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  • Franziska Dittrich

Osterspecial – Fünf etwas andere Gedanken zur aktuellen Situation





Herzlich Willkommen bei nothing but mindfulness. , dem Podcast, in dem sich alles darum dreht, wie Du durch eine achtsame Haltung Dein Leben und die Welt verändern kannst. Mein Name ist Franziska Dittrich und ich freu mich total, dass Du heute wieder da bist und Deine Zeit mit mir teilst.

In der heutigen Folge möchte ich fünf etwas andere Gedanken zur aktuellen Situation mit Dir teilen. Ich möchte das ganze Thema hier nochmal aus einer anderen Perspektive beleuchten und Dir mehr an die Hand geben als nur „Lies doch mal ein Buch und sei gut zu Dir selbst“. Zu jedem meiner Gedanken bekommst Du auch noch einen Tipp, den Du direkt in die Praxis umsetzen kannst – für mehr Achtsamkeit und Leichtigkeit in dieser verrückten Zeit.

Das mache ich deshalb, weil ich glaube, dass es gerade in Krisen-Zeiten unglaublich wichtig und wertvoll für uns sein kann, die Mechanismen zu verstehen, die in uns wirken.

Also uns in einer Situation wie jetzt nicht selbst dazu zwingen, irgendwie künstlich happy zu sein, aber auch nicht in Panik zu verfallen. Sondern vielmehr zu schauen, wie wir ehrlich mit uns selbst sein können – auch wenn das wahrscheinlich das Härteste ist, was wir tun können. Am Ende, denke ich, sollten wir einfach schauen, wie wir für uns selbst das Bestmögliche herausholen können. Und dabei ist mir nochmal wichtig zu betonen, dass mein Bestmögliches nicht auch Dein Bestmögliches sein muss.

Leg Dir für diese Folge am besten etwas zu Schreiben bereit, es könnte sein, dass Du Dir hin und wieder Notizen machen möchtest zu Fragen, die Du nach der Folge beantworten kannst.


Jetzt lass uns starten, ich wünsch Dir ganz viel Freude beim Zuhören.

Ich habe für mich selbst gemerkt, dass ich ganz verschiedene Phasen durchlaufen habe, seit das Ganze vor einigen Wochen anfing. Es war oft ein Hin und Her zwischen „Ja okay, ist jetzt halt so...“ und „Ohje, wo führt das denn alles hin... Was wird aus mir und meiner Selbstständigkeit?“. Manchmal auch ein Mix aus „Endlich hab ich mal Zeit für all das, was liegen geblieben ist – gut, dass ich jetzt dafür Zeit habe.“ und „Eigentlich möchte ich jetzt einfach nur meine Familie und meine Freunde besuchen!“. An anderen Tagen frag ich mich, wer von dem Ganzen gerade profitiert und was hinter all dem steckt.


Vielleicht noch eins vorab, bevor wir in die Thematik einsteigen: Ich möchte hier keinesfalls irgendetwas herunterspielen. Wenn auf der Welt etwas passiert, wobei Menschen sterben, ist das immer schlimm und traurig. Sei es nun ein Virus, andere Krankheiten, ein Krieg, Hungerleiden, oder irgendetwas anderes. Ich habe selbst in meinem Leben schon mehrfach die Erfahrung gemacht, wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen zu verlieren. Dafür gibt es keine Worte. Und meine Gedanken und mein Mitgefühl gelten all denjenigen, die sich aufgrund der aktuellen Situation von jemandem verabschieden mussten. Nachfolgend möchte ich Dir einfach nur mal ein paar neue Denkanstöße geben zwischen all dem, was uns ohnehin schon täglich in den Medien überflutet.


Der erste Gedanke, den ich mit Dir teilen möchte lautet: Angst kann nur überleben, wenn Deine Gedanken in der Zukunft sind.


Ich denke, wir brauchen uns alle nichts vormachen. Jeder und jede von uns hatte in dieser unsicheren, verrückten Zeit schon Angst. Angst, die bekannte Vergangenheit gegen eine unbekannte Zukunft einzutauschen. Die einen nur für einen kurzen Moment, die anderen über längere Zeit. Eines gleich vorab: Es ist total okay, Angst zu haben. Und es ist auch okay, keine Antwort zu haben auf all die Fragen, die die Angst uns mitbringt. Wir sind da oft ganz streng mit uns und glauben, wir brauchen auf alles eine Antwort. Lass Dir gesagt sein: Du kannst Dich entspannen. Keiner hat jemals alle Antworten auf sämtliche Fragen parat, die gerade da sind.


