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  • Franziska Dittrich

021 – Wie Du Konflikte aus einem neuen Blickwinkel sehen kannst


Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von nothing but mindfulness. , dem Podcast, in dem sich alles darum dreht, wie Du durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst. Mein Name ist Franziska Dittrich und ich freu mich total, dass Du heute wieder da bist und Deine Zeit mit mir teilst.


Heute gibt es hier wieder eine Solo-Folge. Ich werde in Zukunft schauen, dass wir hier eine gute Balance zwischen „normalen“ Folgen, Quick-Tipps und Gesprächs-Folgen finden. Ich freue mich natürlich auch immer über Dein Feedback und berücksichtige das gerne entsprechend.


Jetzt aber zum heutigen Thema. Ich möchte heute gern einmal ein bisschen über das Thema Konflikte sprechen. Dazu werde ich in Zukunft sicherlich nochmal ein paar Folgen machen, da das Ganze einfach sehr umfangreich ist und es viel zu sagen gibt.


Für den Anfang starten wir heute mal mit drei Gründen, die dafür verantwortlich sind, dass Konflikte – sowohl im Außen mit anderen Menschen, aber auch im Innen mit uns selbst – überhaupt entstehen. Außerdem teile ich zwei Dinge mit Dir, die nach meiner Erfahrung das Lösen von Konflikten erheblich behindern oder sogar unmöglich machen. Und zu guter Letzt schauen wir uns noch an, warum es gerade auch in Bezug auf Konflikte so wichtig ist, dass wir ehrlich zu uns selbst sind.


Vielleicht findest Du Dich ja in dem ein oder anderen Punkt wieder, oder hast sogar gerade einen Konflikt, den Du mit Hilfe meiner Denkanstöße mal etwas unter die Lupe nehmen kannst.


Ich wünsch Dir ganz viel Freude beim Hören.


Die Gründe, aus denen Konflikte entstehen, sind so vielfältig, dass man sie in einer einzigen Podcastfolge gar nicht unterbringen kann. Sicherlich hast Du schon gehört von den unterschiedlichen Arten von Konflikten, wie z.B. Wertekonflikte, Beziehungskonflikte, Rollenkonflikte, Zielkonflikte, usw. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber für mich sind diese formalen Definitionen immer ziemlich schwer greifbar. Daher gehe ich gleich auf drei etwas alltäglichere Gründe ein, weshalb wir immer wieder in Konflikte mit anderen Menschen, oder auch nicht selten mit uns selbst, geraten. Ich habe natürlich – wie Du wahrscheinlich auch – im Laufe meines Lebens schon den ein oder anderen Konflikt hinter mir. Ich kann zwar von meiner Persönlichkeitsstruktur her Spannungen sehr gut aushalten und wenn es nötig ist, ist es für mich auch total in Ordnung, wenn es mal knallt. Allerdings bin ich auch ein sehr zielstrebiger Mensch und empfinde Konflikte oft einfach als Showstopper, bzw. als Energie- und Zeitfresser. Selbstverständlich gibt es auch da wieder Unterschiede, denn manche Dinge müssen einfach aufkommen und geklärt werden. Häufig ist es aber auch so, dass wir, wenn wir uns selbst nur ein bisschen mehr reflektieren und die Mechanismen, die in uns verbaut sind, besser durchblicken, einige Konflikte schon im Keim ersticken können und das freut mich dann wiederum, weil ich meine Zeit und Energie einfach für andere Dinge verwenden kann, die mir zielführender erscheinen.


Warum kommt es denn nun häufig zu Konflikten?


Grund #1: Wir Menschen haben ständig das Bedürfnis, uns in alles einzumischen.


Vielleicht denkst Du jetzt gleich „Nee, mir ist das total egal, was andere machen, ich mische mich nirgends ein...“. Dieser Aussage würde ich gern direkt widersprechen. Wir alle mischen uns täglich in die Angelegenheiten anderer ein. Wir bewerten Dinge, die andere Menschen tun. Wir bewerten ihr Aussehen, ihre Standards, ihr Verhalten, ihr Leben. Wir finden andere zu dick, oder zu dünn. Wir schütteln den Kopf, wenn sie etwas tun, das wir selbst nicht tun würden. Vielleicht greifen wir sie sogar körperlich oder emotional an, weil sie etwas tun, das unserem eigenen Werteverständnis widerspricht. Wir sprechen abfällig darüber, wie andere ihr Leben gestalten, weil Lästern doch so schön verbindet. Kurzum: Keiner von uns ist davor gefeit, in diese Falle zu tappen. Dafür sind wir einfach zu sehr Mensch.

