Suche
  • Franziska Dittrich

022 – Wann sind wir endlich da?


Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von nothing but mindfulness. , dem Podcast, in dem sich alles darum dreht, wie Du durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst. Mein Name ist Franziska Dittrich und ich freu mich total, dass Du heute wieder da bist und Deine Zeit mit mir teilst.


Die heutige Folge ist (zumindest für mich) vielleicht eine der wichtigsten Folgen, die es hier im Podcast bisher gab. Es geht um das Ankommen – im eigenen Leben, am Ziel, bei sich selbst. Ein Thema, das mich selbst die letzten Monate wieder sehr beschäftigt hat. Und nachdem ich mich mit einer lieben Freundin dazu ausgetauscht habe, habe ich gemerkt, dass das ein Thema ist, das nicht nur mich, sondern sicherlich auch viele andere und vielleicht sogar Dich immer wieder umtreibt.


Ich teile daher heute meine Gedanken dazu mit Dir, ob wir in unserem Leben überhaupt jemals das Gefühl haben werden, angekommen zu sein. Außerdem schauen wir uns einmal die Frage an, was denn überhaupt wichtig ist, wenn es vielleicht gar nicht um’s Ankommen und „fertig werden“ geht. Da hatte ich nämlich zwei Aha-Momente für mich, die ich Dir nicht vorenthalten will.


Das Thema beschäftigt mich wirklich schon seit vielen Jahren und ich denke, es ist höchste Zeit, auch hier im Podcast mal offen darüber zu sprechen, denn gerade heutzutage werden wir ja besonders in den sozialen Medien immer wieder mit komplett verzerrten Realitätsbildern konfrontiert.


Ich würde mich total freuen, wenn Du Deine Gedanken zu dem Thema mit mir teilst. Zum Beispiel über Instagram, per Mail, XING, Facebook oder LinkedIn.


Jetzt wünsch ich Dir aber erstmal ganz viel Freude beim Hören.


Zunächst hole ich Dich mal kurz ab, dass Du verstehst, worum es mir in dieser Folge eigentlich geht und was dazu geführt hat, dass sie jetzt entstanden ist.


Wie Du vielleicht in einer der letzten Folgen mitbekommen hast, bin ich kürzlich umgezogen. Ich habe die letzten 8 Jahre in München gelebt und bin jetzt wieder in meine Heimat zurückgekehrt, weil ich mich in München einfach nie wirklich zuhause gefühlt habe, trotz der Tatsache, dass die Umstände zeitweise eigentlich perfekt schienen.


Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich hatte schon relativ früh in meinem Leben eine Vorstellung davon, wie alles einmal sein soll, wenn ich endlich „groß“ bin. Und von genau diesen Vorstellungen erhoffen wir uns dann im Endeffekt ja immer ein bestimmtes Gefühl. In Wahrheit wollen wir keinen „gut bezahlten Job“, sondern wir wollen einen Job, der es uns ermöglicht, uns selbst zu verwirklichen, was uns wiederum glücklich macht. Wir wollen keine „funktionierende Beziehung“, sondern wir wollen insgeheim lieben und geliebt werden. Wir wollen kein „tolles, neu gebautes Haus“, sondern wünschen uns eigentlich ein Zuhause. Das könnten wir jetzt noch mit verschiedenen Themen so fortsetzen. Wichtig ist mir, dass Du verstehst, dass es am Ende nie die äußerlichen Wünsche sind, auf die wir hinarbeiten, sondern die Gefühle, die wir uns davon versprechen bzw. erhoffen. Wir jagen also ständig einer Illusion hinterher und investieren unsere ganze Energie in die Zukunft, die uns dann hoffentlich das gewünschte Gefühl bringt.


Ich bin schon seit ich denken kann meinen Weg sehr strikt und diszipliniert gegangen. Habe meinen Wohnort gewechselt, um beruflich voranzukommen und Entscheidungen getroffen und durchgezogen, von denen ich überzeugt war, dass sie mich weiterbringen. Was dann im Nachgang meistens passiert ist, finde ich rückblickend betrachtet sehr spannend.