Ich glaube, an der Stelle sind zwei Dinge wichtig zu verstehen: Zum einen, wie die Angst entsteht und zum anderen, wozu sie führt.

Angst bzw. auch jedes andere Gefühl entsteht immer durch unsere persönliche Interpretation einer bestimmten Situation. Wir nehmen also irgendetwas im Außen wahr und drücken dem Ganzen unseren Stempel auf. Im Fall der Angst trägt der Stempel die Inschrift „Ohje, das ist ja furchtbar“. Unsere Gedanken und Gefühle bedingen sich gegenseitig. Unser limbisches System erzeugt immer das, was wir eine Wahrheit nennen, aus der dann ein Gedanke erwächst, der wiederum eine Emotion erzeugt. Du denkst also einen Gedanken oder nimmst etwas im Außen wahr und interpretierst es als furchtbar, wodurch das Gefühl der Angst erzeugt wird. Die Angst führt dann wiederum zu Gedanken, die sie bestätigen. Das Ganze ist also ein ziemlicher Teufelskreis.

Angst ist durchaus ein wichtiges Gefühl, das wir brauchen, um kreativ und innovativ zu sein. Und ich möchte an der Stelle jetzt auch nicht sagen „Hör auf, Angst zu haben und sei mal happy, denk positiv.“ Das wäre vermutlich nicht der richtige Weg. Ein gesundes Maß an Angst ist absolut okay und sogar notwendig.


Ich will Dich nur auch dafür sensibilisieren, wozu es führt, wenn Du ZU VIEL Angst hast.

Zu viel Angst führt dazu, dass wir unseren Fokus ausschließlich auf das richten, worüber wir keine Kontrolle haben. Und wenn wir uns auf das konzentrieren, was wir aktuell nicht lösen können, worüber wir also keine Kontrolle haben, weil es außerhalb unseres Einflussbereiches liegt, fühlen wir uns hilflos. Wenn wir uns hilflos fühlen, werden wir passiv und nehmen uns als Opfer der Umstände wahr. Wir sind dann überzeugt davon, handlungsunfähig zu sein und unsere Selbstwirksamkeitsüberzeugung geht gegen 0. Das kannst Du Dir so vorstellen, als wenn Du mit Deinen Händen ein kleines Fernrohr formst und dann hindurch siehst. Jetzt ist es mit der Angst nur meistens so, dass Du Dir da vermutlich gar nicht bewusst bist, dass Du gerade durch ein solches Fernrohr siehst.


Außerdem erzeugen wir durch das Festhalten an unserer Angst – so wie durch das Festhalten an allem – Leid. Wir geben der Situation noch mehr Spannung, als sie ohnehin schon hat und machen den Schmerz zu Leid, das uns die ganze Zeit quält. An sich ist Schmerz nämlich einfach nur. Er ist weder gut, noch schlecht oder furchtbar. Er ist.

Ich habe ja vorhin schon erwähnt, dass Angst nur dann überleben kann, wenn Deine Gedanken in der Zukunft sind. Wenn Du Dir also Sorgen über das machst, was vielleicht kommen könnte. Laura Seiler hat dazu letztens so schön gesagt „Angst ist die Erwartung von Schmerz in der Zukunft.“ Ich glaube, das trifft es ganz gut. Wenn Du in der Zukunft etwas erwartest, dass Du zum jetzigen Zeitpunkt als „ganz furchtbar“ abstempelst, wiederholt sich der Angst-Kreislauf immer und immer wieder.

Das Beste, was Du also machen kannst und damit mein Tipp Nr. 1 lautet: Nimm Deine Gefühle, die gerade da sind, einfach wertungsfrei wahr und an, so wie sie sind. Und zwar mit dem Bewusstsein, dass in genau diesem Moment, im Hier und Jetzt, ALLES gut ist.

So wie alles im Leben werden diese Gefühle und auch diese Situation vorübergehen. Wenn Du aufhörst, so sehr gegen Deine Gefühle – und damit übrigens auch gegen Dich selbst – zu kämpfen, entsteht so viel Raum. Raum, den Dir niemand nehmen kann, ganz egal, was im Außen passiert. Raum, der Dir übrigens auch über die Krise hinaus erhalten bleibt.