Besonders Menschen, die sich selbst, ihre Ansichten und ihr Werteverständnis für absolut richtig halten, neigen dazu, anderen gegenüber überheblich aufzutreten und ihnen ihre Sicht auf die Dinge überzustülpen. Je nachdem, an welches Gegenüber sie dabei geraten, kann es hier schnell zu einem Konflikt kommen. Und Achtung: Dieser Konflikt muss nicht immer offensichtlich ausgetragen werden! Es kann auch sein, dass man dadurch bei seinem Gesprächspartner einen inneren Konflikt auslöst, der dann lange Zeit im Inneren der betroffenen Person schwelt und implizit dazu führt, dass sie sich vielleicht in einen Konflikt im Außen verwickelt.


Die Tatsache, dass wir uns ständig in alles einmischen, führt nicht nur auf globaler Ebene, sondern auch im Kleinen zu großen Problemen. In Beziehungen zu unserer Familie, unseren Freunden, Kollegen, unserer Führungskraft und generell zu allen Menschen, mit denen wir zu tun haben.


Fakt ist: Wir Menschen tun immer das, was wir zum aktuellen Zeitpunkt für das Richtige, oder „die beste Wahl“ halten. Wenn nun jemand kommt und uns seine eigene Realität, seine ganz subjektive Wahrheit überstülpen will, werden wir uns dadurch immer bedroht fühlen und entweder offensichtlich oder innerlich in den Widerstand gehen.


Lass uns dazu kurz ein paar Beispiele anschauen.


Ein Klassiker in Beziehungen ist wohl, dass ein Partner den anderen um etwas bittet, bzw. ihn mit irgendetwas beauftragt und dann mehrmals nachhakt á la „Hast Du schon...? Machst Du noch...? Kannst Du jetzt mal endlich...?“


Ein anderes Beispiel aus dem beruflichen Kontext ist die Führungskraft, die ihre Mitarbeiter ständig auf Schritt und Tritt überwacht, um sicherzugehen, dass auch alles genau so gemacht wird, wie sie es sich vorstellt.


Besonders schön zu beobachten finde ich das ganze Thema auch immer im Umgang mit Kindern, denn Eltern glauben schließlich, zu wissen, was das Beste für ihr Kind ist.


Auch beim Autofahren mischen wir uns ständig in die Angelegenheiten anderer ein, indem wir darüber schimpfen, wenn sie nicht genau die zulässige Höchstgeschwindigkeit fahren, oder schief einparken.


Wir beschweren uns generell darüber, wenn jemand mit irgendetwas langsamer ist als wir selbst oder seine Arbeit nicht unseren Qualitätsansprüchen genügt.


Und glaub mir, während ich hier gerade mit einem Finger auf Dich zeige, zeigen drei Finger auf mich zurück – ich nehme mich da keinesfalls aus, im Gegenteil. Ich kann Dir über viele Dinge hier ja nur etwas erzählen, weil ich sie selbst schon erlebt oder erfahren habe.


Was ich Dir mit diesem Punkt sagen möchte, bzw. wofür ich Dir die Augen öffnen möchte ist, dass wir uns viel häufiger in Dinge einmischen, als wir es eigentlich merken. Dass wir im Alltag ganz leichtfertig und schnell Menschen bewerten und verurteilen für das was sie denken, tun, fühlen und sind. Und in dem Moment, in dem wir das tun, verursachen wir einen Konflikt. Nämlich zwischen unserer Wahrheit und Realität und der Wahrheit und Realität unseres Gegenübers.


Stell Dir mal vor, Du würdest alles, was Du den Tag über so über andere Menschen denkst, laut aussprechen. Da gäbe es sicherlich eine Menge Konfliktpotenzial, oder? Also wenn ich von mir ausgehe auf jeden Fall.