Ich habe oft jahrelang auf ein bestimmtes Ziel hingearbeitet und als ich dann dort angekommen bin, sind folgende zwei Dinge passiert:


1. Ich habe mich erstmal innerlich total leer gefühlt und irgendwie direkt begonnen, wieder nach neuen Zielen zu suchen. Wenn ich nicht direkt welche gefunden habe, bin ich in eine Art Loch gefallen und habe begonnen, alles in Frage zu stellen.


2. Ich hatte am „Ziel“ nie das Gefühl (zumindest nicht in der Ausprägung), das ich mir erhofft habe.


Auch mit meinem Umzug war es jetzt wieder so. Versteh mich nicht falsch, ich bin nach wie vor zu 100% glücklich mit meiner Entscheidung und würde sie jederzeit wieder genauso treffen. Es ist nur so, dass ich die letzten 8 Jahre in ganz vielen Situationen dachte: „Wenn ich jetzt nicht hier wäre, sondern in Ansbach, dann...“ Ganz besonders hat mir eben das Gefühl gefehlt, irgendwo so wirklich zuhause zu sein und hinzugehören – also anzukommen. Inzwischen bin ich seit gut sechs Wochen hier und habe mich weitestgehend fertig eingerichtet. Spätestens jetzt müsste doch also der Zeitpunkt sein, an dem ich mich so richtig angekommen fühle, oder?


Das ging mir übrigens auch mit meiner Selbstständigkeit so. Und zuvor ebenfalls mit zig verschiedenen Dingen.


Vorletzte Woche hatte ich einen Tag, an dem ich irgendwie total down war und mir dachte... „Das kann doch nicht sein. Irgendwann muss das Gefühl des Ankommens doch mal da sein.“ Ich habe mich dann kurzzeitig auch wirklich reinsteigern müssen. Vielleicht kennst Du sowas auch. Wenn ich bei mir selbst bemerke, dass es etwas gibt, das mich so beschäftigt, versuche ich das immer bis ins Detail zu analysieren und hinterfrage mich selbst und alles andere so lang, bis ich Antworten gefunden habe. Das ist zwar ziemlich anstrengend, aber vorher gibt mein Kopf keine Ruhe.


Die Frage „Wann sind wir endlich da?“ stellen wir ja schon als Kinder regelmäßig und ich habe gemerkt, dass das bei mir offensichtlich auch im Erwachsenenalter nicht aufgehört hat. Wir formulieren die Frage dann zwar immer wieder mal anders, aber eigentlich meinen wir dasselbe.


Ich habe mich also selbst ein paar Mal gefragt: „Franzi, wann bist Du denn jetzt endlich da? Wann bist Du angekommen? Was fehlt denn jetzt noch, wo Du die für Dich perfekte Tätigkeit, die perfekte Wohnung am perfekten Wohnort und liebe Menschen um Dich hast?“


Kurz nachdem ich mir diese Fragen gestellt habe, sind mir natürlich sofort unzählige Sachen eingefallen, die mir noch fehlen würden. Und während ich so gegrübelt habe, ist mir klar geworden, dass ich wohl niemals ankommen werde, zumindest im Außen. Das war im ersten Moment ganz schön ernüchternd. Und dennoch war ich in dem Moment irgendwie total zufrieden und erleichtert, weil mir ein großer Stein vom Herzen gefallen ist, bzw. ich mir selbst irgendwie den Druck herausgenommen habe.


