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  • Franziska Dittrich

035 – Wie Verluste unser Leben prägen


Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von nothing but mindfulness. , dem Podcast, in dem sich alles darum dreht, wie Du durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst. Mein Name ist Franziska Dittrich und ich freu mich total, dass Du heute wieder da bist und Deine Zeit mit mir teilst.


Die Zeitqualität momentan ist geprägt davon, dass wir immer wieder mit alten Mustern und Prägungen konfrontiert werden. In der heutigen Podcastfolge möchte ich deshalb einmal mit Dir über Verluste sprechen. Jeder von uns hat irgendwann in seinem Leben schon einmal jemanden oder etwas verloren, das Thema betrifft uns also alle irgendwo. Sei es durch Tod, durch Trennung, oder auch einfach der Verlust einer lieb gewonnenen Gewohnheit, eines Wohnorts oder der Verlust der eigenen Gesundheit. Wir sind ständig mit Verlusten konfrontiert. Sie tun uns weh, bringen uns zur Verzweiflung und nicht selten auch zu Selbstzweifeln.


Du weißt inzwischen bestimmt, dass ich nicht an Zufälle glaube. Alle Menschen, die uns begegnen sind gewissermaßen immer auch ein Spiegel unserer Selbst. Ich habe in der letzten Zeit häufiger mit Menschen zu tun, die mich mit ihrer Geschichte so sehr an mich selbst erinnern. Solche Begegnungen berühren mich zutiefst, weil sie mich immer wieder auch an Punkte bringen, an denen ich selbst noch nicht ganz heil bin. Und gleichzeitig tut es mir im Herzen weh, zu sehen, was diese Verluste und die daraus resultierenden, ständigen Selbstzweifel eigentlich mit uns machen, bzw. auch was sie mit mir gemacht haben, oder teilweise heute noch machen.


Ich möchte heute mit Dir also über Verluste ganz generell, über Kämpfe gegen uns selbst, die „neue Realität“ und vor allem auch darüber, wie wir mit all dem umgehen können, sprechen. Dazu habe ich am Ende der Folge fünf Punkte für Dich zusammengefasst. Natürlich wieder mit dem Hinweis, dass all das, was jetzt folgt, nur meine Wahrheit ist.


Ich wünsch Dir ganz viel Freude beim Hören.


Vielleicht schauen wir uns erstmal an, was in den Momenten passiert, in denen wir etwas oder jemanden verlieren. Anfangs sind wir in einem ganz natürlichen Schockzustand und können gar nicht so recht glauben, was uns da gerade passiert. Sei es nun die Nachricht über den Tod eines nahestehenden Menschen, die Information über eine schlimme Erkrankung, die Kündigung des Arbeitgebers, der Wohnung oder das Ende einer Beziehung. Daran schließt sich eine Phase des Widerstands, des „Nicht haben Wollens“ an. Wir kämpfen also gegen das, was nun angeblich die neue Wahrheit und Realität sein soll. Nicht selten passiert es da dann auch, dass wir beginnen, gegen uns selbst zu kämpfen und uns zu verschließen. Diese Phase finde ich wichtig, deshalb will ich an der Stelle näher darauf eingehen.


Immer dann, wenn wir etwas als „falsch“ interpretieren, oder einfach die Welt nicht mehr verstehen, dauert es nicht lange, bis auch irgendwelche Selbstzweifel um die Ecke kommen. Das ist kein Wunder, denn wenn wir etwas oder jemanden verlieren, haben wir gleichzeitig auch immer das Gefühl, dass wir einen Teil von uns selbst verlieren. Besonders dann, wenn wir emotional sehr involviert in eine Situation waren, neigen wir dazu, zu glauben, dass mit der anderen Person oder Situation auch ein Teil von uns gegangen ist, weil wir uns einfach so sehr damit identifiziert haben. Vielleicht geben wir uns sogar die Schuld dafür und glauben, dass wir den Fluss der Dinge irgendwie hätten stoppen können, wenn wir doch nur... Diese Kämpfe führen wir nicht zuletzt deshalb, weil es in dieser Phase die einzige Art von Aktion ist, die uns vermeintlich dabei helfen kann, die Kontrolle wieder zu erlangen.


In meinem Leben gab es schon mehrere einschlägige Situationen, in denen ich mich so gefühlt habe. Immer wieder dachte ich kurzzeitig, die Welt dreht sich nicht weiter, oder jemand hat sich mit einem Teil von mir aus dem Staub gemacht. Ich habe mich allein gelassen gefühlt, verzweifelt, unverstanden, und ganz wichtig: hin und wieder dachte ich auch, ich sei nichts wert oder vielmehr „falsch“, so wie ich bin.