Früher habe ich immer geglaubt, dass Konflikte erst dann da sind bzw. wirken, wenn sie offensichtlich sind. Das ist aber ein Irrglaube. Denn sobald ich beginne, mich in fremde Angelegenheiten einzumischen und versuche, anderen meine Wahrheit und meine Realität aufzuzwingen und für das einzige Wahre zu halten, habe ich einen Konflikt in mir. Was dann oft passiert ist, dass wir diesen Konflikt, den wir eigentlich in uns haben, auf andere projizieren, ihnen die Schuld und die Verantwortung dafür in die Schuhe schieben. Und wenn unser Gegenüber genau diese Schuld und die Verantwortung nicht nimmt? Dann knallt es und wir sind zutiefst davon überzeugt, dass sich das Gegenüber bei uns entschuldigen müsste.


Verstehst Du, was ich mit all dem meine? Ganz viele Konflikte bestehen grundlos, bzw. nur deshalb, weil wir es uns anmaßen, uns in fremde Angelegenheiten einzumischen, die uns in Wahrheit rein gar nichts angehen. Sich das einzugestehen ist im ersten Moment verdammt harter Tobak, denn schließlich ist unser Ego davon überzeugt, dass uns fast alles etwas angeht.


Wenn Du gerade einen Konflikt hast, versuch einmal, genau zu rekonstruieren, wie er zustande gekommen ist. Und dann stell Dir die Frage:


Bin ich wirklich in der Position, dass mich das etwas angeht, bzw. dass ich mich einmischen darf?


Wenn Du diese Frage ganz ehrlich beantwortest, wirst Du wahrscheinlich in einigen Situationen zu dem Schluss kommen, dass dem nicht so ist. Schon allein dadurch, dass Du in einer Konfliktsituation Deine innere Haltung änderst und Dich selbst zurücknimmst, wird sich auch im Außen an dem Konflikt etwas verändern. Ich sage nicht umsonst im Intro meiner Podcastfolgen immer wieder „... wie Du durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst.“ Probier’s mal aus!


Lass uns jetzt zu Grund #2 kommen:


Unsere Erwartungen nehmen uns den Blick für das, was eigentlich ist.


Das ist in vielerlei Hinsicht eine gefährliche Angelegenheit.


Zum einen ist es oft so, dass wir etwas von Menschen erwarten und unsere eigene Erwartungshaltung dann auf unser Gegenüber projizieren. Wenn diese Erwartungen dann nicht erfüllt werden, sind wir entweder enttäuscht, oder wir fühlen uns getäuscht - was im Übrigen beides zu Konflikten führen kann.

Nehmen wir an, Du hast Dich für einen neuen Job beworben und hast eine genaue Vorstellung davon, wie dieser Job aussehen soll. Oder ein privates Thema: Du hast jemanden kennengelernt, Dir ein Bild von der Person gemacht und bringst nun Erwartungen in die zukünftige Beziehung mit ein. Die Liste an Beispielen kannst Du hier beliebig erweitern.


Stell Dir Deine Erwartungen vor wie eine besondere Brille. Durch diese Brille Deiner Erwartungen schaust Du aus einem gewissen Blickwinkel auf Menschen, Umstände und Situationen und urteilst natürlich auch auf dieser Basis. Die Crux an dem Ganzen ist, dass das, was Du durch diese Brille siehst, eben nicht der Realität entspricht, weil die Brille dazwischen ist. Bei manchen Menschen geht das soweit, dass sie sich ein gesamtes Konstrukt aus ihren Erwartungen zusammenbauen, das dann nach einer gewissen Zeit komplett in sich zusammenfällt. Was glaubst Du, passiert dann?


Wir Menschen neigen dazu, Erfolge und positive Dinge uns selbst zuzuschreiben und Misserfolge und negative Dinge entweder anderen Menschen, oder den Umständen. Und das führt – welch Überraschung – ganz häufig zu Konflikten.


Erwartungen zu haben ist etwas ganz natürliches und besonders in unserer westlichen Gesellschaft lernen wir schon recht früh, wie das geht. In gewisser Weise ist das auch in Ordnung so. Du solltest Dir nur darüber bewusst sein, dass jede einzelne Erwartung, die Du an jemanden, etwas oder eine Situation hast, Deine Sicht auf die Welt verändert.