Raum, den Du zum Beispiel nutzen kannst, um über meinen zweiten Gedanken nachzudenken, der da lautet:


Wer willst Du sein in Zeiten einer Krise?


Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich bemerke in dieser aktuellen Zeit gerade ganz stark, wer in meinem Umfeld mir gut tut und wer nicht. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich die Kontakte, die mir gerade nicht gut tun, ganz bewusst meide.

Was zeichnet die Menschen aus, die mir gerade gut tun? Sie sind zuversichtlich. Sie vertrauen darauf, dass all das nur temporär ist und vorübergeht. Sie sprechen über ihre Gefühle, aber jammern nicht. Sie beschäftigen sich nicht 24 Stunden mit vermeintlichen Problemen, sondern suchen kreative Lösungen. Sie kümmern sich gut um sich selbst, gestalten ihre neu gewonnene Zeit so gut es eben gerade möglich ist. Sie sind immer noch für ein Späßchen zu haben. Sie nehmen all das, was gerade passiert, nicht zu ernst. Sie sind bemüht darum, anderen in ihrem Umfeld immer wieder kleine Freuden im (zugegebenermaßen gerade etwas eintönigen) Alltag zu machen – sei es durch eine liebe Nachricht, eine Postkarte, oder irgendeine andere Aufmerksamkeit. Und vor allem verstehen sie, dass ihre Interpretation der aktuellen Situation ganz maßgeblich dazu beiträgt, wie das Ganze ausgehen wird, wie also unsere Zukunft nach der Krise aussehen wird.

Menschen, die ich gerade meide, sind diejenigen, die sich tagein, tagaus darüber beschweren, wie furchtbar alles ist. Wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch,... Diejenigen, die ihren Fokus 24 Stunden lang auf irgendwelche Nachrichten lenken, aus denen sie ständig neue Informationen nehmen, die sie wiederum beunruhigen, um dann festzustellen, dass sie aktuell – außer Jammern und sich beschweren – überhaupt nichts tun können. Das führt natürlich zu Frust, negativer Stimmung und einer „Alles ist schlecht“-Einstellung.


Versteh mich nicht falsch, ich akzeptiere und respektiere jede Meinung zur aktuellen Situation. Ich will es mir gar nicht anmaßen, da etwas als richtig oder falsch, als gut oder schlecht zu beurteilen. Natürlich sollte man sich auch eine eigene Meinung bilden und einigermaßen im Bilde bleiben, was gerade so passiert und sich verschiedene Quellen und Perspektiven anschauen. Allerdings habe ich für mich beschlossen, meine Energie nicht auf das zu richten, was ich gerade ohnehin nicht ändern kann und mich deshalb auch nicht primär mit Menschen zu umgeben, die genau das tun. Es genügt, wenn ich mich einmal pro Tag für etwa 20 Minuten zu dem Thema informiere. Ich achte ganz bewusst darauf, hier die Grenze in Bezug auf meine Aufmerksamkeit zu ziehen zwischen „Es steuert mich.“ und „Ich steuere es.“. Wir lassen uns aufgrund der Evolution nämlich ganz schnell dazu hinreißen, uns auf das Furchtbare, vermeintlich Lebensbedrohende zu fokussieren und schalten damit alles andere in unserer Umgebung auf stumm. Das hat dann auch zur Folge, dass wir nicht mehr klar denken können und Vieles vielleicht falsch einschätzen oder übersehen, weil wir so sehr mit uns selbst beschäftigt sind.

Vielleicht hast Du ja auch schon festgestellt, dass es gerade Menschen gibt, deren Gesellschaft Dir gut tut und solche, die Dir eher Energie rauben.

Mein Tipp Nr. 2 lautet: Überleg Dir zunächst mal, welche Eigenschaften die Menschen haben, mit denen Du Dich aktuell gern umgibst. Wie verhalten sie sich? Wie äußern sie sich? Was strahlen sie aus? Was tun sie gerade? Was lassen sie gerade?

Und dann reflektiere einmal zu diesen Fragen in Bezug auf Dich selbst. Wie verhältst Du Dich? Wie äußerst Du Dich? Was strahlst Du aus? Was tust und was lässt Du gerade?

Wer willst Du sein in Zeiten einer Krise?

