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  • Franziska Dittrich

034 – Ich bin immer für Dich da.


Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von nothing but mindfulness. , dem Podcast, in dem sich alles darum dreht, wie Du durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst. Mein Name ist Franziska Dittrich und ich freu mich total, dass Du heute wieder da bist und Deine Zeit mit mir teilst.


Die heutige Podcast-Folge hat einen besonderen Titel, „Ich bin immer für Dich da.“. Ich möchte mich heute mit Dir ein bisschen über genau diesen Satz, bzw. dieses Versprechen unterhalten. Sicherlich hast Du diesen Satz schon hin und wieder zu jemandem gesagt. Aber wie sieht es mit Dir selbst aus?


Wir können für andere ja nur dann wirklich da sein, wenn wir auch für uns selbst da sind. Darum soll es heute gehen und zum Abschluss der Folge gebe ich Dir noch ein paar Dinge mit, die Du Dir lieber heute als morgen selbst versprechen solltest. Sei gespannt!


Ich wünsch Dir ganz viel Freude beim Hören.


Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich leichtfertig solche Sätze wie „Ich bin immer für Dich da.“ ausspreche. Ab und an überkommt es mich dann, dass ich mir Gedanken darüber mache, was das eigentlich bedeutet, wenn ich so etwas zu jemandem sage. Letztens lag ich dann einmal wieder nachts wach und dachte mir... „Hmm, ein Feedback, das ich immer wieder bekomme, ist, dass andere sich immer auf mich verlassen können und ich immer für sie da bin, aber wie sieht’s eigentlich mit mir selbst aus?“


Ich habe dazu letztens einen sehr ehrlichen Post auf Instagram veröffentlicht, den ich Dir hier gerne nochmal wiedergebe für den Fall, dass Du mir dort nicht folgst.


„Ich freu mich nicht – wie so viele andere – über den Schnee. Ich habe Tage, an denen mich die Menschen, die mir am nächsten stehen, zu Tode nerven. Ich wache manchmal auf und wandere vom Bett direkt auf die Couch, weil ich noch nicht bereit für den Tag bin. Ich fange manchmal Dinge an, die ich nach wenigen Minuten wieder weglege, weil sie mich nerven. Ich gehe manchmal nicht ans Telefon, obwohl ich den Anruf sehe – einfach deshalb, weil ich hin und wieder keine Lust auf andere Menschen habe. Ich sage manchmal Verabredungen ab, weil ich mich kurzfristig dazu entscheide, doch lieber einfach nur mit mir allein sein zu wollen. Ich habe für mein Auto mehr Gefühle als für manche Menschen in meinem Umfeld, auch wenn mich alle deshalb für verrückt halten. Ich will mich nicht immer mit jedem freundlich unterhalten und austauschen, weil ich das in manchen Fällen für Lebenszeitverschwendung halte. Warum ich Dir das erzähle? Weil ich glaube, dass wir uns alle viel zu oft irgendwo hineinzwingen, wo wir gar nicht hingehören, weil wir es irgendwem recht machen wollen. Und am Ende des Tages wundern wir uns dann, warum wir so unzufrieden sind. Ein gut gemeinter Rat: Lass es. Lass es einfach sein. Nichts und niemand ist es wert, Dich zu verbiegen und zu verstellen. Am Ende ist es immer nur Dein eigenes Spiegelbild, vor dem Du geradestehen musst. Und das Einzige, was dieses Spiegelbild Dir danken wird ist, dass Du einfach Du selbst bist. Das ist kein Egoismus, das ist Selbstachtung.“


Ich habe im Nachgang zu diesem Post einige Nachrichten bekommen, in denen sich Menschen für meine Offenheit bedankt und gefreut haben, dass sie damit nicht alleine sind, weil es ihnen oft ähnlich geht. Manchmal frage ich mich, warum so etwas in unserer Gesellschaft nicht viel öfter einfach mal offen ausgesprochen wird. Es scheint trotz einer millionenschweren Persönlichkeitsentwicklungs- und Achtsamkeitsindustrie noch sehr verpönt zu sein, einfach zu sagen, was man denkt und vor allem auch danach zu leben.