Mal angenommen, Du hast eine Erwartung, wie eine bestimmte Situation abläuft. Die Situation zeigt sich dann ganz anders als in Deiner Erwartung und Du bist wütend, traurig oder enttäuscht. Aus diesem Gefühl heraus wirst Du automatisch eine Schlussfolgerung treffen, die Dir vielleicht Dein Leben lang bleibt. Und dann beginnt ein Teufelskreis, denn ein weiterer Haken an Erwartungen ist, dass wir immer das sehen, was wir zu sehen erwarten.


Ich geb Dir auch hier wieder ein kurzes Beispiel, dass das Ganze greifbarer wird. Ich persönlich hasse das Zugfahren. Schon immer, ich kann Dir gar nicht sagen, warum. Manchmal komme ich – besonders aus beruflichen Gründen – nicht drum herum und muss es doch mal in Kauf nehmen. Besonders auch während meiner Berufsschulzeit vor 14 Jahren musste ich häufig mit dem Zug fahren und hatte zu Beginn (weil ich selbst ja ein sehr pünktlicher Mensch bin) immer die Erwartung, dass Züge sich ganz strikt an einen Fahrplan halten – wozu sollte es denn sonst auch überhaupt einen geben? Du kannst Dir sicher vorstellen, was ich jetzt gleich erzähle. Es hat nicht lange gedauert, bis diese Erwartungen enttäuscht wurden. Immer und immer wieder. Und bis heute muss ich leider sagen, dass ich immer nur das sehe, was ich zu sehen erwarte. Nämlich Züge, die zu spät kommen. Die vielen hundert Züge, die pünktlich kommen, liegen außerhalb meines Radars. Meine Sicht auf das Zugfahren ist also durch meine Erlebnisse in der Vergangenheit maßgeblich beeinflusst.


Und genau so ist es auch in Konflikten mit Menschen. Wenn Du es zum Beispiel 1-2x erlebst, dass Dir jemand nicht aufmerksam zuhört, wenn Du sprichst, wirst Du vielleicht schlussfolgern, dass es sich überhaupt nicht lohnt, mit dieser Person zu sprechen, da sie Dir ohnehin nicht zuhört. Und damit, um nochmal zurück zum Punkt zu kommen, nimmt Dir Deine Erwartung den Blick auf das, was eigentlich gerade ist.


Also hier nochmal kurz die beiden Dinge, die immer wieder zu Schwierigkeiten und Konflikten führen:


1. Jede einzelne unserer Erwartungen verändert unsere Sicht auf die Welt.

2. Wir sehen immer das, was wir zu sehen erwarten.


Wenn Du jetzt in einen Konflikt verwickelt bist, könntest Du Dich ganz konkret einmal hinterfragen:

Hast Du das, was Du gerade im Außen siehst, schon erwartet? Inwiefern verändert dieser Konflikt Deine Sicht auf die Welt? Ist das, was Du aus diesem Konflikt heraus gerade über Dich, Dein Gegenüber, die Situation oder die Welt denkst, wirklich wahr?


Der Grund #3, weshalb Konflikte immer wieder entstehen, lautet:


Wir nehmen Dinge zu persönlich und verlieren dadurch die nötige Distanz.


Was meine ich damit genau? Ich habe dazu letztens in einem Buch eine nette Kurzgeschichte gelesen, in der es darum ging, dass sich ein Mann im Wald verlaufen hatte und dann von einem Wolf verfolgt wurde. Er hat sich auf einen Baum gerettet und immer, wenn der Wolf unaufmerksam war, ist er nach unten geklettert und am nächsten Baum wieder nach oben. Das hat er so lange gemacht, bis er am Rande des Waldes angekommen war und fliehen konnte, weil der Wolf das Interesse an ihm verloren hat. Anschließend wurde er gefragt, ob er denn wütend auf den Wolf war. Diese Frage hat er gar nicht wirklich verstanden, weil ihm ja klar war, dass der Jagdtrieb des Wolfes überhaupt nichts mit ihm zu tun hatte. Ganz egal, wer sich im Wald verlaufen hätte, der Wolf wäre seinem Jagdtrieb nachgekommen. Mit dieser Ansicht hat er eine Distanz geschaffen zwischen sich selbst als Person und dem Verhalten des Wolfes und damit eben überhaupt keinen Anlass gesehen, negative Gefühle gegenüber dem Wolf zu hegen.