Das wird mit Sicherheit nicht die letzte Krise sein, die wir erleben. Krisen jeglicher Art kommen immer wieder. Wäre es da nicht gut, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wer man selbst in einer solchen Zeit sein möchte – für sich selbst und für andere? Das hat übrigens den netten Nebeneffekt, dass Du die Haltung „passiver Konsument“ in „aktiver Gestalter“ umwandelst und dadurch richtig viel Power zurückgewinnst. Das läuft nämlich – ganz beiläufig erwähnt - immer so im Leben: Sofern Du keine eigenen Regeln aufstellst, wirst Du immer nach den Regeln anderer zu spielen. Das ist vermutlich die bequeme Version bzw. der leichte Weg, aber ob es das Richtige ist? Aus meiner Sicht nicht.

Darauf aufbauend kommen wir auch gleich zu meinem dritten Gedanken, der zugegebenermaßen auf den ersten Blick etwas simpel klingt:


Neue Entscheidungen führen zu neuen Ergebnissen.

Auch wenn das selbsterklärend zu sein scheint, möchte ich es noch ein bisschen weiter ausführen, bzw. Dir erläutern, was ich in genau diesem Kontext damit meine.

Ganz grundsätzlich sind wir Menschen sehr bequeme Zeitgenossen. Auch unser Gehirn verschwendet nicht gern unnötig Energie, wo es nicht dringend notwendig ist. Meistens treffen wir eine Entscheidung, neue Wege zu gehen, einen neuen Kurs einzuschlagen, erst dann, wenn wir an einer Weggabelung angekommen sind. Wenn es also gar nicht mehr anders geht, als uns zu entscheiden. Jetzt ist es in unserer westlichen Welt aber leider – oder vielleicht auch zum Glück – so, dass wir selten gezwungen werden, wirklich große, einschneidende Entscheidungen zu treffen.

Ent-scheidung bedeutet immer, dass wir uns vielleicht von dem verabschieden müssen, was bisher war. Das wiederum macht natürlich Angst. Du hast mit Sicherheit schon ganz viele Entscheidungen getroffen in Deinem Leben, ich auch. Ist Dir schonmal aufgefallen, dass Du, sobald Du beschließt, Dich einem Problem zu stellen, feststellst, dass Du zu viel mehr fähig bist, als Du ursprünglich dachtest?

Erinnere Dich mal an eine Situation, in der Du eine Entscheidung getroffen hast und vor allem daran, welche Kräfte Du in diesem Moment mobilisieren konntest.

Unter anderem haben wir da auch im Gehirn einen bedeutungsvollen Helfer, eine Art Türsteher, unser retikuläres Aktivierungssystem – kurz „RAS“. Dieser Türsteher entscheidet darüber, welche Informationen in unser Gehirn reingelassen werden, schließlich ist es einfach unmöglich, all die Sinnesreize zu verarbeiten, die wir sekündlich wahrnehmen. Mit Deinem RAS hast Du sicherlich schon Bekanntschaft gemacht. Vielleicht wolltest Du Dir in der Vergangenheit mal ein neues Auto kaufen und hast dann plötzlich auf der Straße überall genau dieses Modell herumfahren sehen.

Wenn wir uns jetzt also für etwas entscheiden, sozusagen unser inneres Navigationsgerät auf einen neuen Weg einstellen, wird unser Gehirn alles dafür tun, um die nötigen Informationen aus unserer Umgebung herauszufiltern, die uns dienlich sind, um dieses Ziel zu erreichen. Stell Dir mal vor, Du machst einen Fallschirmsprung aus einem Flugzeug. Sagst Du Deinem RAS dann, dass es Beweise dafür sammeln soll, dass Du gerade fällst, oder dafür, dass Du gerade fliegst?

Der Unterschied zwischen den Entscheidungen, die wir normalerweise treffen und der aktuellen Situation ist, dass wir diese Situation offensichtlich so nicht selbst gewählt haben. Wir werden also in etwas hineingezwungen, mit dem wir uns jetzt auseinandersetzen dürfen. Die gute Nachricht ist, dass wir auch in solchen Situationen die Möglichkeit haben (und übrigens auch dringend wahrnehmen sollten) unsere Entscheidungen selbst zu treffen. Nämlich die Entscheidungen, wie wir mit all dem umgehen und was wir daraus machen.