Wenn wir für andere da sind und uns darum kümmern, dass es ihnen gut geht, finden das alle gut und loben uns dafür. Wenn wir für uns selbst da sind und gut auf uns achten, ist das arrogant, egoistisch, egozentrisch oder schlichtweg einfach „falsch“.


Eins ist klar: Ein „Ja“ zu uns selbst, geht in sehr vielen Fällen mit einem „Nein“ gegenüber jemand anderem einher. Und da wir Menschen dazu neigen, Dinge sehr persönlich zu nehmen, fühlen wir uns von diesem „Nein“ häufig persönlich angegriffen. Wir können nicht verstehen, dass das Verhalten anderer Menschen einfach nichts mit uns zu tun hat. Ich sage Dir nicht ab, weil ich keine Lust auf Dich habe, sondern deshalb, weil ich mehr Lust auf mich habe. Ich gehe nicht ans Telefon, weil ich für mich sein will, nicht weil ich ohne Dich sein will – verstehst Du den Unterschied?


Ich habe in den letzten Monaten auch öfters Nachrichten bekommen, wenn meine Podcast-Folgen hier verspätet oder gar nicht online kamen. Ob es mir gut ginge und ob alles okay sei. Auch an der Stelle nochmal: Ja, ich habe mich dazu committet, hier wöchentlich neue Folgen hochzuladen und das habe ich seit April auch mit ganz wenigen Ausnahmen, die Du im Übrigen an einer Hand abzählen kannst, getan. Wenn ich aber einmal viel zu tun habe, oder schlichtweg keine Lust, dann gibt es hier eben keine Folge. In der Regel kannst Du davon ausgehen, dass es mir in genau diesen Wochen besonders gut geht, weil ich entweder so viel arbeiten darf, dass ich nicht dazu gekommen bin, oder weil ich gut für mich gesorgt und deshalb bewusst entschieden habe, es zu lassen. Das bedeutet nicht, dass mir Deine Erwartungshaltung als Hörer oder Hörerin egal ist, sondern vielmehr, dass mir meine eigene Erwartungshaltung in Bezug auf mein Wohlbefinden in diesem Fall wichtiger ist.


In den letzten Jahrzehnten ist die Anzahl psychischer Erkrankungen explodiert und es ist kein Ende in Sicht. Wenn wir einmal davon ausgehen, dass Erkrankungen (ob nun physischer oder psychischer Natur) uns immer etwas sagen, oder auf etwas hinweisen möchten, scheint es da ganz viel Gesprächsbedarf zu geben. Das Problem ist, dass es um uns herum oft so unfassbar laut ist, dass wir unsere eigene Melodie nicht mehr hören können. Wir sind total abgestumpft gegenüber unserer Intuition, unserer inneren Stimme, dass unser System gar keine andere Wahl hat, als uns krank zu machen, denn sonst hören wir nicht.


Fakt ist, dass wir ja ganz gut darin zu sein scheinen, für Menschen da zu sein, denn bei anderen klappt das ja ausgezeichnet. Wir sind jederzeit für unsere Freunde erreichbar und immer zur Stelle, wenn es brennt. Wir bieten rund um die Uhr unser Ohr zum Zuhören und unsere starke Schulter zum Anlehnen an. Wir stellen unsere eigenen Interessen und Bedürfnisse zurück, wenn uns jemand braucht.


Stell Dir mal vor, es gäbe ein imaginäres Konto. Auf der einen Seite siehst Du alle Einzahlungen, die Du für andere gemacht hast und auf der anderen Seite alle Einzahlungen, die Du zu Deinen eigenen Gunsten bzw. für Dein eigenes Wohlbefinden gemacht hast. Welche Seite überwiegt? Welche Seite ist im Haben, welche vielleicht sogar im Soll?


Versteh mich nicht falsch, es geht mir nicht darum, dass ich Dir jetzt erzählen will, Du sollst Dich stundenlang in die Badewanne legen mit Meditationsmusik und die Welt um Dich herum komplett ausblenden. Es geht auch nicht darum, dass Du Dich Tag und Nacht mit Deiner persönlichen Entwicklung auseinandersetzen sollst. Ich möchte Dir nur einmal vor Augen führen, wie viel Du über den ganzen Tag verteilt für andere tust und wie viel im Gegensatz dazu für Dich selbst. Du kannst Dir dieses Konto auch gern einmal aufzeichnen und alles notieren, was Dir dazu einfällt – das macht das Ganze noch anschaulicher.