Was hat das mit Konflikten bzw. deren Entstehung zu tun?


Wenn uns jemand etwas antut, oder uns auf eine Art und Weise behandelt, die uns widerstrebt, neigen wir dazu, das sofort persönlich zu nehmen, uns angegriffen, wütend, traurig, oder enttäuscht zu fühlen. Wir nehmen sofort eine Abwehrhaltung ein und „kämpfen“ sozusagen gegen unser Gegenüber – und zack, da ist der Konflikt.


Ich habe in einigen Podcastfolgen schon erwähnt, dass nichts von dem, was andere Menschen tun, irgendetwas mit uns zu tun hat. Und in dem Moment, in dem wir diese Haltung einnehmen können und damit eine Distanz schaffen können zwischen uns selbst und einer Person, einem Verhalten, oder einer Situation, sieht die Welt ganz anders aus. Wir müssen dann weder kämpfen, noch Gefühle wie Wut, Traurigkeit oder Enttäuschung fühlen.


Menschen sind mit allem, was sie tun, einfach nur sie selbst. Sie drücken sich selbst aus durch das, was sie tun. Und dieser Selbstausdruck hat niemals etwas mit Dir zu tun, auch wenn er sich auf den ersten Blick vielleicht gegen Dich zu richten scheint. Es ist sogar ziemlich egoistisch, davon auszugehen, dass all das etwas mit Dir zu tun hat.


Die Geschichte mit dem Wolf ist mir total im Kopf geblieben, denn niemand wäre auf ein Tier wütend, das einfach nur das tut, was eben seiner Natur entspricht. Und im übertragenen Sinne kann ich das auch in meinen Alltag sehr gut einbauen, bzw. mir immer wieder bewusst machen, dass es sehr wohl eine Distanz zwischen meiner Person und dem, was jemand anders tut, gibt.


Inwiefern würde sich Deine Sicht auf Deinen aktuellen Konflikt verändern, wenn Du Dein Gegenüber oder die aktuelle Situation aus einer gesunden Distanz heraus betrachtest?


Bevor wir jetzt gleich zu den zwei Dingen kommen, die das Lösen von Konflikten behindern, oder sogar unmöglich machen, hier nochmal kurz die drei Gründe, aus denen Konflikte überhaupt entstehen, im Schnelldurchlauf:


1. Wir Menschen haben ständig das Bedürfnis, uns in alles einzumischen.

2. Unsere Erwartungen nehmen uns den Blick für das, was eigentlich ist.

3. Wir nehmen Dinge zu persönlich und verlieren dadurch die nötige Distanz.


Wenn es uns jetzt also nicht gelungen ist, einen Konflikt schon im Keim zu ersticken und er uns vielleicht sogar schon eine ganze Weile begleitet, müssen wir ja irgendwie damit umgehen. Ich denke, jeder von uns hat es schon einmal erlebt, dass wir über eine längere Zeit einen Konflikt mit uns herumtragen, der sich einfach nicht lösen lässt. Auch dafür gibt es natürlich diverse Gründe, die ich in ihrer Vielfalt hier gar nicht abbilden kann. Ich möchte zwei davon mit Dir teilen, die aus meiner Sicht einen enormen Hebel haben und die Du für Dich sofort ändern kannst, sogar noch während Du diese Podcastfolge hörst.


Eine Sache, die uns daran hindert, Konflikte zu lösen ist, dass wir uns stur auf ein Ziel eingeschworen haben und dieses Ziel zu erreichen die einzige Option für uns ist.


Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es manchmal Situationen gibt, in denen wir glauben, wir kennen die einzig richtige Lösung. Wir haben ein ganz klares Ziel vor Augen, wie etwas sein soll und alles, was nur ein My davon abweicht, ist unserer Meinung nach falsch. Auch hier gibt es viele Beispiele. Angefangen bei der Vorstellung, wo die dreckige Wäsche gelagert wird, bis hin zu wichtigen Entscheidungen, die unser Leben oder die Welt nachhaltig beeinflussen.


