rund 400 PS in der Garage stehen. Nun gibt es drei mögliche Wege, die wir fahren können: Feldweg, Landstraße, oder Autobahn.


Der Feldweg ist wohl nur für einen Geländewagen gut zu bewältigen. Die Landstraße lässt sich von jedermann – unabhängig der PS - gut befahren. Für unseren Sportwagen mit 400 PS eignet sich wohl die Autobahn am besten. Hier kann durch das nicht vorhandene Tempolimit das Potenzial ausgeschöpft und die vorhandene Leistung voll ausgenutzt werden.


Wenn man nun den Sportwagen (Hochbegabten) auf dem Feldweg fahren lässt, braucht man sich nicht wundern, weshalb es innerhalb kürzester Zeit zu gravierenden Schwierigkeiten und Stillstand kommt. Auch auf der Landstraße wird der Sportwagen früher oder später entweder die zugelassene Höchstgeschwindigkeit überschreiten, zu waghalsigen Überholmanövern ansetzen oder sich bei gleichbleibender Geschwindigkeit zu Tode langweilen. Die Autobahn stellt die für den Sportwagen optimale Umgebung dar: eine gute Mischung aus allem und die Option, die vorhandenen PS jederzeit voll auszunutzen und Vollgas zu geben.


Das heißt im Klartext:


Hochbegabung sollte im Job nicht als nettes Feature gesehen werden, sondern – um bei unserem Beispiel zu bleiben – als essentielles Bauteil, als Motor, der für die Gesamtleistung eine unersetzbare Rolle spielt. Das Ziel sollte es daher sein, im Talent Management den Weg für Hochbegabte so zu ebnen, dass die nötigen Voraussetzungen gegeben sind, um die vorhandenen PS voll auszuschöpfen. Hochbegabte brauchen dann auch keinen besonderen Ansporn, keine Motivation von außen mehr, um Vollgas zu geben.


Das Problem ist, dass es in den meisten Unternehmen immer noch ziemlich standardisierte Raster gibt. Es gibt festgelegte Kriterien, die es zu erfüllen gilt, wenn man sich weiterentwickeln möchte. Dabei wird nur einfach nicht bedacht, dass es Menschen gibt, die eben nicht in diese Raster passen und damit immer unter dem Radar fliegen. Und versteh mich nicht falsch, mit dem Sportwagen und 400 PS Beispiel meine ich nicht, dass ich Hochbegabte in irgendeiner Form über andere Menschen erhebe. Ich wollte Dir damit nur aufzeigen, dass sie bzw. ihre Gehirne eben anders funktionieren und dass sie – im Endeffekt wie jeder andere Mensch auch – eine Umgebung brauchen, die es ihnen ermöglicht, ihr Potenzial auf die Straße zu bringen.


Vor sieben Jahren wurde an der Ruhr Universität in Bochum eine Studie mit hochbegabten Erwachsenen gemacht, in der es um berufsbezogene Persönlichkeitseigenschaften ging. Erhebliche Unterschiede hat man damals besonders in den Bereichen Teamorientierung, Kontaktfähigkeit und emotionale Stabilität gefunden.


Warum Teamorientierung?


Hochbegabte denken und fühlen anders als andere – das steht außer Frage. Die Integration in ein Team geht immer mit einer gewissen Anpassungsfähigkeit einher und erfordert somit auch oft Verständnis und Mitgefühl für andere Teammitglieder.


Genau in diesen Punkten tun Hochbegabte sich sehr schwer. Das kommt daher, dass sie – wie vorhin schon erwähnt - häufig schon seit ihrer Kindheit die Erfahrung gemacht haben, dass sie alleine am schnellsten zur besten Lösung kommen, weil andere nicht Schritt halten können mit dem vorgegebenen Tempo. Wenn sie dann in der Schule und auch im Beruf noch dazu gezwungen werden, mit anderen zu kooperieren und sich dadurch beeinträchtigt fühlen, entwickeln sich oft Wut und Ablehnung. Das bringt sie dann irgendwann zu der Überzeugung: „Ich mache am liebsten alles alleine, so funktioniert es am besten.“


Warum Kontaktfähigkeit?


Smalltalk ist für die meisten Hochbegabten ein Graus, verschwendete Zeit, weil er nicht zu einem Ergebnis führt. Im Kontakt mit anderen Menschen langweilen sie sich oft, erkennen den Mehrwert der Gespräche nicht für sich und beschließen dann, dass man alleine ja eigentlich auch ganz gut klar kommt. Auch wirkt ihr Auftreten und die Eigenschaft, den eigenen Vorsprung der Gedanken zu äußern, auf andere oft arrogant und abschreckend.


Warum emotionale Stabilität?


In unserer Gesellschaft – besonders in Deutschland – ist es ziemlich verpönt, positiv über hohe Intelligenz zu sprechen. Schon in der Schule werden hochbegabte und hochleistende Kinder als „Streber“ bezeichnet und gehänselt. Auch im Erwachsenenalter wird man mit Floskeln wie „Besserwisser“, „Klugscheißer“ oder „Angeber“ gequält und gilt häufig als Unsympath, wenn man sich von der Norm abhebt. Meiner Meinung nach ist es kein Wunder, wenn dies an Betroffenen nicht alles spurlos vorbeigeht und sie dadurch sehr sensibel und emotional instabil werden.