Ich habe mit aller Gewalt versucht, diese Situationen und Ereignisse so zu verändern, dass sie wieder in das Bild dessen passen, was ich für richtig hielt – also in meinen Plan. Und wenn mir das nicht gelungen ist, habe ich mich selbst verändert. Manchmal habe ich einfach funktioniert, manchmal habe ich mich zuhause vergraben, manchmal habe ich versucht, mich exzessiv abzulenken, um all das einfach nicht fühlen zu müssen.


Wenn ich Dir das so erzähle, kannst Du Dir sicherlich vorstellen, dass all diese Bemühungen nur mäßigen Erfolg hatten. Gleichzeitig tun wir das alle immer wieder. Wir haben Vorstellungen davon, wie etwas sein muss. Wir möchten entscheiden, wie lange wir selbst und unsere Liebsten leben sollen. Wir möchten über unsere Gesundheit, unsere Beziehungen und generell über den Verlauf unseres Lebens entscheiden. Und dann kommt das Leben und weiß es besser.


Alle Erfahrungen, die wir machen, sind Teil eines Plans. Du und ich, wir können nicht ansatzweise wissen, was das Leben mit uns vorhat und wozu das alles gut ist. Fakt ist aber, dass all das dem dient, dass wir unsere Rollen hier für andere und für das Gesamtkonstrukt „Welt“ ausfüllen. Wenn ich nicht das erlebt hätte, was ich erlebt habe, könnte ich heute meine Arbeit nicht so machen, wie ich sie mache. Ich könnte anderen Menschen nicht auf diese Art und Weise begegnen, wie ich es tue. Ich könnte die Dinge nicht so sehen, wie ich sie sehe.


Es ist gefährlich, wenn wir in dieser Phase des Widerstands und Kampfes gegen uns selbst steckenbleiben, weil wir dadurch nicht nur uns selbst sabotieren, sondern auch unseren Teil hier auf der Welt nicht mehr beitragen können, weil wir ständig damit beschäftigt sind, uns zu verstecken vor der Realität. Wir schalten sozusagen unser eigenes Licht aus, dass wir uns einerseits selbst nicht mehr sehen müssen und andererseits auch die Welt uns nicht mehr sehen kann, um uns nicht mehr so schlimmen Schaden hinzuzufügen.


Weißt Du, was das Schlimme ist? Das Leben sieht Dich trotzdem. Andere Menschen sehen Dich trotzdem. Die Wunden, die Du davon getragen hast, leuchten so hell, dass sie für alle um Dich herum so gut sichtbar sind, dass sie geradezu dazu einladen, den Finger reinzulegen. Vielleicht versuchst Du, Dich in Kontakt mit anderen Menschen oder dem Leben generell so sehr zu verbiegen, dass Du vermeintlich keine Angriffsfläche mehr bietest für den nächsten Verlust. Du verstellst Dich, dass der nächste Partner keinen Anlass hat, Dich zu verlassen. Du ordnest Deine eigenen Bedürfnisse unter, dass keiner merkt, wie es Dir eigentlich geht. Du erträgst Dinge, von denen Du in Wahrheit weißt, dass sie Dir schaden. Du fängst an, Deine Gefühle hinter Mauern zu verstecken, um nie wieder berührt zu werden. Du hältst Dich an eine strenge Ernährung, gönnst Dir 27 verschiedene Nahrungsergänzungsmittel zum Frühstück oder flüchtest Dich in exzessiven Sport, um nie wieder krank zu werden.


Wichtig ist mir an der Stelle, dass Du den Mechanismus verstehst, der sich hinter dem ganzen verbirgt. Wenn wir einen Verlust erleben, kann das furchtbar schmerzhaft sein. In diesen emotional aufgeladenen Momenten gehen wir häufig eine Art Pakt mit uns selbst ein. Den Pakt, dass wir alles in unserer Macht Stehende dafür tun werden, um diesen Schmerz NIE WIEDER erleben zu müssen. Wir entwickeln Strategien und Taktiken, die der Vermeidung und Verdrängung dienen und glauben, dass wir deshalb sicher sind. Wir halten uns von Menschen und Situationen fern, die uns gefährlich erscheinen. Wir führen bestimmte Gespräche nicht und schweigen lieber, weil unsere Angst zu groß ist. Wir bleiben in Jobs, die uns unglücklich machen und in Beziehungen, die uns schaden.