Wir Menschen sind einfach so gestrickt, dass wir, wenn wir uns nicht bewusst dafür entscheiden, nie lange mit dem zufrieden und glücklich sind, was wir haben. Wir jagen immer sofort dem nächsten hinterher und sehen nach kürzester Zeit nicht mehr das, was wir schon haben, sondern nur mehr das, was uns vermeintlich noch zu fehlen scheint. Das Schwierige an dem Ganzen ist, dass es sehr häufig darin endet, dass wir uns dadurch in irgendetwas verrennen, sei es nun ein Job, eine Beziehung, eine Sportart, oder was auch immer. Also immer ein „zu viel“ von etwas. Davon machen wir uns dann früher oder später abhängig, bzw. wir definieren uns dadurch. Die Folge ist dann nicht selten sogar, dass Menschen dadurch krank werden, psychisch oder physisch – besonders dann, wenn im Außen genau das wegbricht, wodurch wir uns definiert haben.


Es gibt also sozusagen eine Art... Hmm, nennen wir es mal „Loch“, das wir alle in uns haben. Eine gewisse Leere, die sich immer wieder mal zeigt und die wir dann versuchen, mit irgendwelchen Dingen oder Aktionen im Außen zu füllen. Wir wollen dieses Gefühl wegmachen und sind dafür bereit, nahezu alles zu tun. Wir denken, wenn wir nur noch mehr tun (arbeiten, lieben, usw.), wird das Loch sicherlich irgendwann verschwunden oder gestopft sein. Das Problem ist –das ist meine persönliche Sicht auf die Dinge – dass das so schlichtweg nicht funktioniert.


Ich habe dann also für mich gemerkt, dass ich mit den Fragen, die ich mir gestellt habe, nicht wirklich weiterkomme, bzw. dass sie mich in eine Art Sackgasse führen. Und was solltest Du tun, wenn Du merkst, dass das, was Du gerade tust, nicht funktioniert? Genau, etwas anderes tun.


Also habe ich mir andere Fragen gestellt in der Hoffnung, dass mein Gehirn irgendwo die passende Antwort schon parat haben wird.


Ich habe mich gefragt: „Mal angenommen, es geht gar nicht um’s Ankommen und darum, irgendwie ‚fertig‘ zu werden, was ist denn dann wirklich wichtig?“


Nach einer Weile bin ich zu zwei Erkenntnissen gekommen, die ich gern mit Dir teilen möchte.


1. Es geht gar nicht um’s Ziel, sondern um den Weg, denn vielleicht (oder sogar sehr wahrscheinlich) ist das Ziel nur eine Illusion.


2. Das „Loch“ in Dir bleibt bestehen, solange niemand zuhause ist.


Der erste Punkt klingt vielleicht schon etwas abgedroschen, wie ein billiger Kalenderspruch, den wir alle schon unendlich oft gehört haben. Aber vielleicht kann ich Dir nochmal eine andere Perspektive darauf ermöglichen, wenn ich meinen Gedankengang mit Dir teile.


Es tut mir übrigens leid, wenn diese Folge etwas chaotischer und nicht ganz so strukturiert ist, wie Du es von den anderen Folgen gewohnt bist. Das liegt vielleicht daran, dass ich selbst bei dem Thema gerade noch mitten im Denken bin und das einfach hier mit Dir teile. Das ist im Übrigen auch gar nicht so uneigennützig, denn während ich hier so erzähle, sortiert sich ja auch Einiges in meinem Kopf. Aber zurück zum Thema.


Lass uns das Ganze wieder greifbar machen, indem wir über mein aktuelles Beispiel, meinen Umzug, sprechen.