Ich habe ja vorhin schon kurz erwähnt, dass wir Menschen bequeme Zeitgenossen sind. Das heißt, dass wir die meisten unserer Entscheidungen aus Gewohnheiten heraus treffen, die wir uns im Laufe unseres Lebens zugelegt haben. Wenn wir jetzt also zum Beispiel gelernt haben, dass wir in herausfordernden Situationen immer direkt resignieren und davon überzeugt sind, dass wir ohnehin nichts ändern können, also in eine Opferrolle verfallen, wird unser Gehirn auch in der aktuellen Situation dieses Programm abspielen.

Unter diesen Gewohnheiten liegen unsere Werte. Werte sind etwas ganz Maßgebliches in unserem Leben, da sie darüber bestimmen, ob wir uns auf etwas hin oder von etwas weg bewegen. Wenn wir es nun schaffen, auch in Situationen wie der aktuellen, die Schicht unserer Gewohnheiten zu durchdringen, entdecken wir uns selbst und damit vielleicht eine ganz neue Welt.

Warum ist das wichtig? Die Veränderungen in unserem Leben werden kein Ende nehmen. In Wahrheit ist noch nie etwas auch nur für einen Augenblick gleichgeblieben. Und veränderte Situationen im Außen erfordern immer auch neue Entscheidungen im Innen.

Mein Tipp Nr. 3 für Dich lautet: Werde Dir heute einmal darüber bewusst, welche Entscheidungen Du gerade täglich triffst. Entscheidest Du Dich für Angst, Mangel, Sorge und Trauer? Oder entscheidest Du Dich für Zuversicht, Annehmen und das Beste daraus machen? Versuch ab sofort, Deine Entscheidungen wirklich ganz bewusst zu treffen und überleg Dir, welche Anweisungen Du Deinem inneren Türsteher gibst. Worauf soll er sich konzentrieren? Ich verspreche Dir, er wird Dein treuester Diener sein.

Vielleicht hat irgendetwas von dem, was ich bisher erzählt habe, einen Widerstand in Dir ausgelöst. Vielleicht ist es auch die ganze Situation an sich, die einen Widerstand in Dir hervorruft. Das ist super! Warum? Das erzähl ich Dir im Abschnitt zu meinem vierten Gedanken.

Jeder Widerstand ist ein Fürstand – wofür stehst Du gerade ein?


Immer dann, wenn wir innerlich einen Widerstand gegen etwas oder jemanden empfinden, ist das ein sehr wichtiges Signal. Es zeigt uns, dass wir gerade für etwas einstehen, das dem entgegensteht, was gerade passiert.

Vielleicht entdecken wir in solchen Zeiten oder Situationen ganz neue Seiten an uns. Seiten, die bisher irgendwo tief in uns verborgen waren und die nie zu Wort kommen durften. Seiten, die es uns ermöglichen, uns über unsere eigenen Werte, unsere Moralvorstellungen und unsere Glaubenssätze bewusst zu werden.

Wenn wir dann erst einmal erkannt haben, worum es gerade geht, können wir damit weiter arbeiten. Lass uns zum Beispiel davon ausgehen, dass Du gerade einen enormen Widerstand dagegen hast, in Deiner Freiheit eingeschränkt zu sein. Ich denke, das ist gerade bei ganz vielen Menschen der Fall.

Eine wichtige Erkenntnis daraus wäre, dass Du in Wahrheit über die größte Freiheit in Deinem Leben IMMER selbst entscheiden kannst. Hierzu lese ich Dir kurz ein Zitat von Viktor Frankl vor, einem österreichischen Neurologen und Psychiater, der die Zeit im KZ überstanden hat. Er schrieb damals in einem seiner Bücher:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“


Diese Worte finde ich deshalb so eindrücklich, weil sie von einem Mann stammen, der auf die wahrscheinlich grausamste Art und Weise erlebt hat, was es bedeutet, seiner Freiheit im Außen beraubt zu werden. Und dennoch hat er verstanden, dass ihm die wahre Freiheit niemals jemand nehmen kann.

Was ich Dir damit sagen will ist: Wir glauben oft unserem ersten Impuls, der in unserem Beispiel lautet „Jemand beraubt mich meiner Freiheit.“. Dabei vergessen wir, dass wir durchaus imstande sind, uns unser dringendes Bedürfnis, unseren Wunsch nach etwas im Außen, selbst im Inneren erfüllen können.