Was damit einhergeht ist, dass wir durch dieses extreme Verschließen selbst auf eine gewisse Art und Weise sterben. Wir glauben, wir beschützen uns dadurch vor dem Schmerz. Die Wahrheit ist aber, dass wir uns dadurch nicht mehr berühren lassen. Nicht von anderen Menschen und auch nicht vom Leben. Und die logische Konsequenz ist, dass ja nicht nur nichts Negatives mehr zu uns durchkommt, sondern auch nichts Positives. Wir werden taub und blind und haben dann das Gefühl, es hat alles keinen Sinn, bzw. nichts hat einen Sinn. Häufig hört man das ja auch von Menschen, die gerade einen Verlust erlitten haben. „Mein Leben hat keinen Sinn mehr.“


Immer, wenn Du das Gefühl hast, dass es keinen Sinn mehr hat, schau mal, ob Du noch offen und durchlässig bist für Dein Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Ohne Tief kein Hoch und ohne Hoch kein Tief. Ein Leben ohne Berührung würde auf dem EKG aussehen wie der Tod. Und wie schade ist es, noch am Leben, aber gleichzeitig schon tot zu sein?


Vielleicht darfst Du Dich in Deinem Leben auch gerade von etwas oder jemandem verabschieden, oder trägst noch eine alte Wunde in Dir, die endlich heil werden will. Ich will Dir hier Mut machen und Dir ein paar Denkanstöße mitgeben, die mir selbst immer wieder helfen, wenn ich gerade traurig über oder wütend auf das Leben bin, oder eben das Gefühl habe, es hat irgendetwas keinen Sinn mehr.


1. Nicht Verlust, sondern Widerstand verursacht Leid.


Der natürliche Zustand des Lebens ist es, zu fließen. Nichts bleibt gleich, in keiner Sekunde. Auch wenn das für uns immer etwas schwer vorstellbar ist, aber Du bist schon jetzt nicht mehr derselbe Mensch wie zu Beginn der Podcastfolge. Wenn in der Natur etwas aufhört, sich zu verändern, stirbt es. Es ist also ganz normal, dass wir immer wieder auch etwas verlieren, um an anderen Stellen etwas dazugewinnen zu können. Angenommen, Du hast einen nahestehenden Menschen verloren durch Tod oder Trennung und fixierst Dich die ganze Zeit darauf, was daran schlecht ist und was Du eben verloren hast... Du stehst also in Deinem Leben mit gesenktem Blick und verschränkten Armen und verschließt Dich für alles, was um Dich herum ist. Das ist so, wie wenn Du Dich in einem Fluss an einen Ast klammerst, weil Du Angst hast, mit ihm zu fließen. Es wird von Tag zu Tag anstrengender und irgendwann wirst Du so erschöpft sein, dass Du Dich nicht mehr halten kannst. Das Schlimme ist nur, dass wir nach solchen „Festhalteaktionen“ auch keine Kraft mehr haben, zu schwimmen. Deswegen fühlen wir uns dann erst recht verloren, hilflos und ohnmächtig.


In dem Moment, in dem Du loslässt, in vollem Vertrauen darauf, dass das Leben keine Fehler macht und der Fluss – DEIN Fluss – immer richtig fließt, genau so, wie er fließt, macht das Leid der Leichtigkeit Platz.


2. Du wirst bis zu Deinem letzten Atemzug ganz bleiben, egal was Dir widerfährt.


Ich habe vorhin schon erwähnt, dass wir in Verlust-Situationen häufig das Gefühl haben, dass wir auch einen Teil von uns verlieren. Das ist nur ein Gefühl. In Wahrheit sind wir immer ganz. Es gibt nichts, das man uns nehmen könnte, denn Materie ist ohnehin vergänglich und jede Erfahrung die wir machen, jeder Mensch, dem wir begegnen wird zu einem Teil von uns, ob wir das wollen oder nicht. Wir gewinnen also in Wirklichkeit immer, auch wenn es gerade so aussieht, als würden wir verlieren. Wenn wir jemanden verabschieden müssen, gewinnen wir Erinnerungen. Wenn wir etwas verlieren, das uns wichtig war, gewinnen wir Einsicht. Zum Beispiel die Einsicht, dass es offensichtlich etwas gibt, das uns niemals jemand nehmen kann, denn hey, egal was Du bisher verloren hast, Du hast es überlebt, oder? Du bist hier und hörst diesen Podcast. Schön, dass Du noch da bist! Jeder Verlust ist also gleichzeitig ein Gewinn.


3. Abschiede brauchen Zeit.


Nach den Phasen des Schocks und des Widerstands braucht jeder Verlust auch eine Zeit, in der wir anerkennen, was ist und unseren Verlust betrauern. Nur wenn wir uns in Würde verabschieden von etwas Altem, machen wir ausreichend Platz für Neues und können den Verlust früher oder später auch als Gewinn sehen. Da gibt es nichts zu beschleunigen und auch funktionieren musst Du in dieser Zeit nicht. Vielleicht ist gerade diese Phase so „verhasst“, weil es hier einfach darum geht sich damit abzufinden, dass wir nichts tun können. Wir sollten aufhören, uns etwas aufzuzwingen, das gerade einfach nicht dran ist. Vielmehr zwingt uns das Leben, darauf zu vertrauen, dass alles weitergeht. Denn das tut es, auch wenn wir keine Kontrolle darüber haben. Es hört niemals auf.