Mein Ziel war es in den letzten 8 Jahren, wieder zurück in meine alte Heimat umzuziehen und dort eine Wohnung zu finden, die genau meinen Ansprüchen entspricht. Neubau, nicht zu viele Parteien im Haus und ein eigener Garten waren die Hauptkriterien. Wenn ich das hätte, habe ich mir so vorgestellt, werde ich mich total frei und wohl fühlen. Ich werde es gemütlich haben und mich so richtig heimelig fühlen. Und dann noch meine Familie und meine wichtigsten Freunde um mich – das muss dieses Gefühl von „angekommen sein“ sein. Weißt Du, was ich meine? Mir fällt es gerade etwas schwer, das in Worte zu fassen. Ich habe mich in meiner Vorstellung schon in meinem Garten auf der Sonnenliege liegen und mit Freunden auf der Terrasse sitzen sehen. Ich habe mich in meinem Arbeitszimmer an großen Plänen und Projekten arbeiten und in meiner großen, offenen Küche leckeres Essen kochen sehen. Ich hatte also ganz klar vor Augen, wie alles sein soll und konnte schon in meiner Vorstellung genau sehen, wie ich mich fühlen werde. In den Momenten, in denen ich mir das so alles in den buntesten Farben ausgemalt habe, habe ich mich auch tatsächlich schon so gefühlt, obwohl all das ja im Außen noch gar nicht eingetreten war. Und ja, was soll ich sagen... Ich habe genau die Wohnung gefunden, die ich mir in meiner Vorstellung ausgemalt habe. Und all das, was ich mich in meiner Vorstellung habe tun sehen, habe ich in den letzten Wochen auch tatsächlich schon getan. Nur weißt Du, was in der Realität anders war als in meinen Gedanken? Das Gefühl. Ich war in der Realität bei Weitem nicht so zufrieden, so frei und so glücklich, wie zuvor in meinem Kopf. Und da kommt jetzt eben dieser Satz, oder diese Weisheit ins Spiel, dass es nicht um das Ziel geht, sondern um den Weg.


Ich erkläre mir das Ganze so: Sobald ich ein Ziel vor Augen habe, setze ich alles daran, meine Leidenschaft, meine Kraft, meine Bemühungen, um das Ziel zu erreichen. Ich hol mir also den zukünftigen Moment, in dem ich mein Ziel erreicht habe, ins Hier und Heute und bin ganz präsent in diesem Moment. Ich tu also so, ob die Zukunft gerade passieren würde. Ist das verständlich? Und wenn ich das tue, gehe ich gleichzeitig auch davon aus, dass dieser Moment, also dieses Ziel, etwas ist, das ich erreichen kann. Also quasi wie eine Linie, die ich übertrete und in dem Moment, in dem ich sie übertrete, habe ich das Ziel erreicht. In Wahrheit ist aber das Ziel, also in meinem Fall der Umzug in meine Heimat, ja nicht nur ein Moment, sondern ein fortlaufender Zustand, bzw. eben in gewisser Weise eine neue Realität. Also der Akt des Umzugs an sich ist schon ein Moment, aber alles, was danach kommt, ist eher eine neue Realität.


Gerade habe ich das Gefühl, dass es ziemlich schwierig ist, meinen Gedanken zu folgen – ich hoffe, Du bist noch nicht ausgestiegen?


Das Ziel ist also auch eine Art Weg. Ein neuer Abschnitt auf meinem Lebensweg, aber eben kein Ziel. Nichts, das ich greifen kann. Ich habe mir das dann kurzzeitig mal so vorgestellt wie eine Fata Morgana, also etwas, auf das ich zugehe, weil ich glaube, dass es wirklich existiert. Und irgendwann kam der Moment, in dem das Zukunftsbild auf einmal weg war, weil ich im Außen diese imaginäre Linie übertreten habe und dann kam eben dieser kurzzeitige Tiefpunkt.