Diese Zeit kann Dich also sehr viel über Dich selbst lehren. Sie kann Dir dabei helfen, Deine Widerstände zu nutzen, um herauszufinden, was Dir wirklich wichtig in Deinem Leben ist. Und wenn Du merkst, dass Du das gerade im Außen nicht finden kannst, mach Dir einmal Gedanken darüber, wie Du Dir selbst im Innen genau das erschaffen kannst, was Du Dir normalerweise im Außen holen würdest.

Noch eines ist mir an der Stelle wichtig zu sagen: Sobald Du Deinen Fokus andauernd auf Deine Widerstände lenkst und all Deine Gedanken und Gefühle in das investierst, was Du NICHT haben willst, erschaffst Du Dir eine Zukunft, die Du definitiv nicht haben willst. Das liegt daran, dass unsere Energie immer der Aufmerksamkeit folgt. Zudem verursacht Widerstand Stress und Stress schwächt nachgewiesenermaßen unser Immunsystem.


Tipp Nr. 4 lautet: Geh heute mal ins Gespräch mit Dir selbst, anstatt Dich von dem ganzen Lärm im Außen ablenken zu lassen. Schreib Dir einmal all Deine Widerstände auf und hinterfrage, was genau Deine Bedürfnisse hinter diesen Widerständen sind. Wofür stehst Du gerade ein? Anschließend kannst Du Dir überlegen, wie Du Dir das, was Du Dir gerade im Außen so sehr wünschst, im Inneren erschaffen kannst.


Und damit kommen wir jetzt zu meinem fünften und letzten Gedanken für diese Folge.


Die Geschichte, die Du Dir über Dich selbst erzählst, wird zu Deiner Realität.

Wir Menschen waren schon immer großartige Geschichtenerzähler. Denk nur mal an früher, als alle um ein Lagerfeuer versammelt waren und sich bis in die Nacht Geschichten erzählt haben.

Was wir heute oft vergessen ist, dass wir uns auch über uns selbst täglich Geschichten erzählen. Wir erzählen uns, dass wir etwas können, oder nicht können. Wir erzählen uns, irgendjemand bestimmtes zu sein. Wir erzählen uns, ohne irgendetwas oder irgendjemanden nicht leben zu können. Wir erzählen uns, dass X oder Y die absolute Wahrheit ist, die keinen Spielraum für Zweifel lässt.

Wozu führt das?


Vielleicht hast Du schon gemerkt, dass ich ein Fan von Beispielen und bildhafter Sprache bin. Ich glaube einfach, dass die Dinge greifbarer werden, wenn wir uns ganz konkret etwas vorstellen können.

Stell Dir mal vor, jede dieser Geschichten, die Du Dir über Dich selbst erzählst, wäre eine Wolke. Eine Wolke, die mal sichtbar, mal weniger sichtbar ist. Mal größer, mal kleiner. Eine Wolke, die mal schneller vorbeizieht und mal langsamer. Hast Du das Bild? Super.

Es ist gerade in herausfordernden Zeiten soo so wichtig, dass wir verstehen, dass wir nicht diese Wolken sind, sondern der Himmel. Dass wir all diese Wolken HABEN. Dass es also hinter all diesen Wolken, hinter all diesen Geschichten, noch etwas gibt, das viel größer ist. Den Himmel, unser Selbst.

Wenn etwas schwierig und unangenehm wird, haben wir oft auch das Gefühl, nicht mehr klar denken zu können. Um wieder auf unser Beispiel zurückzukommen: Die Wolken verdichten sich und ziehen sich zu. Das liegt daran, dass wir standardmäßig unseren etablierten Ideologien und unseren gewohnten Denkmustern vertrauen, auch wenn wir im Herzen nicht daran glauben. Es entsteht also eine Art innerer Kampf. Ein Kampf zwischen den Wolken und dem Himmel.

Eine Wolke könnte gerade den Namen „Ich kann mit all dem nicht umgehen, es wird alles ganz schrecklich sein“ tragen. Was wäre, wenn Du einfach aufhörst, Dir diese Geschichte zu erzählen? Vielleicht klingt das im ersten Moment unvorstellbar für Dich. Die Wahrheit ist aber, dass wir uns, solange wir auf unsere Intuition und unser Herz (also in unserem Beispiel auf den Himmel) hören, sicher sein können, dass es keine anderen Grenzen gibt als die, die wir uns selbst setzen. Und wir können uns auch sicher sein, dass der Ort, von dem aus wir uns selbst, die Dinge und die Welt betrachten, ausnahmslos IMMER darüber entscheidet, was wir sehen.