Im Flugzeug wird immer gesagt, dass man sich im Notfall immer erst um sich selbst kümmern soll und dann anderen helfen, die Hilfe brauchen. Aber nicht nur im Notfall ist es so, dass wir so richtig eben nur dann für andere da sein können, wenn wir zuvor für uns selbst da sind. Das Problem, das nämlich im ganz Kleinen anfängt und sich letztendlich bis in die kollektive, globale Ebene durchzieht ist, dass wir, wenn wir keine eigenen Regeln aufstellen, immer gezwungen sind, nach den Regeln anderer zu spielen. Das merken wir meist aber erst dann, wenn uns etwas unangenehm wird, oder wir nicht einverstanden sind. Wir neigen dann dazu, mit dem Finger auf andere zu zeigen und sagen „Wegen dieser Person oder diesen Umständen geht es mir so oder so.“. Richtig wäre eigentlich zu sagen: „Weil ich es zugelassen oder sogar aktiv etwas dafür getan habe, geht es mir so.“


Lass uns hier mal ein Beispiel im Arbeitskontext anschauen. Hattest Du in letzter Zeit einmal den Schreibtisch voll bis zur Oberkante und das Gefühl, Du wirst hinten und vorne nicht fertig? Hast Du als Konsequenz davon vielleicht Überstunden gemacht, Freizeit eingebüßt und bist über Deine eigenen Grenzen gegangen? Ging es Dir im Nachhinein schlecht, warst Du müde, erschöpft und ausgelaugt und lagst vielleicht sogar abends im Bett und Deine Gedanken haben sich noch um die Arbeit gedreht? Das ist keine Seltenheit, das weiß ich nicht nur aus persönlicher Erfahrung, sondern auch aus meiner Arbeit als Coach. In Wahrheit geht es Dir aber nicht schlecht wegen der vielen Arbeit. Es geht Dir schlecht, weil Du Dich bewusst dafür entschieden hast, die Erwartungen und Wünsche anderer Menschen über Deine eigenen Bedürfnisse zu stellen. Vielleicht aus einem Pflichtbewusstsein heraus, vielleicht zur Erfüllung Deiner Glaubenssätze, vielleicht aus Angst vor Ablehnung oder vor Jobverlust. Ganz egal, warum Du das getan hast, Fakt ist: Du hast es selbst verursacht durch Deine Entscheidung. Du warst nicht für Dich da, sondern für die anderen.


Die große Enttäuschung kommt bei Menschen meistens dann, wenn sie die Erfahrung machen, dass diese vollkommene Aufopferung sie trotzdem nicht davor schützt, nicht gesehen zu werden. Heißt, Du machst vielleicht die Erfahrung, dass Dir niemand dafür dankt, oder die Menschen in Deinem Umfeld es möglicherweise sogar inzwischen für selbstverständlich halten, dass Du immer 150% gibst – wohlgemerkt für die Erreichung FREMDER Ziele, Bedürfnisse und Wünsche.


Keine Frage, es kostet durchaus ein bisschen Mut, für sich selbst da zu sein, unter anderem eben deswegen, weil es in unseren Breitengraden nicht so gern gesehen ist, dass man sich gut um sich selbst kümmert, sofern das zu Lasten anderer geht. Das sollte Dich aber dennoch nicht davon abhalten, denn wenn Du Dein ganzes Leben lang damit beschäftigt bist, immer für andere da zu sein, gehst Du selbst leer aus. Wir alle haben ein gewisses Pensum an Energie und Zeit zur Verfügung. Und auch wenn das jetzt vielleicht vollkommen dem widerspricht, was Du bisher geglaubt hast: Du allein entscheidest, wem Du dieses Pensum zur Verfügung stellst. Du entscheidest, wie viele Geschichten Du Dir von anderen anhörst. Du entscheidest, wie viel Du in Deine Arbeit investierst. Du entscheidest, welche Verabredungen Du wahrnimmst und welche nicht. Du entscheidest, zu wem Du „nein“ sagst und zu wem „ja“. Natürlich gibt es in manchen Fällen Konsequenzen zu tragen, vielleicht würde es im Job-Kontext sogar dazu kommen, dass Du gekündigt wirst, wenn Du die Erwartungen nicht erfüllst. Die Frage ist nur: Möchtest Du Dein Leben lang Deine Lebenszeit an jemanden verkaufen, der nicht ansatzweise daran interessiert ist, dass es Dir wirklich gut geht? Da helfen dann auch keine Kicker-Tische im Aufenthaltsraum, keine monatlichen Beförderungen oder regelmäßige Gehaltserhöhungen. Denn am Ende stehst Du ohne Deine Gesundheit da und ohne die ist bekanntlich alles andere NICHTS.