4. Es hat nichts mit Dir zu tun und es geht auch nicht um Dich.


Ich habe hier im Podcast ja schon häufiger erwähnt, dass es wohl die egoistischste Amtshandlung ist, Dinge persönlich zu nehmen. Wenn Du jemanden oder etwas verlierst, hat das rein gar nichts mit Dir zu tun. Ganz egal, ob ein Elternteil Dich im Stich gelassen, ein Partner Dich verlassen, oder ein Arbeitgeber Dich gekündigt hat. Es hat nichts mit Dir zu tun. Natürlich betrifft es Dich. Aber egal, was Du getan oder nicht getan hättest, es hätte nichts daran geändert. Der Fluss des Lebens ist ein ziemlich sturer Zeitgenosse und wird früher oder später immer dort ankommen, wohin er zu fließen bestimmt ist. Manchmal braucht es ein paar Umwege, manchmal geht es auf direktem Weg dorthin. Du kannst Dir also sicher sein, dass es entweder für Dich, für Dein Gegenüber, für das Kollektiv oder für die Welt das Beste war und ist, was passiert ist. Auch wenn Du das vielleicht nicht so sehen kannst. Das Leben und andere Menschen sind nicht dazu da, ihnen Deine eigenen Wünsche und Vorstellungen überzustülpen. Nicht „Mein Wille geschehe.“, sondern „Das Beste geschehe, auch wenn es nicht mit meinem Willen übereinstimmt.“. Dir muss nichts leid tun und Du musst Dich nicht schuldig fühlen. Es wäre vermessen, zu glauben, dass Du langfristig einen Einfluss gehabt hättest.


5. Dein Leben hat immernoch einen Sinn.


Das ist wieder ein Punkt, über den ich wahrscheinlich tagelang philosophieren könnte, ich versuche mich hier aber auf das Wesentliche zu beschränken.


Ganz egal, wie schrecklich Du Dich vielleicht fühlst, wie zerbrochen Deine Welt im Außen gerade scheint, der Sinn ist niemals weg. Du kannst ihn nur gerade nicht sehen. Solange Du atmest, hat alles einen Sinn. Es ist ja gerade total in Mode, sich mit dem Thema Sinn auseinanderzusetzen, Vision Boards zu basteln und für jeden Lebensbereichen den ultimativen Sinn zu finden. Das finde ich sooo unglaublich anstrengend. Weißt Du, ich glaube, der Sinn des Ganzen hier ist, dem Ganzen einen Sinn zu geben. Und zwar in allem, was Du tust. Der Sinn ist, dass ich mich morgens über den Sonnenaufgang freuen kann, weil mein Augenlicht funktioniert und ich ihn sehen kann. Der Sinn ist, dass ich bei meinem morgendlichen Kaffee ein wohlig warmes Gefühl habe, weil mich der Geruch an eine gemütliche Situation erinnert und er mir die Zeit bietet, einfach nur mit mir zu sein. Der Sinn ist, dass ich dankbar bin für jede Begegnung mit anderen Menschen, weil ich mich von ihnen berühren lasse und dadurch wieder ein bisschen mehr von mir selbst sehen kann. Der Sinn ist, dass ich beim Duschen das warme Wasser auf meiner Haut genieße, weil ich dadurch spüre, dass ich etwas spüren kann. Der Sinn ist, dass ich mit Essen und Bewegung meinem Körper etwas Gutes tue, weil ich weiß, dass ich – zumindest in diesem Leben – nur durch ihn am Leben teilnehmen kann.


Hey, am Ende kommt niemand von uns hier lebend raus. Lass uns mal verletzlich zeigen und was riskieren. Lass uns so richtig traurig sein, um im nächsten Moment aus tiefstem Herzen zu lachen. Lass uns mal gegenseitig berühren, ohne zu wissen, was passiert. Lass uns mal mutig sein und dieser neuen Realität eine Chance geben. Alles, was wir verloren haben, ist nach wie vor ein Teil von uns und das ist gut so. Das darf sein. Kämpf nicht dagegen an. Am Ende gewinnt immer das Leben! Sei doch mal das Leben... Sei doch mal wieder lebendig.


Danke, dass Du da bist. Danke, dass es Dich gibt. Danke für Dein So-Sein.


Genieß Deine Woche und bis nächsten Dienstag.




© FRANZISKA DITTRICH

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