Ich versuche nochmal, das Ganze kurz auf den Punkt zu bringen. Der Wunsch, in meine Heimat zurückzukehren und mich dort mit allem, was dazugehört, frei, glücklich und pudelwohl zu fühlen, ist und war niemals ein Ziel, sondern ist in Wirklichkeit ein Teil meines Lebensweges. Und mit dem Lebensweg ist es nicht so, wie mit einem Ziel, dass man ihn irgendwie „erreichen“ kann, sondern man geht ihn. Du gehst Deinen, ich geh meinen. Genau darum geht es. Es geht darum, diesen Weg, den wir alle ja in irgendeine Richtung gehen, jeden Tag mit Leben zu füllen und jeden Tag auf’s Neue dafür zu sorgen, dass er sich so gestaltet und vor allem so anfühlt, wie wir ihn uns wünschen. Das Wort „gehen“ ist ein Verb, ein „Tun-Wort“, wie wir früher in der Schule gelernt haben. Es ist also nicht so, dass wir „gegangen werden“, sondern wir müssen aktiv etwas tun – jeden einzelnen Tag. Wir werden also nie „fertig sein“ oder „angekommen sein“, denn das würde gleichzeitig bedeuten, dass der Weg zu Ende ist und damit auch unser Leben.


Ganz egal, was Dein persönliches Ziel ist, sei es nun ein neuer Job, eine höhere Position, mehr Geld, ein Partner, Kinder, ein Haus, ein Hund, das Auswandern, oder oder oder... Wir sagen immer, wir arbeiten auf Ziele hin. Fakt ist aber, dass wir das Ziel niemals einfach so erreichen können, sondern das, was sich wirklich verändert ist, dass wir ab einem gewissen Zeitpunkt eben etwas Zusätzliches in unserem Rucksack auf der Reise des Lebens haben. Oder dass wir anderes Schuhwerk anhaben. Geprägt durch unsere Erfahrungen und Erlebnisse. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir weiterhin unseren Weg gehen. Ist das verständlich?


Vielleicht kannst Du Dir das Ganze auch so vorstellen wie eine lange Reise, die Du planst. Du steuerst verschiedene Stationen an, verweilst aber niemals für immer an einer Station, denn das würde bedeuten, dass die Reise zu Ende ist. Vielmehr nimmst Du Erfahrungen und Eindrücke von jeder Station mit auf Deinen Weg. Es geht also immer weiter und es ist wahrscheinlich vollkommen normal, dass wir niemals so wirklich das Gefühl haben werden, angekommen zu sein, denn was in der Natur aufhört, sich zu verändern, stirbt.


Wenn Du jetzt auf einer solchen Reise unterwegs bist, denkst Du ja auch nicht pausenlos daran, wie es wohl ist, wenn die Reise endlich zu Ende ist, sondern Du schaust Dich ganz aufmerksam überall um, genießt gutes Essen und nette Gesellschaft. Du lernst neue Orte kennen und freust Dich auf einmal über ein kleines Blümchen am Wegesrand, das Dir in Deinem normalen Alltag zuhause vielleicht niemals aufgefallen wäre, weil Du nur von A nach B hetzt. Kurzum: Auf Reisen bist Du mit Deiner Präsenz und Deiner Aufmerksamkeit viel mehr bei dem, was gerade ist, als Du es im normalen Alltagstrott bist und zusätzlich genießt Du eben den Weg, ohne das Ziel (also das Ende der Reise) ständig zu forcieren. Das finde ich im Übrigen auch wieder sehr spannend und bezeichnend, denn offensichtlich haben wir im Kontext einer Reise schon alle verstanden, wie das Leben eigentlich funktioniert, wir können eben nur den entsprechenden Transfer nicht leisten.


Falls Du eine kurze Denkpause brauchst, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, um Pause zu drücken. Wir kommen jetzt nämlich zum nächsten Punkt: Das „Loch“ in uns bleibt bestehen, solange keiner zuhause ist.


„Was meint sie dann damit?“, denkst Du jetzt vielleicht.


Ich habe ja vorhin schon kurz erwähnt, dass ich mit dem Ausdruck „Loch“ eine gewisse Leere meine, die wir sicherlich alle immer wieder mal empfinden in unserem Leben. Sei es nun nach dem Erreichen eines vermeintlichen Ziels, oder auch einfach zwischendurch im Alltag. Diese Leere auszuhalten fällt vielen Menschen sehr schwer, weil es auf den ersten Blick einfach auch zugegebenermaßen ein sehr unangenehmes Gefühl ist. Deswegen versuchen wir, das Loch wegzumachen, indem wir uns eben mit irgendetwas ablenken. Aktivitäten, Konsum, Medien, vielleicht sogar Drogen (mit Drogen meine ich insbesondere auch immer die vermeintlich „ungefährlichen“ wie Zucker, Alkohol, etc.).


Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass diese Leere immer extremer und unerträglicher wird, je mehr ich dagegen zu tun versuche. Und auch das habe ich nicht verstanden, denn normalerweise ist es doch so, dass wir, wenn uns z.B. langweilig ist, einfach nur irgendeine Beschäftigung finden müssen und dann ist die Langeweile weg. Oder wenn wir Hunger haben, etwas essen müssen, um das Loch im Magen zu füllen. Also es scheint eigentlich so – und das ist im Übrigen auch das, was wir als Kinder schon lernen -, dass wir einen Mangelzustand im Inneren mit einer Handlung im Außen beseitigen können.


Wenn ich auf solche Dinge in meinem Leben stoße, die so völlig anders zu funktionieren scheinen, als meine Konditionierung und meine Erfahrung es mir sagen, werde ich immer besonders hellhörig und aufmerksam und investiere besonders viel Energie, um herauszufinden, was dahintersteckt.


Ich habe das dann auch kürzlich mit dem Gefühl der Leere so gemacht. Und eigentlich klingt das nicht nur simpel, sondern ist es auch: Ich habe mir vorgestellt, wie Leere aussieht. Irgendwie musste ich an ein Glas denken, in dem nichts drin ist. Von dem Bild des Glases bin ich dann – wahrscheinlich, weil ich mich damit in den letzten Monaten so viel damit befasst habe – auf eine Wohnung bzw. ein Haus gekommen, das ich mir leer vorgestellt habe, wenn niemand drin (also zuhause) ist. Diese Bilder habe ich dann wieder in Bezug zu mir selbst und meinem Gefühl gebracht und bin dadurch darauf gekommen, dass ich diese Leere in mir wahrscheinlich immer dann empfinde, wenn ich sozusagen selbst nicht in mir zuhause bin. Ist das verständlich?


Die Frage war dann, wann ich denn dieses Gefühl der Leere nicht empfinde, also wann bei mir jemand zuhause ist. Und so bin ich darauf gekommen, dass die Leere immer dann weg ist, wenn ich ganz bei mir bin, also in dem Moment bin, der gerade ist. Das kann ich gar nicht auf bestimmte Aktivitäten oder Momente beschränken, sondern vielmehr darauf, wenn ich eben etwas mit meiner vollen Aufmerksamkeit tue und dabei ganz präsent bin. Seien es Gespräche mit anderen Menschen, bewusstes Essen, das Praktizieren von Yoga, das bewusste Hören von Musik, die Beschäftigung mit Kindern und so weiter. Also immer dann, wenn ich mit meinen Gedanken nicht in der Zukunft oder der Vergangenheit bin, sondern ausschließlich präsent im jetzigen Moment, ist auch dieses Gefühl der Leere nicht da, weil ja jemand „zuhause“ ist. Das erklärt für mich zum Beispiel auch, warum wir uns auf Reisen immer so wohl fühlen, weil wir ja mit der Absicht auf Reisen gehen, eben nicht an Zuhause zu denken und auch nicht an die Arbeit oder den Alltag, der uns nach der Rückkehr wieder erwartet. Wir genießen also ganz bewusst die Momente auf Reisen, die gerade stattfinden. Und was mir dann auch gekommen ist, ist, dass wir in Wahrheit ja eigentlich gar kein Fernweh haben, sondern eher Heimweh. Und zwar eine Art Heimweh nach der Präsenz im jetzigen Moment, die wir, wenn wir jetzt darum wissen, ja jederzeit herstellen und damit das Heimweh beenden können. Wie cool, oder?