Mein fünfter und letzter Tipp für heute lautet: Schreib Dir einmal die Geschichten auf, die Du Dir gerade über Dich und die aktuelle Situation erzählst. Anschließend stellst Du Dir bitte die folgenden Fragen:


1. Ist das wahr?

2. Ist es gut und hoffnungsvoll, mir gerade diese Geschichten zu erzählen?

3. Wie könnte ich die Geschichten so umschreiben, dass sie mir dienlicher sind?

4. Mal angenommen, es gäbe etwas, das durch diese Krise möglich wird. Was könnte das sein? Welche geniale neue Geschichte könnte daraus entstehen? Schreib sie auf. Und zwar so, als wäre sie schon eingetreten.


Aus meiner Erfahrung als Coach weiß ich, dass es oft schon hilft, den Dingen einen neuen Namen zu geben.


So, das waren sie nun, meine fünf Gedanken und fünf Tipps zur aktuellen Situation.

Bevor wir gleich zum Ende kommen, fasse ich meine Gedanken noch einmal kurz für Dich zusammen. Ich lege Dir wirklich ans Herz, die Tipps, bzw. die Fragen, die ich innerhalb der Tipps mit Dir teile, für Dich zu bearbeiten. Auch wenn Du vielleicht skeptisch bist, probier es einfach aus. Du hast nichts zu verlieren außer ein wenig Zeit. Gewinnen kannst Du hingegen eine Menge!

1. Angst kann nur überleben, wenn Deine Gedanken in der Zukunft sind.

2. Wer willst Du sein in Zeiten einer Krise?

3. Neue Entscheidungen führen zu neuen Ergebnissen.

4. Jeder Widerstand ist ein Fürstand – wofür stehst Du gerade ein?

5. Die Geschichte, die Du Dir über Dich selbst erzählst, wird zu Deiner Realität.

Es ist so wichtig, dass Du Dich gerade gut um Dich selbst kümmerst. Vergiss nie, dass ein Mensch, der ein Leben rettet, gleichzeitig die ganze Welt rettet. Und wie es im Flugzeug immer so schön heißt „Kümmern Sie sich erstmal um sich selbst und helfen Sie dann anderen, die Ihre Hilfe brauchen.“ Bleib also mit Deiner Aufmerksamkeit in erster Linie bei Dir selbst und lass Dich nicht zu sehr von all dem ablenken, was gerade im Außen passiert.


Und auch wenn Du Dich gerade unwohl fühlst, solltest Du wissen, dass die Veränderung, die aktuell auf der Welt und damit auch in Deinem Leben passiert, ein Anfang ist und nicht das Ende. Wenn das Beibehalten der Dinge, so wie sie bisher waren, bedeutet hätte, dass alles gut ist, wie es ist, würde das, was gerade passiert, nicht passieren. Veränderung ist immer die Ansage, dass gerade irgendetwas nicht funktioniert. Und Veränderung geschieht immer zu unserem Besten. Und bevor sich jetzt gleich ein Widerstand bei Dir meldet: Zu unserem Besten ist es auch dann, wenn wir in diesem Kontext manchmal verstehen müssen, dass das, was wir uns so sehr gewünscht haben und wünschen, gerade eben nicht das Beste für uns ist.


Ich danke Dir von Herzen, dass Du diese Folge bis zum Ende angehört hast. Wenn sie Dir gefallen hat und Du mich unterstützen möchtest, mit nothing but mindfulness. so viele Menschen wie möglich zu erreichen, freue ich mich total, wenn Du mir eine Bewertung auf iTunes hinterlässt und den Podcast mit Deiner Familie, Deinen Freunden, Kollegen und Bekannten teilst. Ich glaube, dass meine Sichtweise auf die Dinge gerade für ganz viele Menschen hilfreich sein kann.


Schau auch gern bei Instagram unter @franziska_dittrich vorbei und lass mir Dein Feedback da. Was ist Deine wichtigste Erkenntnis aus der Folge? Was sind Deine Gedanken zur aktuellen Situation? Ich freu mich auf den Austausch mit Dir.

Und bis dahin, pass auf Dich auf, lass es Dir gut gehen, alles Liebe für Dich und denk dran: nothing but mindfulness... Bis bald!

© FRANZISKA DITTRICH

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