Eigentlich wissen wir alle, dass wir für andere Menschen in unserem Umfeld nur dann ein wirklicher Zugewinn sind, wenn wir selbst fit, ausgeglichen und gesund sind. Und dennoch laufen viele von uns wie ausgelaugte „Hüllen“ durch die Gegend, bei denen gar nichts mehr zu holen ist, die aber zur Not auch ihre Substanz geben würden, wenn nichts anderes mehr bleibt. Das zu sehen tut mir so unglaublich leid.


Ich möchte Dich mit der heutigen Podcast-Folge dazu ermutigen, Dich selbst wieder zur Priorität zu machen in Deinem Leben. In diesem Leben, das nur Dir allein gehört. In diesem Leben, das Dir ganz allein geschenkt wurde und das Dir an irgendeinem Tag auch ganz allein wieder genommen wird. Du bist die Person, die wirklich zählt. Das ist nicht egoistisch, egozentrisch oder arrogant.


Uns allen wäre so viel geholfen, wenn jeder beginnen würde, gut auf sich selbst zu achten. Kein Gesundheitssystem, kein Psychologe, kein Freundeskreis und keine Familie dieser Welt kann die Verantwortung für Dein Wohlbefinden übernehmen, das kannst nur Du ganz allein. Und auch wenn Du damit vielleicht den einen oder die andere vor den Kopf stößt: Das ist es wert. Wer Dich nicht so sehr schätzt, dass er versteht, dass nach Deinem eigenen Wohlbefinden erstmal ganz lange nichts kommt, hat Deine Gesellschaft nicht verdient.


An dieser Stelle passt der Abschluss aus einer Rede von Charlie Chaplin zu seinem 70. Geburtstag gut:


„Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiß ich: Das ist das Leben!“


In diesem Sinne möchte ich jetzt auch gern zu dem Part übergehen, in dem ich Dir ein paar Sätze mit auf den Weg gebe, die Du Dir selbst immer wieder sagen darfst. Ich schreibe Dir die Sätze auch nochmal in die Shownotes, da kannst Du sie Dir rauskopieren und immer wieder wiederholen. Fang am besten gleich damit an. Ich werde immer einen Satz aussprechen und dann einen Moment warten, sodass Du diesen Satz leise oder laut für Dich wiederholen kannst. Optimal wäre es, wenn Du Dich dafür vor den Spiegel stellst und Dir dabei in die Augen siehst. Achtung: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das etwas emotional werden kann. Also lass uns starten.


Mein Wohlbefinden und meine Gesundheit haben in meinem Leben oberste Priorität.


Ich stehe für mich selbst und meine Bedürfnisse ein.


Ich bin gut zu mir.


Ich sage guten Gewissens „nein“, wenn ich „nein“ meine.


Ich vertraue darauf, dass meine Intuition die Antwort kennt und höre auf sie.


Ich verspreche mir, dass ich bis zu meinem letzten Atemzug gut für mich sorgen werden.


Ich will mich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.


Ich bin immer für mich da.


Damit sind wir jetzt am Ende der Folge angelangt. Danke, dass Du wieder dabei warst. Ich hoffe, ich konnte Dir an der einen oder anderen Stelle die Augen öffnen und ein bisschen dazu beitragen, dass Du einen Schritt näher in Richtung „Ich bin immer für mich da“ gekommen bist.


Ich freue mich, wenn Du nächsten Dienstag wieder dabei bist und wünsche Dir bis dahin eine schöne Woche. Pass auf Dich auf und bis bald.

© FRANZISKA DITTRICH

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