Was passiert aber nun, wenn wir so stark auf ein einzig richtiges Ziel fokussiert sind und unseren Blick ausschließlich darauf richten? Stell Dir das gern bildlich vor, wie Du auf dem Boden stehst und Dein Ziel in der Zukunft in den Fokus nimmst. Dein Blick ist nach vorne gerichtet und Du kannst weder sehen, was auf dem Fleckchen Erde ist, auf dem Du gerade stehst, noch fallen Dir wahrscheinlich all die Dinge am Wegesrand auf.


Es fehlt Dir also an der Kapazität und Kreativität, um Dich auf den Weg zu konzentrieren. Dieser Starrsinn verwehrt es Dir, flexibel zu sein in Deinem Denken und Handeln. Besonders spannend wird das Ganze übrigens dann, wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, die beide einen sehr starken Zielfokus haben. Konflikte arten dann schnell einmal aus, weil keine Partei bereit ist, ein Stück nach rechts oder links abzuweichen.


Wie gerade schon gesagt, führt dieser Zielfokus besonders dazu, dass wir mit all unseren Ressourcen in der Zukunft sind und damit den jetzigen Moment überhaupt nicht wahrnehmen. Und wie Du spätestens aus meinen letzten Podcastfolgen mitbekommen hast, ist der jetzige Moment alles, was wir haben. Und vor allem ist er der einzige Moment, in dem wir wirksam werden können.


Wenn wir nun in einer Konfliktsituation sind, ist es essentiell, dass wir uns selbst immer wieder in den jetzigen Moment zurückholen. Das funktioniert in der Regel gut über die Verbindung mit unserem Atem. Wenn es uns gelingt, unseren Fokus kurzzeitig einmal von unserem Ziel abzuziehen und uns auf das zu konzentrieren, was jetzt gerade ist, werden wir nicht nur flexibler, sondern unser Blickfeld weitet sich automatisch und wir werden empfänglich und durchlässig für alternative Lösungswege.


Ein weiterer Punkt, der uns bei der Lösung von Konflikten im Weg steht ist, dass wir uns selbst immer wieder schwächen, indem wir uns an Altem festhalten. Das zeigt sich häufig in Form des Bedürfnisses, Rache an jemandem zu nehmen oder einfach auch darin, dass wir anderen Menschen Dinge nachtragen, die eigentlich schon längst abgeschlossen und vorbei sind.


Auch dazu habe ich letztens eine schöne Geschichte gelesen. Es gab in Shaolin einmal einen Schüler, der seinen Meister gefragt hat, wie er sich von dem lösen kann, was ihn an Altem und Vergangenen festhält. Der Meister hat sich daraufhin an einem Baumstumpf festgeklammert und den Schüler gefragt: „Was kann ich tun, dass der Baumstumpf mich wieder loslässt?“


Diese Geschichte zeigt aus meiner Sicht zwei Dinge ganz klar. Erstens ist es so, dass wir, wenn wir uns an der Vergangenheit festhalten, die Hände, den Blick und den Kopf nicht frei haben, um uns auf das zu fokussieren, was jetzt gerade ist. Und zweitens geben wir in dem Moment, in dem wir der Vergangenheit anhaften, unsere Verantwortung und damit auch unsere Freiheit im Handeln ab.


Wenn wir in Konflikten (ob nun im Innen oder im Außen) immer wieder alte Kamellen aus dem Regal ziehen, schwächt uns das also doppelt. Wir geben Macht ab an das, was einmal war und wir geben auch Macht ab an die Person oder die Umstände, die wir für unser Leid verantwortlich machen. Und wenn wir dann nicht mehr selbst diejenigen sind, die über unser Denken, Fühlen und Handeln entscheiden, kann das dazu führen, dass wir zutiefst gegen unser Werteverständnis und unsere Moralvorstellungen verstoßen.


Das Schöne ist – und das zeigt die Geschichte von gerade eben ganz deutlich – dass wir selbst jederzeit diejenigen sind, die entscheiden können, wann und ob wir loslassen. Wir können uns jederzeit frei machen von dem, was uns noch an Altem festhält. Weil das, was uns hält, eben nur wir selbst sind.


Wenn es Dir in Konflikten also gelingt, dich zum einen von Deinem starren Zielfokus zu befreien und zum anderen all das Alte und Vergangene auf sich beruhen zu lassen, werden ganz neue Perspektiven möglich.