Diese Leere, oder dieses „Loch“, wie ich es ja vorhin auch schon mehrmals genannt habe, ist also nichts, das wir füllen oder beenden können, indem wir davor weglaufen oder versuchen, es mit irgendetwas zu füllen, sondern vielmehr geht es darum, uns immer wieder daran zu erinnern, wie wichtig es ist, das, was wir tun, ganz präsent zu tun.


Um nochmal an das Beispiel von vorhin anzuknüpfen: Wenn ich auch jetzt nach meinem Umzug, wo ich im Außen mit allem fertig bin, immer noch eine innere Leere empfinde, bedeutet das nicht, dass ich ein nächstes Ziel brauche, oder mir die nächste Herausforderung aus den Fingern saugen muss, sondern es gilt jetzt, ganz an dieser Station meiner Reise anzukommen. All das, was ich hier so tue, ganz bewusst zu tun und die Dinge bewusst zu erleben. Mich über all die kleinen Blümchen am Wegesrand (wie z.B. Kontakte zu lieben Menschen, die Yogastunde mit meinem Lieblings-Yogalehrer, die Nähe zu meinem liebsten Spazierweg, usw.) zu freuen und mich begeistern zu lassen von all dem, was hier eben ist. Diese neue Realität mit allen Sinnen zu genießen und gedanklich nicht schon wieder in Aufbruchsstimmung zu sein und darüber nachzudenken, was wohl die nächste Station sein könnte – die kommt sowieso und kann dann erkundet werden, wenn es soweit ist.


Denn am Ende, glaube ich, werden wir in unserem Leben nur bereuen, dass wir das, was wir getan und erlebt haben, nicht mit unserer ganzen Präsenz, oder anders ausgedrückt „mit ganzem Herzen“ getan haben. Es kommt nicht darauf an, wie viele Stationen wir besucht haben, sondern letzten Endes nur darauf, wie sehr wir an den jeweiligen Stationen wirklich „da“ waren.


So... Heute habe ich Dich (glaube ich) ganz schön gefordert mit meinen Gedankengängen. Daher nochmal kurz eine Zusammenfassung, bevor wir am Ende der Folge angekommen sind:


Das Wichtige ist der Weg, denn das Ziel ist meist nur eine Illusion. Und wie auf einer Reise bedeutet das „Ankommen“, dass die Reise und damit dann eben das Leben vorbei wäre. Wir sollten uns also nicht darauf konzentrieren, endlich das Gefühl des „angekommen Seins“ fühlen zu können, sondern vielmehr lernen, all die Gefühle, die uns an den jeweiligen Stationen unseres Lebens erwarten zu schätzen. Angekommen sein kann sich manchmal traurig, manchmal ängstlich, manchmal freudig und manchmal auch wütend anfühlen. Das Gefühl der Leere, das uns auf unserer Reise auch manchmal begegnet, ist total normal und Du kannst es selbst in jedem Moment steuern, nämlich indem Du nach Hause zu Dir selbst kommst und ganz präsent bist in und mit all dem, was gerade ist. Das ist das, was wichtig ist. Weil es das Ankommen und das fertig werden, das wir uns alle manchmal so sehr wünschen, in Wahrheit nicht gibt.


Ich hoffe, Du konntest aus der heutigen Folge wieder ein paar neue Denkanstöße für Dich mitnehmen und siehst Manches vielleicht aus einem neuen Blickwinkel. Teile die Folge gern mit Familie, Freunden und Kollegen und lass mir eine Bewertung auf iTunes da. Ich glaube, dass dieses Thema sehr viele Menschen umtreibt und ich fände es schön, wenn die Folge weite Kreise zieht.


Ich freue mich, wenn Du nächsten Dienstag wieder dabei bist. Und bis dahin, pass auf Dich auf, lass es Dir gut gehen und denk dran: nothing but mindfulness... Bis bald!

© FRANZISKA DITTRICH

|

|

|

3.png
2.png
5.png
4.png
1.png