Im Arbeitsalltag zeigt sich Hochbegabung also nicht wie vielleicht erwartet durch ein ständiges Überfliegen, sondern zum Beispiel durch mangelndes Durchhaltevermögen bei Routinetätigkeiten und Aufgaben, bei denen es nichts Neues zu lernen gibt. Auch können exorbitant hohe Erwartungen, die Hochbegabte häufig haben und dann gern auf andere projizieren, zu Konflikten führen, da ihr eigener Maßstab nur selten ein Pardon kennt und sie ihr Genervtsein oder ihre Wut auch schon einmal an den Kollegen rauslassen. Das Unverständnis für und die Ungeduld mit anderen Menschen sind ein Problem, das Hochbegabte sehr beeinträchtigt. Dass andere Menschen nicht mit dem eigenen Tempo mithalten können, ist für sie schon schwer genug zu akzeptieren. Wenn sie dann aber beispielsweise nett gemeinte Erklärungen zurückweisen, werden sie auch noch mit der Ablehnung ihrer Persönlichkeit und dem Stempel „arrogant“ gestraft. Der Wille, sich anzupassen oder sich einer Autorität unterzuordnen ist in der Regel auch eher nicht vorhanden. Wenn man hochbegabte Mitarbeiter ärgern möchte, sollte man sie ständig kontrollieren. Es gibt nichts, das ihrer Freiheitsliebe mehr widerstrebt als das. Auch Meetings, in denen stundenlang über Probleme diskutiert wird, strapazieren die Nerven besonders.


Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich Dir sagen, dass Hochbegabte einfach anders denken und fühlen und oft auch einfach ihre Umwelt sehr viel intensiver wahrnehmen als Normalbegabte. Im Übrigen finde ich die Wörter „hochbegabt“ und „normalbegabt“ total bescheuert, weil hier schon allein durch die Bezeichnung gespalten wird. Mir geht es hier auch keinesfalls darum – und das konnte ich hoffentlich während der Folge schon immer wieder vermitteln – irgendwie überheblich zu werden. Vielmehr will ich Dich auf eine Gruppe in der Gesellschaft hinweisen, die Du vielleicht noch nicht so auf dem Schirm hattest. Oft ist es ja so, dass wir als Gesellschaft unwissentlich (oder manchmal auch wissentlich) Druck auf eine bestimmte Gruppe von Menschen ausüben, was in weiterer Folge dazu führt, dass diese Menschen sich frustriert, ausgegrenzt und unsicher fühlen. Sie haben ihr Leben lang das Gefühl, dass mit ihnen etwas nicht stimmt und dass sie tun können, was sie wollen, weil sie dabei ohnehin nicht verstanden werden.


Ich möchte an der Stelle auch nochmal explizit darauf hinweisen, dass Du keinen Stempel oder keinen Beweis dafür brauchst, dass Du anders bist. Ich denke, wenn Du es bist und vielleicht bis heute noch gar nichts davon wusstest, wirst Du Dich in meinen Erzählungen wiedergefunden haben. An der Stelle möchte ich Dir auch die Empfehlung aussprechen, Dich unbedingt näher mit dem Thema zu befassen. Lies Bücher, schau Videos... Such Dir Informationen und vor allem andere Menschen, die ähnlich ticken wie Du. Es gibt nichts Schöneres, als sich verstanden zu fühlen und nach so vielen Jahren endlich das Gefühl zu haben, mit seiner Andersartigkeit nicht ganz allein zu sein auf der Welt.


Und ganz egal, ob Du für andere zu schnell, zu langsam, zu laut, zu leise, zu extrovertiert, zu introvertiert, zu anders oder zu normal bist: Du bist genau so gut, wie Du bist. Manche Menschen finden Dich einfach unsympathisch, weil Du so bist, wie Du bist. Das tun sie aber auch dann, wenn Du versuchst, jemand anders zu sein.


1000 Dank, dass Du Dir die Folge bis hierhin angehört hast, auch wenn Du anfangs vielleicht ein bisschen skeptisch warst, ob das Thema etwas für Dich ist. Ich glaube, es schadet nie, sich auch einmal mit ganz neuen Dingen zu befassen und je besser wir alle uns hier auf unserem Planeten verstehen, desto schöner kann auch unser Zusammenleben werden.


Wenn Du willst, teil die Folge gern mit anderen Menschen. Falls ich einen Wunsch äußern darf, wünsche ich mir diesmal besonders das Teilen mit anderen Eltern, die von dem Thema vielleicht noch nie gehört haben. Und wenn sie Dir gefallen hat, lass mir super gern eine Bewertung auf iTunes da.


Wir hören uns nächsten Dienstag wieder und bis dahin, pass auf Dich auf, lass es Dir gut gehen und denk dran: nothing but mindfulness... Bis bald!

© FRANZISKA DITTRICH

|

|

|

3.png
2.png
5.png
4.png
1.png