Wie angekündigt möchte ich jetzt zum Schluss noch kurz mit Dir darüber sprechen, weshalb es gerade in Bezug auf Konflikte so wichtig ist, dass wir ehrlich zu uns selbst sind.


Konflikte entstehen und bleiben oft bestehen, weil wir uns selbst belügen. Wir gestehen uns nicht ein, worum es eigentlich geht und bauen dadurch ein Konstrukt auf, das im Verlauf des Konfliktes schlichtweg zum Scheitern verurteilt ist. Es entsteht zusätzlich zu dem sachlichen Konflikt also noch ein weiterer Konflikt. Nämlich ein Zielkonflikt zwischen den Zielen, die wir in Wahrheit haben und den Zielen, die wir nach außen hin verfolgen.


Damit das Ganze nicht so abstrakt klingt, hier nochmal ein Beispiel. Mal angenommen, Du fühlst Dich in Deinem Job nicht mehr wohl und Dein ehrliches Ziel ist es eigentlich, eine Tätigkeit zu finden und auszuüben, die Dich interessiert und erfüllt. Das Ziel, das Du Deinem Chef gegenüber äußerst ist aber, dass Du mehr Geld für Deine Tätigkeit haben möchtest, weil Du Dir implizit vielleicht denkst „Wenn ich schon meine Lebenszeit hier verkaufe, soll das wenigstens angemessen bezahlt werden.“. Möglicherweise hast Du sogar das Glück, dass Dein Chef der Gehaltserhöhung zustimmt. Nach wenigen Wochen merkst Du aber, dass Dein innerer Konflikt immer lauter wird, weil Du insgeheim Deine ganze Energie immer noch darin investierst, Dir Deine Tätigkeit interessanter und erfüllender vorzustellen. Dein Chef merkt nun vielleicht, dass Du nach wie vor nicht ganz bei der Sache bist und es entsteht ein weiterer Konflikt im Außen, weil er sich berechtigterweise darüber beklagt, dass Du doch vor Kurzem erst Deine gewünschte Gehaltserhöhung bekommen hast und dennoch nicht motiviert bist.


Unsere Energie fließt immer in Richtung unserer wahren und echten Ziele und nicht in die Richtung der Ziele, die wir nach außen vorgeben. Ganz egal, ob es sich um einen Konflikt im privaten oder im beruflichen Bereich handelt und ob der Konflikt im Innen oder im Außen stattfindet. Wichtig ist, dass Du Dich immer wieder ganz ehrlich hinterfragst:


Worum geht es mir eigentlich? Worum geht es in Wahrheit?


Du wirst merken, dass Konflikte sich oft in Luft auflösen, wenn wir einfach zu 100% ehrlich sind. Wenn wir das nämlich nicht sind, wird unser Gegenüber das merken und es wird uns nur selten gelingen, ihn nachhaltig von unserem Standpunkt zu überzeugen, weil wir schließlich selbst nicht davon überzeugt sind. Klingt das nachvollziehbar?


Zum Abschluss möchte ich noch ein schönes Zitat von Rumi mit Dir teilen:


„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“


Und ich glaube, genau darum geht es.


Es geht darum, uns nicht in alles einzumischen und unsere Erwartungen zu überdenken. Es geht darum, Dinge nicht persönlich zu nehmen, sondern eine gesunde Distanz zu wahren. Und es geht darum, uns frei zu machen von unserem starren Zielfokus und Vergangenes auf sich beruhen zu lassen. Wenn wir dann noch ehrlich zu uns selbst und auch zu anderen sind, bin ich überzeugt, können wir die Welt ein Stück besser machen und eben diesen Ort jenseits von richtig und falsch in uns finden.


Ich hoffe, die heutige Folge hat Dir gefallen und Du hast eine neue Perspektive auf das Thema Konflikte bekommen. Wenn Du willst, teile den Podcast gern mit allen Menschen, die Du kennst und lass mir eine Bewertung auf iTunes da.


Ich freue mich, wenn Du nächsten Dienstag wieder dabei bist. Und bis dahin, pass auf Dich auf, lass es Dir gut gehen und denk dran: nothing but mindfulness... Bis bald!

© FRANZISKA DITTRICH

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